"Aufgewachsen mit Grand Theft Auto": Machen Videospiele Kinder aggressiver?

Hannah Klaiber
·Freie Journalistin
·Lesedauer: 2 Min.

Seit jeher stehen Videospiele unter dem Verdacht, das Aggressionspotenzial zu steigern. Doch was ist dran, an dieser Vermutung, die regelmäßig von Politik und Gesellschaft diskutiert wird? Eine neue, großangelegte Langzeitstudie kommt zu einem eindeutigen Fazit.

10 Jahre lang wurden Kinder, die Videospiele spielen, im Rahmen einer Studie begleitet. (Bild: Getty Images)
10 Jahre lang wurden Kinder, die Videospiele spielen, im Rahmen einer Studie begleitet. (Bild: Getty Images)

"Er hat gewalttätige Videospiele gespielt." Es ist dieser Satz, der nach schlimmen Gewalttaten oft zu hören ist – und genauso oft zu lautstarken Diskussionen zwischen der Gaming-Szene, Experten und Politik führt. Sollten die Altersbegrenzungen angehoben werden? Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn man stundenlang auf den Bildschirm starrt und seine Feinde in der digitalen Welt tötet? Können Videospiele tatsächlich das Aggressionspotenzial von Kindern und Jugendlichen steigern?

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Der letzten Frage hat sich die Langzeitstudie "Growing Up with Grand Theft Auto: A 10-Year Study of Longitudinal Growth of Violent Video Game Play in Adolescents" gewidmet und dafür Kinder zehn Jahre lang begleitet und verschiedenste Daten ausgewertet. Im Fokus stand die Frage, ob das Spielen von gewalttätigen Videospielen psychologische Auswirkungen auf Kinder hat oder später gar zu einem aggressiven Verhalten führen kann.

In der Studie, die vom "Journal of Cyberpsychology, Behavior and Social Networking" durchgeführt und veröffentlicht wurde, wurden die Kinder in drei Kategorien eingeteilt:

  • Hohe anfängliche Gewalt: Kinder, die in jungen Jahren in einem hohen Maß gewalttätige Videospiele spielen (4%)

  • Mäßige anfängliche Gewalt: Kinder, die in jungen Jahren nur mäßig mit gewalttätigen Videospielen zu tun hatten (23%)

  • Geringe anfängliche Gewalt: Kinder, die in jungen Jahren kaum oder gar nichts mit gewalttätigen Videospielen zu tun hatten (73%)

Die Studie kommt zu folgendem Ergebnis: Die Gruppe mit hoher anfänglicher Gewalt wies nach zehn Jahren kein aggressiveres Verhalten auf als die Gruppe mit geringer anfänglicher Gewalt. Das bedeutet also, dass Menschen, die schon in jungen Jahren regelmäßig gewalttätige Videospiele zockten, mit Anfang 20 kein höheres Aggressionspotenzial aufwiesen als diejenigen, die damit gar nichts oder nur wenig zu tun hatten.

Eine ähnliche Studie wurde bereits unter Erwachsenen durchgeführt

Bereits im Jahr 2018 hatten sich Forscher der Universität York mit der gleichen Frage beschäftigt – jedoch nahmen daran ausschließlich Erwachsene teil. Auch in dieser Studie, an der mehr als 3.000 Testpersonen teilnahmen, konnte kein Einfluss von Videogames auf die Gewaltbereitschaft nachgewiesen werden.

Sind gewalthaltige Spiele also gar kein Problem für Kinder? Nicht unbedingt. Die Forscher untersuchten nur den Zusammenhang mit Aggression. Natürlich spielen auch weitere Faktoren eine Rolle. Letztlich sollten Eltern genau und individuell beurteilen, welche Spiele für ihre Kinder geeignet sind und welche nicht.

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