Aufarbeitung der Air-Berlin-Insolvenz wird laut Sachwalter Jahre dauern

Nach einem geplanten Verkauf von Air Berlin wird die Aufarbeitung der Insolvenz die Gläubiger der Fluggesellschaft voraussichtlich noch jahrelang beschäftigen. Das sagte Lucas Flöther, der vorläufige Sachwalter des Unternehmens, der "Wirtschaftswoche"

Nach einem geplanten Verkauf von Air Berlin wird die Aufarbeitung der Insolvenz die Gläubiger der Fluggesellschaft voraussichtlich noch jahrelang beschäftigen. "Das Air-Berlin-Verfahren wird sich noch über mehrere Jahre hinziehen", sagte Lucas Flöther, der vorläufige Sachwalter des Unternehmens, dem Magazin "Wirtschaftswoche". "Bei einer Konzerninsolvenz dieser Größenordnung reden wir von einem Zeitraum von sieben, acht Jahren, vielleicht auch mehr."

Erst nach der Verkaufs- und Stabilisierungsphase könne mit der eigentlichen Aufarbeitung der Insolvenz begonnen werden, sagte Flöther. Dabei solle auch die Verantwortung früherer Manager und Aufsichtsräte geprüft werden. "Wir werden genau analysieren, was zur Insolvenz von Air Berlin geführt hat", kündigte Flöther an. "Sollte es Ansprüche gegen frühere Manager oder Aufsichtsräte geben, werde ich diese auch geltend machen."

Flöther hat die Aufgabe, im Auftrag des Insolvenzgerichts zu prüfen, ob bei der Abwicklung der Fluggesellschaft alles korrekt läuft. Damit ist er an allen wichtigen Gesprächen im Rahmen des Insolvenzverfahrens beteiligt.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich unterdessen skeptisch, ob eine Komplettübernahme von Air Berlin die beste Lösung für das Unternehmen wäre. Dies sei "zwar legitim", sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel" vom Freitag. Sie fügte aber hinzu: "Ob das substantiell ist, müssen diejenigen entscheiden, die die Verkaufsverhandlungen führen." Fest stehe, "dass Air Berlin mit seinem Geschäftsmodell seit vielen Jahren Verluste schreibt".

Air Berlin hatte vor über einer Woche Insolvenz angemeldet, am Mittwoch hatte der Gläubigerausschuss in seiner konstituierenden Sitzung zunächst beschlossen, den Betrieb und das Insolvenzverfahren fortzuführen. Verhandelt wird derzeit mit der Lufthansa und weiteren Interessenten an Air Berlin. Die Intro GmbH des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl ist kommende Woche zu einem Sondierungsgespräch eingeladen. Auch Ryanair ist an einer Komplettübernahme interessiert.