AUSBLICK 2021: Asiens Börsen könnten Rest der Welt weiter abhängen

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TOKIO/HONGKONG/SHANGHAI (dpa-AFX) - Dank einer erfolgreichen Strategie gegen die Corona-Pandemie könnten Asiens Börsen auch im kommenden Jahr die meisten anderen Aktienmärkte hinter sich lassen. Nach rigorosen Kontaktbeschränkungen und konsequenter Verfolgung von Infektionsketten haben sich die Volkswirtschaften in Fernost mittlerweile auf breiter Basis erholt. Sie haben damit das Fundament gelegt für weiteres Wachstum - und für Kursgewinne an den Börsen.

"Die nordasiatischen Volkswirtschaften China, Korea und Taiwan waren erfolgreicher darin, die Pandemie einzudämmen, als der Rest der Welt", stellt Stratege Tilmann Galler vom Vermögensverwalter J.P. Morgan Asset Management fest. Die Neuinfektionen hätten selbst in den schlimmsten Phasen nur einen Bruchteil der in anderen Regionen betragen. Chinas Wirtschaft sei inzwischen wieder auf dem Vorkrisenniveau zurück. "Ein Zustand, von dem Europa und die Vereinigten Staaten bis jetzt nur träumen können", sagt Galler.

Das spiegelt sich auch in den Aktienkursen wider: Der CSI-Index <CNM0000001Y0> mit den 300 wichtigsten Aktien der Börsen in Shanghai und Shenzhen hat 2020 bislang um gut 20 Prozent zugelegt. Noch stärker und auf ein Rekordhoch stieg der südkoreanische Kospi-Index. Die Börse von Taiwan meldete jüngst ebenfalls ein Rekordhoch nach einem Plus von mehr als 18 Prozent 2020. Der japanische Nikkei-225-Index <JP9010C00002> legte um rund 12 Prozent zu auf den höchsten Stand seit rund 30 Jahren. Zum Vergleich: Der US-Leitindex Dow Jones Industrial <US2605661048> bringt es auf das Jahr gesehen auf ein Plus von gut 5 Prozent, während das deutsche Branchenbarometer Dax <DE0008469008> nur moderat im Plus liegt.

Nicht wenige Experten prognostizieren eine asiatische Dekade. Das Wachstum in Nordasien wird immer weniger von den Bevölkerungszahlen getragen, stattdessen stärken Investitionen in Forschung und Entwicklung die Produktivität. "Hinzu kommt ein wachsender Binnenkonsum, der von den Standards der westlichen Welt noch weit entfernt ist", sagt Axel Cron vom Vermögensverwalter HSBC Global Asset Management Deutschland. Dieser Konsum werde immer mehr zum Treiber der Wirtschaftsleistung.

Von einer globalen Erholung der Konjunktur im kommenden Jahr dürften die stark exportorientierten Wirtschaftsräume Asiens überdurchschnittlich profitieren. "Asien wird 2021 wohl zu den am stärksten wachsenden Regionen zählen", prognostiziert Fondsmanager SooHai Lim vom Investmenthaus Barings. Nicht zuletzt die Demografie berge Potenzial. Schätzungen zufolge könnte sich die Mittelschicht Asiens in den kommenden zehn Jahren um eine Milliarde Menschen vergrößern. Das dürfte den Konsum und den Austausch von Waren und Dienstleistungen kräftig ankurbeln.

Da passt es ins Bild, dass vor kurzem 15 Asien-Pazifik-Staaten den größten Freihandelsblock der Welt ins Leben riefen. Das Abkommen werde "den regionalen Handel zwischen den Ländern fördern und dürfte die Wertschöpfungsketten innerhalb der Vertragspartner vertiefen", sagt J.P. Morgan-Stratege Galler. Südkorea und Taiwan beispielsweise lieferten mehr als ein Viertel ihrer Exporte nach China. Positive Impulse erwarten Experten in Sachen Freihandel auch von der neuen US-Regierung. "Die Handelsbeziehungen könnten sich unter einem Präsidenten Biden verbessern", hieß es etwa von der US-Investmentbank Jefferies.

Eine Sonderkonjunktur könnte die Entscheidung Chinas zur Folge haben, die Wirtschaft bis 2060 klimaneutral aufzustellen. "Das dürfte ein noch heißeres Rennen um saubere Energien auslösen", vermutet Jefferies. Das Land sei gegenwärtig für fast 30 Prozent der weltweiten Emissionen von Kohlendioxid verantwortlich. Staatliche Anreize und Vorgaben Chinas könnten den jüngsten Boom also noch verstärken, zumal nicht wenige Marktakteure von der Entscheidung Pekings überrascht wurden.

Einige Aktien aus der Branche haben 2020 bereits fulminant zugelegt: Papiere von Longi Green Energy <CNE100001FR6> etwa, einem Photovoltaik-Hersteller, sind in diesem Jahr um 250 Prozent nach oben geschossen. Flavia Cheong vom Investmenthaus Aberdeen Standard schätzt, dass China zur Erreichung des ehrgeizigen Ziels in den kommenden 40 Jahren 15 Billionen US-Dollar investieren müsse. "Daraus entstehen langfristige Anlagechancen entlang der Lieferkette für erneuerbare Energien, aber auch bei Elektrofahrzeugen"./bek/la/mis

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---