Ausstellung: Alltag einer geteilten Stadt

Der sterbende Student Benno Ohnesorg, eine Studentin kümmert sich um ihn. Benno Larsson fotografierte die Szene am 2. Juni 1967

Als Bernard Larsson vom Bau der Mauer in Berlin hört, gibt es kein Halten mehr für den gebürtigen Hamburger. Er arbeitet zwar beim renommierten US-Fotografen William Klein im Pariser Studio für die "Vogue", doch die Stadt an der Seine ist ihm einfach zu "Schickimicki". Er will dabei sein in Berlin, einer Stadt die gerade Geschichte macht.

22 Jahre ist er alt, da hat er wenig zu verlieren. Und im Gegensatz zu anderen Fotografen kann er auf einen Joker setzen, mit seinem schwedischen Pass kann er umstandslos zwischen dem Ost- und dem West-Teil Berlins pendeln. Er hat hüben wie drüben eine Unterkunft.

Auch wenn der Name Larsson nicht allzu geläufig ist, ein Foto von ihm kennt fast jeder: seine ikonische Aufnahme vom sterbenden Studenten Benno Ohnesorg, neben ihm am Boden kniet eine junge Frau und versucht Hilfe zu leisten. Larsson steht in einer Entfernung von vielleicht zwei Metern vor der Szenerie. Polizisten wollen ihn noch am Foto hindern, doch unter Schock stehend, nimmt er das kaum wahr. Mit dieser Todes-Aufnahme enden seine fotografischen Aufzeichnungen der Studentenproteste.

Eine konzentrierte Auswahl mit 100 Fotografien zeigt derzeit die Stiftung Brandenburger Tor, eine Art Satellit der Schau aus dem Museum für Fotografie, wo Larsson im vergangenen Jahr gezeigt wurde. Rahmenlos sind die Abzüge an die Wände gepinnt. Dieser Geist der Improvisation entspricht Larssons Auffassung, wonach seine Bilder keine Kunst sind. "Ich bin kein Fotokünstler", antwortet er stets demjenigen,...

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