Aufatmen im Autosalon

Der Skandal um Tierversuche überschattet das Treffen der Autoindustrie in Berlin. Der Abgang des VW-Cheflobbyisten Thomas Steg sorgt für Erleichterung. Die Wahl von VDA-Präsident Mattes: Ein Signal der Geschlossenheit.

Matthias Müller war einer der ersten Gäste auf dem traditionellen Neujahrsempfang des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie in Berlin. „Mist“ seien die Versuche gewesen, sagt der VW-Chef gleich zum Auftakt. Müller spielt auf die Tierversuche an, die im Auftrag der Autoindustrie in den USA durchgeführt wurden. Seine Empörung wirkt echt. Die Versuche mit den Laboraffen werden ihn und die Chefs von BMW und Daimler noch weiter beschäftigen.

Doch mit der Ablösung seines Cheflobbyisten Thomas Steg hat Müller Führungsstärke gezeigt. Steg war einer seiner wichtigsten Mitarbeiter, mit direktem Draht zu Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Während Müller in kleinem Kreis Einblicke in seine Gefühlswelt gibt, füllt sich hinter ihm die Classic Remise in Berlin-Moabit, eine der größten Oldtimer-Sammlungen der Republik. Der traditionelle Jahresempfang des Verbandes der Deutschen Autoindustrie ist auch in diesem Jahr ein Gradmesser für die Stimmung der Branche und es ist voller als in den Vorjahren.

Denn kurz nachdem sich Müller von seinem Cheflobbyisten trennte, wählte das Präsidium des VDA Bernhard Mattes zum Nachfolger von Matthias Wissmann. Für die Branche ein Signal endlich, wieder Geschlossenheit zu zeigen. Neben dem halben VW-Vorstand kamen auch BMW-Chef Harald Krüger und Opel-Chef Michael Lohscheller. Nur Daimler-Chef Dieter Zetsche war nach dem Vorstandstreffen Anfang der Woche bereits auf dem Rückflug nach Stuttgart.


Zum Neujahrsempfang des Konzerns erschienen rund 700 Vertreter aus Industrie, Politik und Medien, um Wissmann zu verabschieden und Mattes zu begrüßen. Interims-Verkehrsminister Christian Schmidt sprach über die Leistungsfähigkeit der Branche und über die Herausforderung, die auf Deutschlands wichtigste Arbeitgeber wartet. Aber selbst er konnte sich die Anmerkung nicht verkneifen, dass er in seiner politischen Karriere als Landwirtschaftsminister auch für Tierversuche zuständig gewesen war. Die Lacher hatte er auf seiner Seite. Sein Seitenhieb auf den Daimler-Chef – „Herr Zetsche ist schon auf dem Weg“ ging da unter.

Die Stimmung wollten sich die Automanager aber nicht verderben lassen. Gelöst sprach Audi-Chef Rupert Stadler zwar davon, dass man in der Industrie immer wieder aufs Neue böse überrascht werde. Aber es gehe doch jetzt darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen“, sagte er. BMW-Chef Harald Krüger will, dass sich der VDA in Zukunft mehr um „Elektromobilität und Digitalisierung“ kümmert. „Wir brauchen leistungsfähige Mobilfunknetze für das autonome Fahren“, sagt Krüger.

Von den umstrittenen Tierversuchen wollen die BMW-Verantwortlichen erst am Wochenende erfahren haben, er lässt von seinem Chefjustiziar die Verantwortlichkeiten im eigenen Haus prüfen. Nach den Reden von Wissmann und Schmidt stieg Krüger in den Flieger nach China, seinem wichtigsten Absatzmarkt.

Mitten im Pulk stehen Matthias Wissmann und Bernhard Mattes und tauschen sich aus. Man merkt Matthias Wissmann eine gewisse Erleichterung an, seinen Job Ende Februar abgeben zu können. „Man sollte gehen, wenn wenigstens noch ein paar Leute Beifall klatschen“, sagt Wissmann selbstironisch, auch wenn er an diesem Abend ehrlichen Applaus für sein Wirken bekam.