"Der Alptraummann": Totschlag-Drama um "Goodbye Deutschland"-Paar

·Lesedauer: 5 Min.

Eine junge Norddeutsche wandert mit ihrer großen Lieben nach Schwedisch Lappland aus und stellt in der Einöde fest: Sie hat einem notorischen Lügner und Kriminellen vertraut. Kein verrückter Drehbuch-Einfall, sondern "die dramatischste und düsterste Geschichte in 15 Jahren 'Goodbye Deutschland'".

Julia und Sven vor ihrem neuen Zuhause in Schwedisch Lappland
Julia und Sven wanderten 2018 nach Schwedisch Lappland aus. Für Julia endete das Abenteuer in einem Albtraum. (Bild: TVNOW)

Die Sendereihe "Goodbye Deutschland! - Die Auswanderer" hat immer wieder kleine und große Dramen hervorgebracht. Krisen, Drogen, Existenangst und Trauer ... Alles kein Vergleich jedoch zu einem Horrorstück, das auf der Facebookseite des VOX-Formats im März angekündigt wurde als "die dramatischste und düsterste Geschichte in 15 Jahren 'Goodbye Deutschland'".

"Hallo, ich bin Julia, das ist Sven. Ich bin aktuell 25 Jahre, Sven ist 40", spricht eine junge Frau während der Autofahrt in ihre Handykamera. "Wir sind unterwegs zu unserem Häuschen, das wir in Schwedisch Lappland gekauft haben, und wollen euch einfach mal zeigen, wo wir ab jetzt leben werden." Angekommen an einem gottverlassenen Holz-Anwesen in Schwedens Norden sieht man jenen Sven bald mit einem Spaten Schnee aus dem Hauseingang schaufeln: "Warum Schweden? Weil in Deutschland wohnen viel zu viele Menschen auf viel zu kleiner Fläche, die mir auf Deutsch gesagt gehörig auf'n Sack gehen."

"Der Alptraummann": Blanker Horror einer "Goodbye Deutschland"-Auswanderin

Ausgestrahlt wurden diese Sequenzen, mit denen sich Julia S. und Sven H. 2018 erfolgreich bei "Goodbye Deutschland" bewarben, nicht im Rahmen der Auswanderer-Doku-Reihe, sondern erstmals bei TVNOW als Teil einer "True Crime"-Programmoffensive. "Der Alptraummann" ist die von Stern TV produzierte XXL-Doku überschrieben, die nach der Streaming-Premiere nun in zwei Teilen bei VOX gesendet wird. Es geht darin um falsche und echte Liebe, um Manipulation, Ausbeutung und ein abgründiges Tötungsdelikt. Ein Gruselstück, das sich unglaublicherweise so zugetragen hat.

Wichtigster Kronzeuge und gewissermaßen auch Held dieser Geschichte ist der Vater der jungen Auswanderin Julia, Holger S. Der gibt in der Doku zu Protokoll, immer einen engen Draht zur Tochter gehabt zu haben. Bis sie 2017 ihren neuen Freund Sven H. vorgestellt habe. 

Porträtaufnahme von Holger S.
Holger S. bewahrte seine Tochter mit eigenen Nachforschungen zu deren Verlobten womöglich vor Schlimmerem. (Bild: TVNOW)

"Ich nenne ihn Wesen, weil ich nicht glaube, dass ein Mensch zu so einer Tat in der Lage ist", zürnt der Vater vor der Kamera. "Ich hätte mir gewünscht, dass er für immer und ewig vor der Menschheit weggesperrt wird." 

"Er hat mich finanziell und als Mensch ruiniert"

2018 beschließen Julia und Sven aus Norddeutschland, nach Schweden auszuwandern, um dort Huskys zu züchten. Obwohl sich beide erste wenige Monate zuvor kennengelernt hatten. "Der fing jetzt an, ihren Traum zu verwirklichen", erinnert sich Julias Vater. Holger S.: "Man wollte es sich schönreden, aber ich hatte ein Scheißgefühl. Ich wusste, dass das nicht funktioniert."

Die Alarmglocken seien bei ihm spätestens dann angegangen, als die Tochter und der neue Freund ihre Verlobung bekannt gegeben hatten. Holger S. ist misstrauisch gegenüber Sven, der angibt, Millionär zu sein, als Lektor "in Lohn und Brot" zu stehen und mehrere Immobilien zu besitzen. Holger S. beginnt "hinter dem Rücken meiner Tochter" nachzuforschen, will wissen, "wer er eigentlich ist". Irgendwann ist ihm klar, dass Sven "ein krimineller Lügner ist, der meine Tochter ausnutzen will".

Millionär ist der Mann, der mit Julia in die schwedische Einöde gezogen ist - das nächste Haus kilometerweit entfernt -, mitnichten. Auch ist er deutlich älter als behauptet, nämlich schon Ende 40. Dazu hat er eine Haftstrafe verschwiegen, zwei Kinder, eine gescheiterte Ehe. Zwei Ex-Partnerinnen, offenkundig gebrochene Menschen, machen ihm in der TVNOW-Doku schwerste Vorwürfe: "Er hasst Frauen", sagt die eine. "Er hat mich finanziell und als Mensch ruiniert", klagt die andere.

Daniala V. frühere Lebensgefährtin von Sven sitzt an einem Tisch, darauf liegen Fotos
"Ich sehe ihn nicht als Mensch, sondern als Maschine", sagt Daniala V. in der Doku über ihren früheren Lebenspartner. (Bild: TVNOW)

Die Mutter erschlagen und einbetoniert: 13 Jahre Haft wegen Totschlags

Und dann sind da noch die Ungereimtheiten um Svens Mutter. Die meldet Holger S., Detektiv in eigener Sache, bei der Polizei als vermisst. Dann wird sie gefunden: erschlagen mit einem Schürhaken und einbetoniert in der Blumenbank ihres eigenen Hauses. Julia, die ihre vermeintlich große Liebe in Schweden ganz neu als "irre und unberechenbar" kennenlernt, flieht nach Deutschland und erfährt von dem Mordvorwurf aus der Presse.

Im April 2018, fünf Wochen nach dem Beginn der Dreharbeiten für "Goodbye Deutschland", wird Sven gefasst. 13 Jahre Haft wegen Totschlags lautet später das Urteil. Die Richter gehen davon aus, dass er die Mutter nach einem Streit erschlagen hat. Der Gutachter spricht im Prozess von "parasitärem Lebenswandel". Die 74-Jährige hatte ihren hochverschuldeten Sohn sein ganzes Leben lang finanziell unterstützt und ihm diese Unterstützung offenbar entziehen wollen. Sven bestreitet die Tat bis heute.

"Es ist gar nicht in Worte zu fassen, wie krass das Ganze ist"

"Ich hatte eine komplette Identitätskrise, ich wusste nicht mehr, wer ich war", blickt Julia S. am Ende der Doku auf die Erlebnisse mit ihrem "Alptraummann" zurück. Ihre Rückkehr nach Schweden mit dem Vater, der sie gerettet hat aus dieser mehr als toxischen Beziehung, die Ergreifung des flüchtigen Sven durch die schwedische Polizei: Das alles ist noch mal ein Gänsehautthriller für sich. Julia S.: "Es ist gar nicht in Worte zu fassen, wie krass das Ganze ist."

Dass für sie alles noch viel schlimmer hätte ausgehen können, ist der jungen Frau bewusst: 2017 war sie, ohne es zu ahnen, wohl als Erste am Tatort, an dem Sven seine Mutter tötete, und entdeckte verdächtige Blutspuren: "Hätte ich da meine naive Art nicht gehabt und Fragen gestellt, ich weiß nicht, ob ich hier noch sitzen würde."

Teil 2 von "Stern Crime: Der Alptraummann" zeigt VOX am kommenden Mittwoch, 10. November, erneut um 20.15 Uhr.

Im Video: Dieses Land in Europa ist bei deutschen Auswanderern am beliebtesten

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