Ausbilder der US-Armee wegen Misshandlung von Muslimen zu Haftstrafe verurteilt

Weil er muslimische Rekruten systematisch misshandelt hat, ist ein Ausbildungsleiter der US-Marineinfanterie zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Militärgericht befand den Unteroffizier laut US-Medienberichten vom Freitag für schuldig, mehr als ein dutzend muslimische Armeeanwärter während ihrer Grundausbildung auf dem Stützpunkt Parris Island in South Carolina schikanösem Drill unterworfen zu haben. Eines der Opfer war nach der Tortur aus dem zweiten Stockwerk eines Gebäudes in den Tod gestürzt.

Die Militärjury aus insgesamt acht Männern und Frauen entschied zudem, den Ausbildungsleiter unehrenhaft aus der Armee zu entlassen. Das Hafturteil geht noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die sieben Jahre Gefängnis verlangt hatte.

Insgesamt sollen sechs Ausbildungsleiter an der Misshandlung der Muslime beteiligt gewesen sein. Der Verurteilte - ein Irakkriegs-Veteran - gilt als der Hauptschuldige. Die Opfer sollen als "Terroristen" beschimpft worden sein. Zwei von ihnen wurden in Industrie-Wäschetrockner gezwungen. Einmal wurde das Gerät angeschaltet, als die Opfer sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören.

Der Tod des Rekruten nach dem Sturz aus dem zweiten Stock im Jahr 2016 war von der Marineinfanterie als Suizid eingestuft worden. Die Familie des Verstorbenen sah dagegen die Marineinfanterie in der Verantwortung: Sie behauptete, der Ausbilder habe den jungen Mann auf den Balkon getrieben, von dessen Brüstung er abstürzte. Die Familie reichte im Oktober Klage ein und forderte 100 Millionen Dollar Schadenersatz.

Das Urteil geht automatisch in Berufung - das ist in der Militärjustiz bei hohen Haftstrafen und unehrenhaften Entlassungen aus der Armee so vorgeschrieben.