Ausstellung: Erinnerung an die alte Bundesrepublik

Fernsehtisch mit Brille und Ascher: Foto aus Christian Werners Serie „Stillleben BRD“

Irgendwann vor Weihnachten 2014 war es, da rief ein alter Schulfreund Christian Werner an, um ihn zu fragen, ob er nicht das Haus seines Großvaters fotografieren wolle. Der Großvater, der seine Frau überlebt hat, war gerade gestorben. Nun sollte die Immobilie verkauft werden. Spätestens wenn man sein Elternhaus auflöst, kehrt die eigene Jugend und Kindheit rasant zurück ins Bewusstsein, schafft sich die Erinnerung Platz.

So ähnlich dachte Mario Biehs wohl auch, als er den Berliner Fotografen bat, die Reliquien seiner Kinder- und Jugendzeit in Bildern festzuhalten. Werner kannte das Haus, im oberen Stockwerk hatte er mit seinem Freund zusammen etliche Biere getrunken, Nirvana gehört, gechillt, abgehangen, so hieß es damals.

Werner willigt also ein und nimmt sich einen Tag Zeit, das Haus zu fotografieren. Herr B., das sind 80 Jahre, eine Inventur in Fotos, die jetzt im Bröhan-Museum unter dem Titel "Stillleben BRD" zu sehen sind. Diese Aufnahmen, Puzzlesteine aus dem Leben von Herrn und Frau B. aus Paderborn, sind mehr als persönliche Familienbilder, sind Abbilder von Wohnkultur und Lebensstil der alten Bundesrepublik. Die 70er-Jahre kehren mit aller Wucht zurück, Niedliches, Schönes, Piefiges, Potthässliches.

Zugegeben, leben wollte dort niemand mehr, auch wenn einige Dinge, wie der Flokati-Teppich, längst wieder auf der aktuellen Retroliste ganz oben stehen. "Für mich war es eine Auseinandersetzung mit der Nachkriegsgeneration, die ein geordnetes Leben in ihren Einfamilienhäuser...

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