Aufklärungsquote bei fünf Prozent: Auf Kölns Baustellen wird immer mehr geklaut

Die Diebstähle sorgen oft für zeitliche Verzögerungen auf den Baustellen.

Nicht nur einmal haben Diebe die Baustelle an der Ecke Innere Kanalstraße/Vogelsanger Straße in Ehrenfeld heimgesucht. Kupferkabel und Werkzeuge verschwanden mehrfach von dem Gelände, auf dem der Projektentwickler „Development Partner“ das ehemalige Hochhaus einer Versicherung generalsanieren lässt. Generell habe sich das Problem in der Baubranche verschärft, sagt Ralf Bettges, Sprecher des Unternehmens: „Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird abmontiert.“ Kleinere, aber auch größere Dinge.

Und längst nicht nur in Ehrenfeld. Anfang 2016 stahlen Unbekannte auf der Baustelle des Tunnels der Stadtautobahn in Kalk einen Teleskoplader, im Juni dieses Jahres fasste die Polizei am Container-Bahnhof Eifeltor einen Lkw-Fahrer, der einen gestohlenen Bagger transportierte. Auch Kupferkabel-Diebe wurden mehrfach festgenommen.

Diebstähle sorgen oftmals für Bauverzögerungen

Die Baufirmen haben oft nicht nur den Verlust von Werkzeug oder Baufahrzeugen zu beklagen: „So ein Diebstahl kann auch einen Bauablauf empfindlich durcheinander bringen“, sagt Bettges. Wenn der Zeitplan durch abhanden gekommenes Material ins Wanken gerät, das zeitaufwändig ersetzt werden müsse, könne es „richtig teuer“ werden. Die Baustelle an der Inneren Kanalstraße gleicht deshalb seit einigen Wochen einem Hochsicherheits-Areal. Überwachungskameras an mehreren Meter hohen Masten nehmen tagsüber und nachts auf, was sich an den Zugängen tut. Große Transparente am Bauzaun weisen auf die Überwachung hin: „Seitdem ist nichts mehr passiert“, sagt Bettges. Demnächst, wenn der Innenausbau beginne und noch kostspieligeres Baumaterial verwendet wird, soll auch ein Wachdienst nach dem Rechten sehen.

Die offiziellen Zahlen sprechen eher von Entspannung auf den hiesigen Baustellen. So sank in Köln die Zahl „schwerer Diebstähle aus unbezogenen Neu- und Rohbauten, Baubuden und Baustellen“ von 522 bekannt gewordenen Fällen im Jahr 2015 auf 342 Anzeigen 2016. 2014 allerdings waren noch 395 Diebstähle angezeigt worden, ein Jahr später waren es also schon 127 Fälle mehr.

Bauindustrieverband sieht die Verantwortung beim Staat

„Ich weiß, dass die Zahlen relativ stark schwanken“, so Tobias Siewert, Sprecher des Bauindustrieverbands Nordrhein-Westfalen. Von Entwarnung könne deshalb keine Rede sein. „Ob kleine Maschinen, Kabel oder Treibstoff, ob Hochbau oder Straßenbau – Diebstahl ist ein wachsendes Problem auf unseren Baustellen“, so Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Verbands. Die Verantwortung liege vor allem beim Staat: „Abschreckung reduziert Diebstahl. Also gilt es, Engpässe bei Polizei und Justiz in Nordrhein-Westfalen zu beseitigen.“

Darauf verlassen wollen sich die Bauunternehmen offenbar nicht. „Unsere Leute sind darauf geeicht, die Sachen wegzuschließen“, sagt der kaufmännische Leiter eines Kölner Bauunternehmens, der nicht genannt werden möchte. Außerdem würden Handgeräte eingesetzt, die nur funktionierten, wenn der Mitarbeiter eine Chipkarte in der Tasche mit sich führe. Größere Baumaschinen seien in der Regel mit GPS-Ortungssystemen ausgestattet. Und „je weiter der Ausbau fortschreitet, desto eher wird überwacht“. Mit Kameras zum Beispiel. Ein niederländischer Anbieter von Baustellen-Überwachungssystemen, der erst seit 2016 in Deutschland vertreten ist, spricht von einem „ziemlichen Kundenanstieg“.

Aufklärungsqoute ist gering

Die Firma „Volkmann und Rossbach“ hat einen Wachdienst eingeschaltet, der regelmäßig auf der Leverkusener Brücke kontrolliert. Das Unternehmen betreibt die Lkw-Sperranlagen und ist zuletzt immer öfter bestohlen worden. „In den Sommerferien gab es zwei bis drei Wochen, in denen jeden zweiten Abend etwas weggekommen ist“, sagt Etienne Lenz, der als Bauleiter für die Verkehrssicherung auf der Leverkusener Brücke zuständig ist.

Besonders auf die solarbetriebene Vorbeschilderung hätten es die Diebe abgesehen. Mehrfach seien Solarpaneelen und Batterien abhanden gekommen. „Trotz des Wachdienstes“, sagt Lenz. Die Schilder instand zu setzen, bedeute einen „Riesenaufwand“ und sei wegen der Personalkosten weitaus teurer als der eigentliche Materialschaden. „Die Beschilderung steht ja meistens auf der Standspur“, sagt Lenz: „Da müssen wir erst eine Anordnung besorgen, dass wir uns mit unseren Fahrzeugen dort hinstellen dürfen. Dann brauchen wir Sperrtafeln, um auf der Autobahn überhaupt arbeiten zu können.“

Lange Zeit hat die Firma aus Montabaur keine Anzeige erstattet, wenn wieder etwas abhanden gekommen war. Mittlerweile werde bei jedem Diebstahl die Polizei eingeschaltet. Geschnappt worden sei jedoch noch keiner der Übeltäter. Auch die meisten anderen Diebe kommen ungeschoren davon: Die Aufklärungsquoten der Kölner Polizei lagen bei 5, 32 Prozent (2014), 5,94 Prozent (2015) beziehungsweise 4, 99 Prozent (2016)....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta