Nach Auffahrunfällen: US-Behörde untersucht tausende Teslas wegen ihres „Autopiloten“

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Die Verkehrssicherheitsbehörde der USA, die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA), hat eine formale Untersuchung zu Teslas „Autopiloten“ in die Wege geleitet. Grund dafür sind Zusammenstöße mit parkenden Einsatzfahrzeugen von Polizei und Feuerwehr. Das gab die Behörde am Montag bekannt. „Bloomberg“ hatte berichtet. Betroffen seien 765.000 Fahrzeuge der Modelle Y, X, S und 3, die seit dem Jahr 2014 ausgeliefert wurden.

Die Behörde habe seit 2018 elf Unfälle registriert, bei denen die Teslas auf Einsatzfahrzeuge aufgefahren sind. Die Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr seien dank eingeschalteter Warnlichter und anderer Sicherheitsvorkehrungen wie Pylonen oder Blinkpfeilen eigentlich gut erkennbar gewesen. „Bloomberg“ zufolge hat es insgesamt 17 Verletzte und einem Todesfall gegeben. Die Unfälle hätten vor allem nachts stattgefunden und bei allen beteiligten Teslas seien entweder der „Autopilot“ oder die „Traffic-Aware Cruise Control“ eingeschaltet gewesen – also der Temporegler, der die Geschwindigkeit dem Verkehr anpasst und gegebenenfalls abbremsen soll.

Der erste Unfall dieser Art habe am 22. Januar 2018 im kalifornischen Culver City stattgefunden, als ein Feuerwehrfahrzeug mit eingeschalteten Warnleuchten einen Teil der Straße blockierte. Der jüngste Vorfall ereignete sich im Juli dieses Jahres in San Diego, so „Bloomberg“. Teslas Aktien fielen bereits vor dem Börsenstart am Montag um 2,4 Prozent auf 700,16 US-Dollar, so „Bloomberg“ weiter. Der Autobauer hat bisher keine Stellungnahme abgegeben.

NHTSA untersuchte Teslas Autopiloten schon 2016

Kritiker werfen Tesla schon seit längerem vor, dass der Name „Autopilot“ für das Fahrassistenzsystem irreführend sei. Denn die Fahrzeuge fahren mitnichten autonom, sondern brauchen stets einen menschlichen Fahrer, der den Fahrtweg kontrolliert und im Zweifelsfall sofort eingreifen kann. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Fahrer sich komplett auf das System verlassen und sich teilweise sogar auf die Rückbank des Autos setzen. Tesla verschärfte vor einigen Jahren die Sicherheitsmaßnahmen: Die Software merkt, wenn der Fahrer die Hände nicht am Steuer hat und gibt nach kurzer Zeit Warntöne ab.

Auch die NHTSA hat das System bereits untersucht, nachdem es im Jahr 2016 zu einem tödlichen Unfall gekommen war. Damals starb ein Fahrer, nachdem sein Tesla unter den Anhänger eines Sattelschleppers gerast war, der die Straße überquert hatte. Die NHTSA kam zu dem Schluss, dass das System im Rahmen seiner Fähigkeiten korrekt funktioniert habe, aber der Mensch am Steuer sich zu sehr darauf verlassen habe. Das „Autopilot“-System hatte den Anhänger mit seiner weißen Seitenfront nicht erkannt und keinen Bremsvorgang eingeleitet. Auch der Fahrer hatte nicht reagiert.

Die nächste Version des Systems, die im Juli dieses Jahres in den Beta-Test gestartet ist, wird vom Autobauer sogar als „Full Self-Driving“-System tituliert – obwohl es sich auch hier weiterhin nur um ein zu kontrollierendes Fahrassistenzsystem handelt. Nutzer berichteten unter anderem, dass das System Schwierigkeiten habe, die Fahrbahnbegrenzungen einzuhalten und „wie ein betrunkener Fahrer“ unterwegs sei.

sb mit dpa

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