Aufgepasst: Mach dein Depot jetzt fit für das neue Jahrzehnt!

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Das neue Jahrzehnt steht vor der Tür! Nun gut, zugegeben: Im Grunde geht das Leben am 1. Januar 2020 genauso weiter, wie es am Vortag aufgehört hat – abgesehen vielleicht von einem mehr oder minder starken Kater. Und doch werden sich in den Jahren der neuen Dekade viele technologische und gesellschaftliche Veränderungen ergeben, die Einfluss auf dein Aktiendepot haben werden.

Meine Glaskugel flimmert schon ganz unruhig – lass uns daher mal sehen, was das kommende Jahrzehnt für unsere Aktien bereithält!

1. Künstliche Intelligenz

Das Thema ist jetzt schon in aller Munde, doch Branchenexperten sind überzeugt davon, dass wir erst die Spitze des KI-Eisbergs gesehen haben. Besonders aussichtsreich sind unter anderem KI-Dienste, die in Cloud-Angebote integriert werden. Die Anwendungsmöglichkeiten von AI PaaS (Artificial Intelligence Platform as a Service) sind insbesondere in der Industrie scheinbar unbegrenzt.

Die Qualität einer künstlichen Intelligenz steht und fällt mit der Menge und Qualität der Daten, mit denen sie gefüttert wurde. Der Gewinnung und der Verarbeitung von Daten wird im nächsten Jahrzehnt also ebenfalls eine wichtige Bedeutung zukommen.

2. Automatisierung

Die Autoindustrie und die Elektronikindustrie waren die Pioniere beim Einsatz von Robotern zur Automatisierung der Produktion. In Zukunft dürften (teilweise KI-gestützte) Roboter immer mehr Produktionsschritte übernehmen, in neue Branchen vordringen und auch ganz neue Funktionen einnehmen. So wäre es zum Beispiel auch denkbar, dass Roboter in der Pflege zum Einsatz kommen. Auch interessant sind Software-Roboter, Stichwort Robotic Process Automation (RPA).

Für viele Unternehmen dürfte das alles früher oder später Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen bedeuten. Besonders profitieren werden natürlicherweise die Anbieter der Roboter sowie von Lösungen für die Industrie 4.0 – seien es Prozessoren, Sensoren oder Software.

3. Verkehr

Ich persönlich bin besonders gespannt auf die Veränderungen im Personen- und Warentransport: Höchstwahrscheinlich werden wir im nächsten Jahrzehnt erleben, wie überall autonome Mobilitätsdienste aus dem Boden schießen, die den Besitz eines eigenen Autos immer unnötiger machen. Für viele Menschen fällt dann ein großer Geldfresser weg, leiden werden wahrscheinlich die etablierten Autohersteller. Eine große Konsolidierung in der Branche ist nicht auszuschließen.

Zudem bin ich gespannt auf die Entwicklung der Elektromobilität in den kommenden zehn Jahren. Für viele Unternehmen, die die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt haben oder einfach zu sehr in der Verbrennerwertschöpfungskette verwurzelt sind, könnte die kommende Dekade eine sehr schwere werden.

4. Energie

Natürlich hätte ein weltweiter Umstieg auf elektrische Antriebsformen auch Auswirkungen auf die Energiewirtschaft. Und dabei bleibt es nicht: Erneuerbare Energien sollen einen immer größeren Teil der Energieproduktion stemmen, und da die Sonne nicht 24 Stunden lang scheint, müssen Speicherlösungen her.

Diese könnten entweder in Form riesiger Batteriefarmen oder in Form von Power-to-X-Anlagen kommen. Was von beidem sich durchsetzt oder ob beide Lösungen ihren Platz im Markt finden werden, das dürfte das kommende Jahrzehnt beantworten.

5. Konnektivität

Das kommerziell nutzbare öffentliche Internet ist erst knapp 30 Jahre alt, und doch hat es die Welt bereits tiefgreifend verändert. Überleg mal, was in den nächsten zehn Jahren alles kommen könnte! Da wäre zunächst einmal der schrittweise weltweite Rollout des neuen Mobilfunkstandards 5G. Doch auch das satellitengestützte Internet könnte in Form riesiger Konstellationen im niedrigen Erdorbit eine Renaissance erfahren.

Interessant wird auch die Entwicklung des Internets der Dinge und des Smart Home sein. Beide Trends werden die zu übertragenden Datenmengen immer weiter erhöhen. Zudem hat vor einigen Jahren ein Trend eingesetzt, der die Cloud dezentralisieren und direkt vor Ort bringen soll. Das Ganze nennt sich Edge und könnte die nächste Entwicklungsstufe der Datenverarbeitung sein. Profitieren dürften von all dem die Hersteller diverser Halbleiterprodukte.

6. Schwellenländer und die Rolle Europas

Nicht nur aus technologischer, auch aus geopolitischer Sicht warten tiefgreifende Veränderungen auf uns. Viele Länder, die wir heute noch als Schwellenländer sehen, werden sich in zehn Jahren zu Industrienationen gemausert haben – denk allein mal an Indien.

Wichtig wird auch werden, wie sich der Konflikt zwischen den USA und China weiter entwickelt. Der aktuelle Handelsstreit könnte sich als das erste Symptom eines neuen kalten Krieges herausstellen, diesmal zwischen den Vereinigten Staaten und der aufstrebenden Supermacht. Fraglich ist aktuell, welche Stellung Europa in dieser Gemengelage einnehmen wird.

Um es ganz polarisierend darzustellen: Entweder wir werden zwischen den beiden Großmächten zerrieben oder wir sind der lachende Dritte.

Foolishes Fazit

Als Investor hast du nun zwei Möglichkeiten: Entweder du richtest dein Depot gezielt auf die genannten Entwicklungen aus, indem du die Aktien der möglichen Profiteure dieser Trends kaufst. Zwangsläufig wird das bedeuten, dass du etwas mehr ins Risiko gehst – doch deine Renditechancen sind natürlich sehr hoch!

Die Alternative ist, dass du ziemlich genau das Gegenteil machst: Aktien von Unternehmen kaufen, die mit den genannten Veränderungen möglichst wenig zu tun haben und daher nur ein geringes Risiko aufweisen, aus dem Markt gekickt zu werden. Das ist zwar möglicherweise wesentlich weniger aufregend, aber dafür sicherer.

Für welchen Ansatz du dich auch immer entscheidest: Möge es für dich der richtige sein. Auf zehn spannende Foolishe Investmentjahre!

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