Aubameyang isoliert und vor dem Absprung

Christoph Küppers
Pierre-Emerick Aubameyang flog im Derby gegen Schalke vom Platz

Fast teilnahmslos verfolgte Pierre-Emerick Aubameyang am Sonntag die BVB-Mitgliederversammlung in der Westfalenhalle. Der Dortmunder Toptorschütze dieser Saison (17 Treffer in 19 Pflichtspielen) saß da, mit Brille, verschränkten Armen und gelangweiltem Gesichtsausdruck. Er sagte und machte nichts - und stand trotzdem im Mittelpunkt.

Als Aubameyang die Halle zuvor am Ende seiner Teamkollegen betrat, kamen die eigentlich schon abgeklungenen Pfiffe der BVB-Mitglieder noch einmal heftig auf. Dazu ging jedes Mal ein Raunen durch die Halle, wenn der Stürmer auf der Hallen-Leinwand zu sehen war.

Längst ist Aubameyang bei den Fans nicht mehr unangefochten. Seine unnötige Gelb-Rote Karte im Derby gegen Schalke hat das Verhältnis zu den Fans zusätzlich belastet.

Zwar kämpfte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mit markigen Worten für Aubameyang und ergriff in seiner strategischen Rede offensiv Partei: "Wie in der vergangenen Woche mit Pierre-Emerick umgegangen wurde, hat mir nicht gefallen. Ich habe im Derby einen Auba gesehen, der sich reingekniet hat."

70 Millionen als Schmerzgrenze?

Allerdings: Watzkes Aussagen dürften – obwohl das in Dortmund niemand öffentlich zugeben mag – strategischer Natur gewesen sein. Beim BVB beschäftigt man sich offen wie nie mit einem Verkauf des Toptorjägers.

Legt ein Verein im Winter 70 Millionen Euro auf den Tisch, wird Aubameyang wohl wechseln. Nur möchte der Verein seinen Spieler keinesfalls ins Schaufenster stellen – das drückt den Preis.

Dem Vernehmen nach will Aubameyang selbst auch wechseln. Die Bild berichtet, der Gabuner schaue sich bereits intensiv nach einem neuen Verein um. Die englische Sun bringt den FC Liverpool und den FC Chelsea als mögliche neue Arbeitgeber ins Spiel. Auch der Mirror vermeldet ein Interesse aus London.


Die im Sommer viel beschworene Liebe zwischen Aubameyang und dem BVB bröckelt. Auch weil der Torjäger in der Mannschaft nicht mehr uneingeschränkte Rückendeckung genießt. Viele Führungsspieler nervt die lasche Art ihres Kollegen – in puncto Trainingsfleiß, Einstellung, aber auch bei der Defensivarbeit auf dem Platz.

Der verbotene Videodreh mit einem zehnköpfigen Team um den Youtuber Sean Garnier kam bei den Mitspielern besonders schlecht an. Zumal es nicht der erste Besuch Garniers im Lizenzspielerbereich des Trainingszentrums war. Eigentlich ist der Zutritt zu diesen Hallen für Fremde tabu.

Weidenfeller sauer auf Aubameyang

Kleinere Verfehlungen verziehen seine Mitspieler Aubameyang in der Vergangenheit immer mal wieder. Aufgrund seiner überragenden Torquote (137 Treffer in 208 Pflichtspielen). Nachdem die Fehltritte in letzter Zeit zunahmen, wurden mehrere Führungsspieler bei Trainerteam und Management vorstellig und forderten Konsequenzen.


Dieser schwindende Rückhalt zeigte sich am Wochenende abermals. Nach seinem Platzverweis kritisierte Torwart Roman Weidenfeller den Stürmer in einem SPORT1-Interview und nannte die Aktion "schwachsinnig". Kapitän Marcel Schmelzer sagte: "Es ist Zeit, Klartext zu reden über einige Aktionen."

Mit Klartext könnte auch Aubameyang einige Irritationen aus dem Weg räumen. Seit Wochen spricht der Stürmer nur sehr wenig mit den Medien – lediglich ausgewählte Pressevertreter bekommen Statements.

Im Moment spricht tatsächlich vieles mehr für eine Scheidung als für eine Versöhnung zwischen Klub und Spieler.