Wie eine NBA-Ikone nun endlich als Trainer durchstartet

Stefan Schnürle
·Lesedauer: 4 Min.
Wie eine NBA-Ikone nun endlich als Trainer durchstartet
Wie eine NBA-Ikone nun endlich als Trainer durchstartet

Patrick Ewing zählt zu den besten Spielern der NBA-Historie, die nie einen Titel gewinnen konnte. (Alles Wichtige zur NBA)

Nach seinem Rücktritt 2002 hoffte er daher, als Trainer eines Teams einmal NBA-Champion zu werden. Doch über 15 Jahre lang traute ihm kein General Manager zu, die jeweilige Franchise als Head Coach anzuführen.

Die Knicks-Ikone erhielt lediglich einige Jobs als Assistenztrainer, ehe er im April 2017 genug davon hatte und einen Vertrag beim College-Basketball-Team Georgetown Hoyas unterschrieb.

Jene College-Mannschaft hatte er 1984 als bester Spieler zur NCAA Division I Basketball Championship geführt. Ein Jahr später wurde Ewing sogar zum "College Player of the Year" ernannt, obwohl er zuvor eine bittere Final-Niederlage hatte einstecken müssen.

Patrick Ewing scheitert an Jordan und den Bulls

Ewing galt damals als Jahrhundert-Talent. Wohl auch deshalb gibt es bis heute Gerüchte über eine Verschwörungstheorie, die besagt, dass die Lottery 1985 zugunsten der New York Knicks manipuliert worden war, damit der größte TV-Markt einen großen Superstar erhielt.

Die Knicks bekamen dank des ersten Picks jedenfalls Ewing, der aus ihnen einen Titelkandidaten machte. Doch so gut der elfmalige All-Star Ewing auch war - er war nicht Michael Jordan. Zwischen 1989 und 1993 scheiterte New York allein viermal an dessen Chicago Bulls, dazu einmal an den "Bad Boys" Pistons.

Jeweils unmittelbar nach den beiden Rücktritten Jordans schafft es Ewing zwar mit den Knicks ins Finale - doch zum Titel sollte es gegen die Houston Rockets bzw. San Antonio Spurs auch dann nicht reichen. Die Ära Ewings in New York blieb unvollendet.

Ewing triumphiert endlich in New York

Umso schöner muss es für Ewing gewesen sein, 20 bis 30 Jahre nach all den bitteren Niederlagen in den Playoffs in seinen geliebten Madison Square Garden zurückkehren und diesen mit einer Trophäe wieder verlassen zu können.

Denn genau das ist am vergangenen Wochenende passiert. Nachdem er in seinen ersten drei Saisons stets das NCAA-Tournament, besser bekannt als March Madness, verpasst hatte, sah es auch diesmal mit einer 9:12-Bilanz alles andere als gut aus.

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Um sich doch noch qualifizieren zu können, mussten die Georgetown Hoyas das Big East Tournament in New York gewinnen. Als absolute Außenseiter und nur an Nummer 8 gesetzt (von elf Teams) reiste die Truppe an – vier Siege in vier Tagen traute dem Team kaum einer zu.

Frage nach Ausweis schockiert Knicks-Ikone

Nach dem Sieg gegen Marquette zum Auftakt ging Hoyas im Viertelfinale als klarer Außenseiter ins Duell mit den topgesetzten Villanova Wildcats. Doch Erwings Team gewann sensationell mit 72:71. Von Ekstase war bei Ewing danach jedoch keine Spur. Den 58-Jährigen beschäftigte etwas anderes.

"Ich dachte, das wäre meine Halle", sagte die Knicks-Legende und fuhr fort: "Jeder in dieser Arena muss verdammt noch einmal wissen, wer ich bin. Aber ich werde aufgehalten, kann mich nicht frei bewegen. Ich dachte nur: 'Was zur Hölle ist los? Ist das wirklich der Madison Square Garden?'"

Ewing ließ sich davon aber nur kurz aus der Fassung bringen. Sein Team bezwang im Halbfinale Seton Hall nach Verlängerung, ehe es im Endspiel die an Nummer 2 gesetzten Creighton Bluejays mit 73:48 vom Court ballerte.

Nach dem Triumph war Ewing sogar so gut gelaunt, dass er den Drake-Song "Started from the bottom" zu singen begann, ehe seine feiernde Mannschaft ihn von oben bis unten nassspritze.

Ewing: "Beweise, dass alle falsch liegen"

Ewing hat als erster wertvollster Spieler den Big-East-Titel nun als Spieler und als Trainer gewonnen. Den Erfolg verglich er danach sogar mit seinen großartigsten Momenten, die er im Madison Square Garden erlebt hatte - wenngleich es "ein anderes Kapitel in seinem Leben" darstellen würde.

Dennoch war es sehr speziell ausgerechnet an jenem Ort, wo seine von den Knicks zurückgezogene Nummer 33 unter dem Hallendach hing, seinen größten Erfolg als Trainer feiern zu können. "Ich bin dort, wo viele Leute dachte, dass ich es nicht schaffen würde. Ich beweise, dass alle falsch liegen", sagte Ewing.

Das will er nun auch beim NCAA-Tournament schaffen. Dort trifft das an Nummer 12 gesetzte Georgetown in der ersten Runde auf das an Nummer 5 gesetzte Colorado.

In Indiana wird Ewing dann allerdings ohne die Magie seines Madison Square Garden auskommen müssen.