Aufseher: Europas Bankensektor kann Folgen der Corona-Krise abfedern

FRANKFURT (dpa-AFX) - Europas Banken sind nach Einschätzung der EZB-Aufseher ausreichend gegen Rückschläge in der Corona-Krise gerüstet. Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld noch deutlich verschlechtern, würden die Kapitalpuffer der Institute allerdings "erheblich" zusammenschmelzen, warnte die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt. In einem solchen Fall müssten die Behörden bereit sein, weitere Maßnahmen zu ergreifen, "um einen gleichzeitigen Schuldenabbau durch Banken zu verhindern, der die Rezession vertiefen könnte", erklärte der Chef der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria.

Die Aufseher analysierten anhand von zwei Szenarien, wie die Kapitalpuffer von 86 Instituten im Euroraum reagieren würden, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden. In der ersten Berechnung, die die EZB für wahrscheinlicher hält, geht die Notenbank von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Währungsraum um 8,7 Prozent im laufenden Jahr aus. Im zweiten Fall wird ein tieferer Absturz um 12,6 Prozent unterstellt. In beiden Szenarien erwartet die EZB, dass die Wirtschaft 2021 wieder auf Wachstumskurs gehen wird - wenn auch unterschiedlich schnell.

Je nach Schwere der konjunkturellen Krise würde die Kernkapitalquote (CET1) der Banken von einem Ausgangswert von 14,5 Prozent um 1,9 beziehungsweise 5,7 Prozentpunkte absinken. Im letzteren Fall müssten mehrere Institute Maßnahmen ergreifen, um die Mindestkapitalanforderungen der Aufseher zu erfüllen.