Ein Aufputschmittel für Stada!

Claudio Albrecht wird der vierte Stada-Chef in nur 15 Monaten. Allzu soll auch der 58-jährige Manager nicht an der Vorstandsspitze verweilen. Auf jeden Fall wird Albrecht dem Medikamenten-Hersteller gut tun.


Kaum ein Tag ohne neue Turbulenzen bei der Stada. Die neuen Eigentümer, die Finanzinvestoren Bain und Cinven, machen Druck, um die Übernahme unter Dach und Fach zu bringen. Heute präsentieren sie – vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats, was allerdings bloß eine Formsache ist – einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Nach Hartmut Retzlaff, Matthias Wiedenfels und  Engelbert Tjeenk Willink den vierten innerhalb von 15 Monaten. Voraussichtlich zum Oktober übernimmt Ex-Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht die Führung bei Stada – vorerst. Bain und Cinven erklären, dass Albrecht „zu gegebener Zeit“ in eine „nicht-geschäftsführende Position im Stada-Konzern wechseln“ solle, worunter der Aufsichtsrat zu verstehen sein dürfte.

Wie es in der Branche heißt, könnte dann etwa Jörg Thomas Dierks, der frühere Chef des schwedischen Pharmakonzerns Meda, übernehmen. Der deutsche Manager ist zwar nach der Übernahme von Meda durch den US-Konzern Mylan nicht mehr operativ tätig, aber wohl noch vertraglich gebunden.

Auf Stada dürfte Albrecht – zunächst als Vorstandschef, später dann im Aufsichtsrat – wie ein Aufputschmittel wirken. Der Österreicher und begeisterte Skifahrer bringt drei Jahrzehnte Erfahrung in der Generikabranche und beeindruckende Leistungsnachweise mit. Erstmals war in der WirtschaftsWoche bereits im August 2016 zu lesen, dass Albrecht ein Kandidat für den Stada-Chefposten ist.


In Deutschland ist Albrecht vor allem noch aus seiner Zeit als Ratiopharm-Chef zu Beginn des Jahrtausends in Erinnerung. Der aufstrebende Manager verdoppelte dort den Umsatz und machte Ratiopharm zu einem international anerkannten Unternehmen, musste allerdings nach Differenzen mit den Familieneigentümern gehen. Später sanierte er im Auftrag der Deutschen Bank den isländischen Generika-Hersteller Actavis und verkaufte ihn schließlich an den US-Konzern Watson. Danach startete Albrecht eine Karriere als Berater, erweiterte sein Netzwerk und ging bei etlichen Generika-Herstellern ein und aus.

Bain und Cinven, die neuen Stada-Eigentümer, buchten Albrecht schließlich als Berater für die Übernahme des Grippostad-Herstellers; der Generika-Berater  analysierte vor allem das Portfolio von Stada.


Seine Kompetenz ist groß, die Erwartungen allerdings auch: Albrecht und sein möglicher Nachfolger sollen Stada kräftig durchschütteln, für mehr Effizienz in Einkauf und Produktion sorgen, die Internationalisierung vorantreiben, mehr Markenprodukte ins Portfolio bringen. Auch Zukäufe stehen in einigen Jahren auf dem Programm. Schließlich soll Stada in die Riege der fünf größten Generika-Hersteller der Welt einziehen, in einer Reihe mit Branchengrößen wie Teva (Israel) und Sandoz (Schweiz). Derzeit reicht es für Stada mit einem Jahresumsatz von gut zwei Milliarden Euro noch nicht mal zu den Top Ten. Bislang hat Albrecht seine Arbeitgeber noch nie enttäuscht.

Früher als gedacht muss nun der amtierende Stada-Chef Willink weichen. Der Vertrag des Kurzzeit-Managers, dotiert mit insgesamt zwei Millionen Euro, lief ohnehin nur bis Ende des Jahres. Noch vor wenigen Wochen hatte Willink öffentlich damit geliebäugelt, einige Monate länger zu bleiben – nun verkürzt sich sein Engagement. Auch der Kurzzeit-Finanzvorstand Bernhard Düttmann tritt dann voraussichtlich zum Oktober ab. Neuer Finanzvorstand soll nach dem Willen von Bain und Cinven Mark Keatley werden. Albrecht und Keatley sind schon länger ein eingespieltes Team: Beide standen zusammen an der Spitze von Actavis – Albrecht als Chef, Keatley als Finanzvorstand – und  machten später als Berater gemeinsame Sache.