Ausländer- und Waffenregister: Ein Blick hinter die Kulissen des Bundesverwaltungsamts

Das Bundesverwaltungsamt an der Barbarastraße übernimmt Aufgaben für andere Ämter.

Das digitale Gehirn der Behörde ist gut gekühlt und summt unaufhörlich. In langen Schrankreihen blinken Server, die Daten speichern von Millionen Bundesbürgern und solchen, die es werden wollen. 400 Quadratmeter groß ist das klimatisierte Rechenzentrum im Erdgeschoss des Bundesverwaltungsamts.

Hier, an der Barbarastraße in Niehl, surrt unter anderem das Ausländer-Zentralregister mit Millionen Datensätzen von Ausländern oder Asylbewerbern vor sich hin. Aber auch das Nationale Waffenregister mit allen Informationen über erlaubnispflichtige Schusswaffen und ihrer (Privat-)Besitzer ist hier zu Hause. Vor allem das Ausländer-Zentralregister, das von Behörden gespeist und auf das Behörden zugreifen können, polarisiert.

Jüngst wurde es beim „eGovernment“-Wettbewerb ausgezeichnet, vor 18 Jahren bekam es den „Big Brother Award“, einen Negativpreis, der auch als „Oscar für Datenkraken“ bezeichnet wird. Im Sommer 1986 verübte eine linksextremistische Terrorgruppe sogar ein Bombenattentat auf das von ihr als „rassistisch und totalitär“ bezeichnete Ausländer-Zentralregister. Es blieb bei Sachschaden an der Barbarastraße. Aber die Sicherheits-Vorkehrungen sind seitdem verschärft worden.

Amt ist Dienstleister für alle Bundesressorts

Elf Stockwerke über den blinkenden Computern sitzen Silvia Bechthold und Manfred Schmidt in einem Büro mit fantastischem Blick über Köln und berichten von ihrer Behörde. Das Hauptgebäude in Niehl ist zwar in seiner Massigkeit nicht zu übersehen, aber kaum einer weiß, was hinter den Mauern mit den vielen Überwachungskameras vor sich geht. Denn die Mitarbeiter des kurz BVA genannten Bundesverwaltungsamts haben kaum direkten Kundenkontakt: Das Amt arbeitet vor allem für andere Ämter.

„Wir sind Dienstleister für alle Bundesressorts“, sagt Manfred Schmidt, wie Silvia Bechthold Vize-Präsident des Bundesverwaltungsamts. Hier landeten die Aufgaben, die nicht in die Fachbereiche der Ministerien passten. Was sperrig klingt, ist enorm vielfältig und geht weit über Datenerfassungen hinaus. Doping-Opfer der ehemaligen DDR bekommen Entschädigungs-Zahlungen über das BVA, Spätaussiedler müssen vor ihrer Ausreise nach Deutschland ein Aufnahmeverfahren beim BVA durchlaufen, Fördergelder für Sport und Kultur werden über das BVA vergeben. Dazu kommen immer wieder Notfall-Einsätze.

2002 stießen am Bodensee ein russisches Passagierflugzeug und ein Frachtflieger zusammen, 71 Menschen starben. Daraufhin organisierte das Kölner Bundesamt die Ausgleichszahlungen für Menschen, denen durch herabgestürzte Wrackteile Schäden entstanden waren. Als 1986 nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl verstrahlte Luft nach Deutschland kam, mussten viele Jäger ihr verseuchtes Wild töten lassen. Das BVA leistete Entschädigung und tut es noch immer, schließlich gibt es noch immer verstrahlte Gebiete. Andere wiederum müssen an das BVA Geld überweisen: Studenten, die Bafög bekommen haben, zahlen das Darlehen später an das BVA zurück, das das Geld anschließend auf Bund Länder verteilt.

1960 wurde das Amt gegründet

Gegründet wurde das BVA im Jahr 1960. Damals hatte es 299 Beschäftigte und residierte in dem elfstöckigen Gebäude am Rudolfplatz, in dem sich heute das Steigenberger-Hotel befindet. Die Kostenerstattung für die Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gehörte zu den ersten Aufgaben, aber auch die finanzielle und pädagogische Betreuung der deutschen Schulen im Ausland.

Das Ausländer-Zentralregister (AZR) wurde anfangs noch mit Karteikarten geführt, doch die Datenmasse machte schon bald eine elektronische Datenverarbeitung nötig. Als sie 1967 eingeführt wurde, war das AZR eine der modernsten Datenbanken überhaupt.

Ein wichtiges Thema ist noch immer die Digitalisierung. Eine ganze Abteilung des BVA überlegt, wie die Verwaltung von morgen aussehen könnte. „Der Bürger muss bei der Kommunikation mit Behörden oft zu Papier und Stift greifen“, sagt Bechthold: „Das ist uneffizient.“ Deshalb werden andere Bundesbehörden auf dem Weg in die Zukunft beraten.

In Niehl ist nur ein Teil der Kölner Mitarbeiter untergebracht

150 verschiedene Fachaufgaben übernimmt das BVA mittlerweile. Der Amtssitz am Rudolfplatz ist längst zu klein geworden. Auch im Nachfolge-Bau an der Barbarastraße – seit 1983 in Betrieb – sind nur 650 der rund 2000 Kölner Mitarbeiter untergebracht. Deutschlandweit hat das Amt weitaus mehr Bedienstete: rund 5500 an 30 Standorten. Zuletzt hat die Vielseitigkeits-Behörde auch die Aufgaben des Bundesamts für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) und dessen 1500 Mitarbeiter übernommen.

Die Zuständigkeiten des BVA sind durch die Fusion noch einmal enorm gewachsen. Das Portfolio hat sich etwa um die die Verwaltung der Kunstbestände der ehemaligen DDR-Regierung und die Betreuung des staatlichen Sammlermünzen-Wesens erweitert. Auch das digitale Gehirn im Erdgeschoss bekommt mehr Arbeit: Ab dem kommendem Jahr soll in Niehl die Fluggast-Datenspeicherung an den Start gehen.

Amt mit bester IT-Lösung

Das Bundesverwaltungsamt hat den „eGovernment-Wettbewerb“ in der Kategorie „Bestes Infrastrukturprojekt 2017“ gewonnen. Ausgezeichnet wurde eine IT-Lösung, die einen kontinuierlichen Datenaustausch zwischen dem Ausländer-Zentralregister und den Einwohnermeldeämtern der Städte und Gemeinden ermöglicht. So werden nach der Ersterfassung eines Flüchtlings automatisch Personalien auch an die zuständige Meldebehörde übermittelt, bisher hatten nur die Ausländer-Behörden Zugriff.

Unnötige Behördengänge würden so eingespart, so das BVA. Der Wettbewerb wird von der Technologieberatung Bearing Point und dem IT-Anbieter Cisco ausgerichtet, in der Jury sitzen Verwaltungs- , IT- und Wissenschaftsexperten....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta