Ausgezeichneter Wirtschaftsjournalismus


Die Gewinner des Georg von Holtzbrinck-Preises für Wirtschaftspublizistik 2017 stehen fest: Im Beisein von rund 120 geladenen Gästen wurde der renommierte Preis gestern Abend in Frankfurt in den Kategorien Text, Audiovisuell und Interaktive Multimedia-Speziale verliehen. Mit dem Preis zeichnen Verleger Dieter von Holtzbrinck und eine hochkarätige Jury jedes Jahr herausragende journalistische Leistungen im Bereich der Wirtschaftsberichterstattung aus. Zudem wurde der Ferdinand Simoneit-Nachwuchspreis für junge Journalisten vergeben.

Die Gewinner der Kategorie Text sind in diesem Jahr die Spiegel-Autoren Dietmar Hawranek und Frank Dohmen. Ihr Artikel „Das Auto-Syndikat“ hat in der Autobranche zu einem Erdbeben geführt: Die präzisen Recherchen der beiden Autoren zeigen, dass keineswegs nur harter Wettbewerb zwischen Daimler, BMW, Audi, Porsche und VW herrscht - stattdessen existieren Dutzende von Arbeitskreisen, in denen untereinander kooperiert wird. Ob diese Kooperationen schon den Sachverhalt eines Kartells erfüllen, das untersuchen zurzeit die Wettbewerbshüter der Europäischen Union.

In der Kategorie Audiovisuell erklären NDR-Redakteur Lutz Ackermann und seine Co-Autoren Oliver Schröm, Christian Salewski, Benedikt Becker, Felix Rohrbach, Karsten Polke-Majewski, Philip Faigle und Manuel Daubenberger einen der größten Steuerraubzüge der Geschichte. In der „Panorama“-Reportage „Milliarden aus der Staatskasse: Auf der Spur der Steuerräuber“ zeigen die Autoren anschaulich und nachvollziehbar auf, wie gerissene und gewissenlose Geldmacher mit so genannten Cum-Ex-Geschäften vom deutschen Steuerzahler über Jahrzehnte mehr als 30 Milliarden Euro erbeuten konnten - ohne dass ihren Machenschaften bislang ein Riegel vorgeschoben wurde oder sie dafür ins Gefängnis mussten.

Der Preis in der Kategorie Interaktive Multimedia-Speziale geht an Christian Werner und Marius Münstermann für ihre Visual Story „Die Glimmer-Kinder“ auf Spiegel Online. Dafür haben sich die Autoren auf die Spur von Glimmer begeben - dem Stoff, der Lippenstiften und Autolacken den besonderen Glanz verleiht. Ihre Recherche zeigt in beeindruckenden Videos, Fotos und Texten unter welch widrigen Bedingungen Glimmer gewonnen wird – nicht in offiziellen Minen, sondern in engen Gruben. In Indien leben ganze Dorfgemeinschaften vom illegalen Abbau, der gesundheitsschädlich und oft auch lebensgefährlich ist. Darüber hinaus besuchen die Autoren die Händler und verarbeitenden Konzerne und decken Widersprüche in deren Aussagen auf, Glimmer nur aus legalen Quellen zu beziehen.

Mit dem Ferdinand Simoneit-Nachwuchspreis wird der ZEIT-Journalist Moritz Aisslinger für seinen Artikel „Die armen Kinder vom Silicon Valley“ ausgezeichnet, in dem er die neue Armut im Zukunftslabor Amerikas aufzeigt. Im Silicon Valley leben bereits hunderttausende Menschen in Armut, da sie selbst mit einem Einkommen von mehr als 50.000 Dollar im Jahr kaum noch existieren können. Der Autor nimmt anhand von vier Einzelschicksalen die Vorzeigeregion der USA unter die Lupe, in der besonders gut zu beobachten ist, was passiert, wenn bei Zimmermieten von 4.000 US-Dollar und mehr die Mittelschicht wegschmilzt.

Die Preisträger wurden von einer hochkarätigen Jury aus den Bereichen Wirtschaftspublizistik, Management und Forschung ausgewählt. Zur Jury gehören:

Dieter von Holtzbrinck (Vorsitz), Verleger, DvH Medien GmbH - Dr. Thomas Bellut, Intendant, ZDF - Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, Institut der deutschen Wirtschaft Köln - Dr. Tonio Kröger, Geschäftsführer, antoni GmbH - Prof. Dr. Miriam Meckel, Herausgeberin, WirtschaftsWoche - Prof. Dr. Henrik Müller, Direktor Institut für Journalistik, TU Dortmund - Klaus-Peter Müller, Vorsitzender des Aufsichtsrats, Commerzbank AG - Dr. Nicole Prüsse, Geschäftsführerin Zentral-, Nord- und Osteuropa, ZenithOptimedia - Gabor Steingart, Herausgeber, Handelsblatt - Jochen Wegner, Chefredakteur, ZEIT Online

Der Georg von Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik wird seit dem Jahr 2000 verliehen. Der Ferdinand Simoneit-Nachwuchspreis für Wirtschafts- und Finanzjournalismus seit 2012. Alle Auszeichnungen sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.