Mehr Werbung für Deutschland bitte!


Der Verband der Auslandsbanken in Deutschland nimmt die neue Bundesregierung in die Pflicht, die im Koalitionsvertrag vereinbarten Pläne zu Gunsten von Großbanken zügig umzusetzen. Diese sehen einen lockereren Kündigungsschutz für Spitzenbanker vor, um Deutschland so attraktiver für Geldhäuser zu machen, die wegen des Brexit Geschäftsteile von London auf den Kontinent verlegen müssen.

„Der Gesetzgeber muss schnell aktiv werden“, sagte Verbandschef Stephan Winter bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch, „Entscheidungen über Verlagerungen von Mitarbeitern werden in den nächsten Monaten erfolgen.“ Und das deutsche Kündigungsrecht sei ein wichtiger Faktor dabei.

Knapp 20 Banken haben sich bereits entschieden, ihr EU-Geschäft künftig von Frankfurt aus zu steuern oder es wegen des britischen EU-Austritts auszubauen. Nach Einschätzung des Verbands der Auslandsbanken geht das in den nächsten zwei bis drei Jahren mit 3000 bis 5000 neuen Stellen einher.


„Addieren wir noch die deutschen Häuser, die Geschäftsbereiche zurückverlagern, kommt sicher noch einmal eine vierstellige Anzahl hinzu“, so Winter. Mehr politische Unterstützung sei aber notwendig, um vor allem dem Werben Frankreichs um Banken etwas entgegensetzen zu können.
Seit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten hat das Land bereits eine Arbeitsmarktreform auf den Weg gebracht, die auch dem Bankensektor mehr Freiheiten gibt. Zudem wirbt das Land nach Angaben aus der Finanzbranche recht aggressiv um Banker.

Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben: Banker, deren jährliche Grundvergütung das Dreifache der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung überschreitet, sollen nicht mehr wie normale Angestellte behandelt werden. Sie würden mit leitenden Angestellten gleichgestellt. Dadurch würde es einfacher, sich von ihnen zu trennen.


Dass das deutsche Kündigungsschutzrecht das bisher erschwert, ist ein großer Kritikpunkt angelsächsischer Banken. Die im Koalitionsvertrag „beabsichtigte Regelung erachten wir als sachgerecht“, sagte Winter. Er schloss dem aber noch eine weitere Forderung an: auch die Höhe der Abfindungen sollte durch das geplante Gesetz begrenzt werden – beispielsweise auf das Dreifache des Grundgehalts.

„Damit würden wir in diesem Bereich auch wettbewerbsfähig.“ Der Auslandsbankenverband will sich vor allem bei dem neuen Finanzminister Olaf Scholz auch dafür einsetzen, dass dieser mehr Standortwerbung für Deutschland betreibe. Dies kann nach Einschätzung von Branchenexperten dazu führen, dass am Ende die Zahl der neuen Finanzjobs am Main am oberen Ende der Schätzungen oder darüber liegt.

Wegen der Scheidung Großbritanniens von der EU sind die internationalen Großbanken gezwungen, ihre Strategie zu ändern. Sie können künftig nicht mehr so viele Geschäfte wie bisher von London aus machen. „Verschiedene Standorte werden daher gestärkt, die europäische Landschaft der internationalen Banken wird ähnlich sein wie vor der Jahrtausendwende“, beschreibt Winter die Lage.

Teilweise entscheidet die Nähe zu Kunden darüber, welche Standorte die Institute ausbauen. „Doch es ist auch nicht zu unterschätzen, welche Rolle die Politik bei diesen Entscheidungen spielen kann, wenn sie uns das Gefühl gibt, wir sind willkommen“, heißt es aus Kreisen einer Großbank..