Audi-Chef Rupert Stadler bleibt in Haft


Der seit Montag inhaftierte und inzwischen beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler kann offenbar nicht auf eine schnelle Entlassung aus der Untersuchungshaft hoffen. Nach Handelsblatt-Informationen dauerte schon seine erste Vernehmung in der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen beinahe einen ganzen Tag.

Stadler wurde im Beisein seines Verteidigers von zwei Staatsanwälten befragt. Trotz der Länge der Vernehmung waren die Ermittler am Ende nicht zufrieden und kündigten weitere Termine an. Stadlers Anwalt hat keine Haftbeschwerde eingelegt. Damit bleibt der Top-Manager, wo er ist: hinter Gittern.

Dort geht es Stadler wie jedem anderen Gefangenen. Die vorgegebene Anstaltskleidung der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen ist blau. Stadler darf auch zur Vernehmung seinen Manageranzug nur tragen, wenn er vorher einen entsprechenden Antrag stellt. Stadler erhält dasselbe Essen wie die anderen Insassen und hat auch ansonsten keinen Anspruch auf bevorzugte Behandlung.


Die Strafverfolger sehen bei Stadler weiter Verdunkelungsgefahr. Ihren Verdacht, er wolle Zeugen beeinflussen, konnte Stadler auch in stundenlangen Gesprächen nicht ausräumen. Im Wesentlichen soll sich die Vernehmung um ein einziges, längeres Telefonat Stadlers gedreht haben. Die Ermittler hatten Stadler dabei abgehört, wie er mit einem Porsche-Mitarbeiter sprach und die mögliche Beurlaubung eines Audi-Mitarbeiters debattierte.

Dieser Mitarbeiter, der entgegen anderer Medienberichte nicht der Audi-Taskforce zur Aufarbeitung des Dieselskandals angehört, soll umfassend ausgesagt und Stadler belastet haben. Dass Stadler deshalb dessen Beurlaubung erwog, ist für die Behörden ein Indiz für seinen Versuch, den Fortgang der Ermittlungen zu behindern.

Nicht klar ist allerdings, warum die Strafverfolger nach dem abgehörten Telefonat eine geraume Zeit warteten und in der vergangenen Woche auch erst noch Stadlers Privathaus durchsuchten, bis sie am frühen Montagmorgen zugriffen und den Audi-Vorstandsvorsitzenden festnahmen.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt seit Ende Mai wegen Betrugs sowie mittelbarer Falschbeurkundung gegen Stadler sowie ein weiteres Audi-Vorstandsmitglied. Stadler soll seit Jahren von der Manipulation von Dieselmotoren gewusst haben.

Außerdem soll er nach Aufdeckung des Dieselskandals bei der Konzernmutter Volkswagen im Herbst 2015 Hinweise aus dem eigenen Unternehmen erhalten haben, dass auch bei Audi Autos mit manipuliertem Abgassystem gebaut und verkauft wurden. Dennoch habe er den Verkauf solche Fahrzeuge nicht gestoppt, so ein Kernvorwurf.