Die Aufräumarbeiten von Haniel-Chef Gemkow zahlen sich aus

Die Neuausrichtung der Unternehmensbeteiligungen trägt Früchte. Die Familienholding steigert ihren Umsatz und Gewinn deutlich.


Die Duisburger Familienholding Haniel profitiert von Zukäufen und sieht sich auf Wachstumskurs. Umsatz und Gewinn seien im vergangenen Jahr deutlich angestiegen, teilte Haniel am Mittwoch mit.

Haniel-Chef Stephan Gemkow blickt zudem optimistisch auf das laufende Jahr: 2018 solle der Umsatz weiter zulegen, beim operativen Ergebnis erwartet er eine deutliche Steigerung. Gemkow peilt auch weitere Übernahmen an: Haniel verfüge über mehr als 800 Millionen Euro für Zukäufe.

Gemkow hatte in den vergangenen Jahren umfangreiche Aufräumarbeiten im Portfolio vorgenommen, das neben dem Rohstoffhändler ELG und der Hygiene-Tochter CWS Boco auch Beteiligungen an börsennotierten Handelsunternehmen wie Metro, Ceconomy und Takkt umfasst.


Hohe Abschreibungen auf Metro hatten die Duisburger 2012 tief in die roten Zahlen gerissen. Haniel packte die Entschuldung an, reduzierte die Anteile an Takkt sowie Metro und verkaufte den Pharmagroßhändler Celesio für zwei Milliarden Euro.

Gemkow hatte die Hygiene-Tochter CWS Boco ausgebaut und mit Übernahmen etwa des Verpackungsmaschinen-Produzenten Rovema oder des Herstellers von Matratzenbezügen, Bekaert Deslee, die Abhängigkeit Haniels von seinen Handelsbeteiligungen vermindert.

Gemkow hat Haniel zudem eine Online-Offensive verordnet. Die Holding unterstützt die Töchter bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für das Internet. Über verschiedene Venture-Capital-Fonds wie Cherryventures, Project A, E-Ventures und dem Hightech-Gründerfonds ist Haniel darüber hinaus an rund 200 Start-ups beteiligt.

Im vergangenen Jahr steigerte Haniel auch dank Zukäufen den Umsatz um 14 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Dabei verbuchte Haniel auch einen Gewinnsprung: Unter dem Strich verdiente die Holding 248 Millionen Euro, 72 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

In der virtuellen Bilanz-Pressekonferenz gaben sich Gemkow und Finanzvorstand Florian Funck denn auch sehr zufrieden. Auch wenn der Umsatz für Gemkow keine wichtige Größe ist, dokumentiere der Anstieg jedoch, dass das Unternehmen Haniel mit der steigenden Zahl der Gesellschafter, die zwischen 680 und 690 liegen, mithalten will.


So schneiden die Unternehmen im Haniel-Portfolio ab

In den einzelnen Portfolio-Unternehmen entwickelte sich vor allem der Edelstahl-Recycler ELG sehr positiv: Der Umsatz legte um 22 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro zu, das Ergebnis verdoppelte sich auf 49 Millionen Euro. Die gute Entwicklung ist höheren Preisen bei Nickel und Eisen geschuldet und der insgesamt gestiegenen Nachfrage.

Die Integration des Joint Ventures von Rentokil Initial in den Arbeitskleidungs- und Waschraumhygiene-Anbieter CWS Boco hat das Gesamtergebnis getrübt, der Umsatz stieg bei CWS Boco dadurch aber um 21 Prozent auf 970 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sank um 34 Prozent auf 51 Millionen Euro.

Bekaert-Deslee aus Belgien steigerte den Umsatz um neun Prozent auf 337 Millionen Euro, während das operative Ergebnis bei 28 Millionen Euro gleich blieb.


An dem Büroversender Takkt hält Haniel eine Beteiligung von 50,2 Prozent, das Unternehmen wird aber voll konsolidiert. Der Umsatz bei Takkt sank um ein Prozent auf 1,1, Milliarden, das operative Ergebnis um 13 Prozent auf 123 Millionen Euro.

Im letzten Quartal das Jahres 2017 konnte Haniel dann noch zwei Spezial-Maschinenbauer erwerben. Zunächst kaufte das Unternehmen den Verpackungsmaschinenhersteller Rovema, der sich auf Nahrungsmittelverpackungen und insbesondere Babynahrung spezialisiert hat. Kurz vor Weihnachten übernahm Haniel dann noch das norwegische Unternehmen Optimar, dass sich auf automatisierte Fisch-Verarbeitungssysteme vor allem auf Schiffen spezialisiert hat.

Das Ergebnis von Rovema ist nur für den letzten Monat des Jahres 2017 eingeflossen. Daraus lässt sich aber errechnen, dass Rovema rund 240 Millionen Euro umsetzt und im Schnitt 24 Millionen Euro Ertrag bringen wird.

Auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unübersichtlicher würden, so sagte Funck, rechnet Haniel mit organischem Wachstum in allen Geschäftsbereichen. Darüber hinaus hat Haniel mit seiner Digitaleinheit Schacht One insgesamt 50 Digitalprojekte bislang durchgeführt oder angeleiert. „Alle Mitarbeiter“, sagte Gemkow, „sehen in der Digitalisierung eine Chance.“ Die Zahl der Mitarbeiter ist im vergangenen Jahr um ein Drittel auf knapp 18.500 gestiegen.