ThyssenKrupp-Aufsichtsrat setzt im Streit um Stahlfusion Arbeitsgruppe ein

Im Streit um die geplante Fusion der Stahlsparte von ThyssenKrupp mit dem Konkurrenten Tata Steel setzt der Aufsichtsrat des Essener Industriekonzerns eine Arbeitsgruppe ein. Das beschloss das Kontrollgremium am Samstag

Im Streit um die geplante Fusion der Stahlsparte von ThyssenKrupp mit dem Konkurrenten Tata Steel setzt der Aufsichtsrat des Essener Industriekonzerns eine Arbeitsgruppe ein. Das beschloss das Kontrollgremium am Samstag. Die Arbeitsgruppe werde auf Unternehmensseite von Arbeitsdirektor Oliver Burkhard, auf Arbeitnehmerseite von IG-Metall-Sekretär Markus Grolms geleitet, teilte ThyssenKrupp mit. Wann sie zum ersten Mal zusammenkommt, ist laut einem Sprecher noch nicht bekannt.

Bei der Sitzung des Aufsichtsrates stellte Vorstandschef Heinrich Hiesinger die Pläne vor: ThyssenKrupp und Tata Steel wollen ihre Stahlaktivitäten in Europa zusammenlegen und so den zweitgrößten europäischen Stahlproduzenten nach ArcelorMittal schmieden. Am Mittwoch hatten sie eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Die Fusion in einem Joint Venture soll demnach zum Wegfall von bis zu 4000 Jobs führen, rund die Hälfte davon bei ThyssenKrupp.

Mehr als 7000 Menschen protestierten am Freitag auf Aufruf der IG Metall in Bochum gegen diese Pläne. Die Gewerkschaft fürchtet weitere Stellenstreichungen zu einem späteren Zeitpunkt sowie Standortschließungen und spricht sich auch gegen die geplante Verlegung des Firmensitzes in die Niederlande aus, um die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Unternehmen zu gewährleisten.

In der deutschen Eisen-, Stahl- und Bergbauindustrie - also auch bei ThyssenKrupp Steel Europe - gelten weitreichende Mitbestimmungsrechte. In Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten muss der Aufsichtsrat jeweils zur Hälfte mit Vertretern der Arbeitnehmerseite besetzt sein, damit deren Interessen bei der Unternehmensführung berücksichtigt werden. Dazu kommt ein "neutrales" Mitglied.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp ist "normal" mitbestimmt. Im Aufsichtsrat sitzen jeweils zehn Vertreter der Unternehmensseite und zehn der Arbeitgeberseite; in einer Pattsituation hat der Vorsitzende Ulrich Lehner, den die Unternehmensseite stellt, das doppelte Stimmrecht.

ThyssenKrupp-Großaktionär Cevian aus Schweden unterstützt die Pläne Hiesingers, wie die "Bild am Sonntag" berichtete. Entscheidend sei, dass das neue Gemeinschaftsunternehmen für ThyssenKrupp eine Wertsteigerung bringe, sagte ein Cevian-Insider der Zeitung. "Cevian wird darauf achten, dass die Synergien auch so kommen wie versprochen."