New York errichtet Zelt als provisorische Leichenhalle – Südkorea fährt Null-Toleranz-Politik

23.03.2020, Italien, Rom: Italienische Carabinieri patrouillieren in der Abenddämmerung vor dem Kolosseum. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa

In Deutschland gibt es fast 5000 Neuinfektionen. Spanien verlängert seine Corona-Maßnahmen. In den USA bereitet sich New York auf viele Todesfälle vor.

Die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland nimmt weiter zu. Die Johns Hopkins Universität geht von mehr als 37.323 Fällen in Deutschland aus. Die Zahl der Toten beträgt demnach 206. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Zahl der Infizierten um 4995 auf 36.508 gestiegen. Die Zahl der Toten habe um 50 auf 198 zugenommen, teilt das Institut unter Verweis auf Daten von Donnerstag, 0.00 Uhr, mit. (Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen im Newsblog.). 

In der Nacht zu Donnerstag hat Spanien die Ausgangssperre im ganzen Land um zwei Wochen verlängert. Das von der Corona-Pandemie besonders schwer betroffene Land will, dass die Bürger nun bis zum 11. April zu Hause bleiben. Das Parlament in Madrid billigte am frühen Morgen einen entsprechenden Antrag der linken Regierung auf Verlängerung des Alarmzustands. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach in seiner Rede von einem „Albtraum“, der aber „bald vorbei sein“ werde.

Die Behörden hoffen, dass der Krisenhöhepunkt dank der strengen Maßnahmen schon diese Woche erreicht wird. Regelbrechern drohen hohe Geld- oder sogar Haftstrafen. Am Mittwoch überholte Spanien China bei der Zahl der Todesfälle. Es wurden bereits mehr als 3400 Todesopfer gezählt. Nach Italien ist Spanien das am stärksten betroffene Land Europas. Die Zahl der Menschen, die sich in Spanien mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert haben, stieg am Donnerstag auf gut 49.000.

Derweil hat der US-Senat in der Nacht das Hilfspaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie verabschiedet. Verhandelt wurde seit Tagen über ein Paket, das einen Umfang von zwei Billionen Dollar hat. Nun muss das Repräsentantenhaus dem Hilfspaket zustimmen. In den USA hat sich die Lage deutlich verschärft. Die John Hopkins Universität zählt in dem Land inzwischen fast 70.000 Infizierte bei 1050 Todesopfer. Damit sind die Vereinigten Staaten nach China und Italien, das am drittstärksten betroffene Land.

Allein im Staat New York stieg die Zahl der Infizierten auf 30.000, die Zahl der Toten auf beinahe 300, die meisten davon in New York City. Vor dem Krankenhaus Bellevue wurde eine behelfsmäßige Leichenhalle aufgebaut.

In New York City versuchen die Behörden einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems durch das Coronavirus abzuwenden. Gesundheitsbeamte in der Metropole drängten darauf, dass mehr Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte nötig seien. Sie befürchteten, die Zahl der Kranken könne in den kommenden Wochen explodieren und die Krankenhäuser wie in Italien und Spanien überlasten.

Vor allem die Metropole New York ist betroffen: Gouverneur Andrew Cuomo sprach angesichts von mehr als 25.000 Fällen in der Stadt von „beunruhigenden und astronomischen Zahlen“. Angesichts ansteigender Totenzahlen hat die Stadt eine provisorische Leichenhalle errichtet. Die weißen Zelte wurden vor dem Bellevue Krankenhaus in Manhattan aufgebaut.

Der südkoreanische Ministerpräsident Chung Se Kyun hat eine Null-Toleranz-Politik bei Missachtung der Quarantäneregeln im Zuge der Coronavirus-Krise angekündigt. Südkoreaner, die die Anweisungen missachteten, sollten strafrechtlich verfolgt und Ausländer ausgewiesen werden, sagte Chung am Donnerstag Beamten. Ab Freitag wird eine 14-tägige Quarantäne für Einreisende verlangt.

Die Gesundheitsbehörden wollen verhindern, dass das Virus erneut eingeschleppt wird. In Südkorea stieg die Zahl der Infizierten bis Donnerstag um 104 auf 9241, die Zahl der Toten um 5 auf 131. Laut dem Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention werden 30 der neuen Fälle auf Einreisende aus Europa und den USA zurückgeführt.

An diesem Donnerstag kommen die Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsmächte zu einem Video-Sondergipfel zur Corona-Krise zusammen. Bei dem virtuellen Treffen der G20 unter Leitung des saudischen Königs Salman soll es um gemeinsame Schritte zur Eindämmung der Pandemie und zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen gehen.

Saudi-Arabien hat in diesem Jahr den Vorsitz in der „Gruppe der 20“, die zwei Drittel der Weltbevölkerung, 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und 75 Prozent des Welthandels repräsentiert. Ihr gehören unter anderen die USA, China und Russland an. Für Deutschland nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Videoschalte teil.

Für den Sondergipfel hatten sich unter anderen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Chinas Präsident Xi Jinping stark gemacht. Ziel müsse es sein, unter Einbeziehung der Weltgesundheitsorganisation an der Behandlung von Covid-19 und einem Impfstoff zu arbeiten, hieß es diese Woche nach einem Gespräch der beiden aus Paris. Außerdem brauche es einen Plan, um die Weltwirtschaft mit fiskalischen und monetären Maßnahmen zu stabilisieren.

In Italien hat Ministerpräsident Giuseppe Conte der Wirtschaft weitere Hilfen versprochen, durch die das bereits angekündigte Paket über 25 Milliarden Euro verdoppelt werden könnte. Die bisherigen Hilfen seien nur ein erster Schritt, sagt Conte in einer Rede vor dem Parlament. Die Regierung arbeite an weiteren Maßnahmen, die mindestens den Umfang des ersten Hilfspaketes haben würden. Zudem fordert Conte Sondermaßnahmen der Europäischen Union, durch die den Bürgern und den Finanzmärkten die Einheit der EU demonstriert werden.

Ein Blick in die Welt: In der russischen Hauptstadt Moskau müssen von diesem Donnerstag an fast 1,9 Millionen ältere und kranke Menschen wegen des hochansteckenden Coronavirus zu Hause bleiben. Die Ausgangssperre gilt nach Angaben der Stadtverwaltung für gut drei Wochen. Davon betroffen sind Einwohner der Millionenmetropole, die älter als 65 Jahre oder chronisch krank sind. „In Geschäfte oder die Apotheke dürfen die Betroffenen nur mit Atemschutzmaske.

Die Betroffenen erhalten insgesamt 4000 Rubel (etwa 46 Euro), wenn sie sich an die Auflagen halten. Am Mittwoch waren offiziell 658 Infektionen bekannt – 410 davon in Moskau. Das Virus war bislang bei drei gestorbenen Menschen nachgewiesen worden.

Das britische Parlament hat am Mittwoch ein Notstandsgesetz für die Bewältigung der Coronavirus-Pandemie verabschiedet. Das Gesetz verleiht der Regierung und den Behörden unter anderem Vollmachten, um die beschlossenen Ausgangsbeschränkungen und Schließungen von Geschäften und anderen Gebäuden notfalls mit Zwangsmaßnahmen durchzusetzen. Auch der Zugriff auf private Daten der Bürger wird durch das Gesetz erleichtert. Die Behörden erhalten auch das Recht, Infizierte zwangsweise in Quarantäne zu schicken. Das gilt auch bereits beim Verdacht auf eine Infektion.

In China steigen den Behörden zufolge die Zahl der neuen bestätigten Coronavirus-Fälle wieder an. Die Neuerkrankungen kletterten auf 67, wie das Gesundheitsamt mitteilt. Alle Infizierten seien Reisende aus dem Ausland. Damit steigt die Gesamtzahl der bestätigten Fälle auf den chinesischen Festland auf 81.285, die Todesfälle summieren sich zum Ende des Mittwochs plus sechs auf 3287.

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Insgesamt wurden laut der Johns Hopkins Universität weltweit bislang mehr als 471.000 Menschen mit dem Virus infiziert, etwa 21.200 sind an der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit gestorben. (Stand: 26. März, 5:30 Uhr). Die Universität im US-Bundesstaat Maryland führt die Daten von Gesundheitsämtern, Behörden und Instituten zusammen.

Die aktuelle weltweite Zahl der nachgewiesenen Infektionen und Opfer zeigt die Realtime-Karte der Hopkins Universität:

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