Ägyptens Präsident al-Sisi lässt Bürger über sich abstimmen

In Ägypten hat die dreitägige Präsidentschaftswahl begonnen. 60 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Eine Wiederwahl von Amtsinhaber Abdel Fattah al-Sisi gilt als sicher. Der Ex-Armeechef hat nur einen Herausforderer

In Ägypten hat am Montag eine dreitägige Abstimmung begonnen, mit der sich Präsident Abdel Fattah al-Sisi im Amt bestätigen lassen will. Die rund 60 Millionen Wahlberechtigten können sich noch bis Mittwoch zwischen dem Amtsinhaber und einem Zählkandidaten entscheiden, der aus seiner Bewunderung für den Präsidenten keinen Hehl macht. Erklärte Gegner des Präsidenten wurden an der Kandidatur gehindert.

An al-Sisis Wiederwahl besteht kein Zweifel. Da ein hohes Ergebnis für ihn feststeht, kommt der Wahlbeteiligung erhebliche Bedeutung als Gradmesser für den Rückhalt des Präsidenten zu.

Al-Sisis Unterstützer riefen die Bürger deshalb eindringlich zur Stimmabgabe auf. Der als Kandidat antretende Chef der Al-Ghad-Partei, Mussa Mostafa Mussa, sagte vor der Stimmabgabe, er wünsche sich eine "starke Beteiligung". Mussa ist ein erklärter Anhänger des Präsidenten und trat nur deshalb an, damit al-Sisi nicht alleine den Wahlkampf bestreiten muss.

Innenminister Scherif Ismail sagte: "Nichts wird die Ägypter abhalten - nicht der Terrorismus und auch sonst nichts." Die Gouverneurin der Provinz Beheira, Nadia Abdo, gab im Fernsehen freimütig Auskunft über ihre Anstrengungen zur Wählermobilisierung: Sie habe die Distriktchefs angewiesen, den Bürgern zu sagen, "dass der Distrikt mit der höchsten Wahlbeteiligung Wasser und Strom bekommen wird", sagte Abdo.

Al-Sisi gab gleich bei Öffnung der Wahllokale am Montagmorgen seine Stimme im Kairoer Stadtteil Heliopolis ab. Die Gegend war schwer gesichert. In der Hauptstadt patrouillierten viele Sicherheitskräfte, an strategischen Punkten waren gepanzerte Fahrzeuge postiert.

Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2014 hatte die Wahlbeteiligung zunächst nur bei 37 Prozent gelegen; die Behörden fügten damals kurzerhand einen dritten Wahltag an, so dass die Beteiligung letztlich bei 47,5 Prozent lag. Unabhängige Beobachter rechneten auch für die diesjährige Präsidentschaftswahl mit einer niedrigen Beteiligung.

Viele Stimmen werden dem wenig bekannten "Gegenkandidaten" Mussa nicht vorausgesagt. Andere potenzielle Bewerber waren vor der Wahl verhaftet worden oder zogen ihre Kandidatur zurück.

Al-Sisi hatte nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 die Macht übernommen. 2014 wurde er erstmals zum Präsidenten gewählt. Viele Ägypter sehen in al-Sisi den "starken Mann", der dem Chaos nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak durch einen Volksaufstand im Jahr 2001 ein Ende setzte.

Menschenrechtsgruppen werfen al-Sisi indes vor, dass seine Herrschaft mittlerweile repressiver sei als die von Mubarak. Dies und die anhaltende Wirtschaftskrise samt erheblichen Preissteigerungen schaden dem Ansehen des Staatschefs, der auch wirtschaftliche Stabilität versprochen hatte.

Nach Al-Sisis Machtübernahme wurden mehr als 1400 Menschen getötet, insbesondere Mursi-Anhänger. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden mehr als 40.000 weitere festgenommen. Massenprozesse, bei denen im Schnellverfahren hunderte Islamisten zum Tode verurteilt wurden, bezeichnete die UNO als "beispiellos in der jüngeren Geschichte".