„Außergewöhnliche Wirkung“: Pfizers Antivirale Corona-Pille senkt das Risiko von Klinikaufenthalten und Todesfällen um 89 Prozent

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Die experimentelle antivirale Pille des Pharmaherstellers Pfizer habe erste vielversprechende Ergebnisse geliefert, wie das New Yorker Pharmaunternehmen am Freitag mitteilte. Das Präparat senkte demnach das Risiko von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen bei Hochrisikopatienten, die kürzlich mit dem Coronavirus infiziert wurden, um 89 Prozent.

"Unsere Fähigkeit, nicht mehr in Angst zu leben, ist jetzt zum Greifen nah", sagte Mikael Dolsten, wissenschaftlicher Leiter bei Pfizer, zu Business Insider. Das bahnbrechende Ergebnis ist das zweite seiner Art: Arzneimittelhersteller Merck gab kürzlich ebenfalls positive Ergebnisse mit seiner eigenen antiviralen Pille, Molnupiravir, bekannt. Die Behandlungen mit den beiden Präparaten können eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Pandemie spielen, da sie die Impfungen gegen Corona ergänzen, indem sie das Risiko einer schweren Erkrankung für Infizierte senken.

"Dies sollte wirklich die Angst brechen, die enorme Belastung der Krankenhäuser reduzieren. Das Risiko, dass man, wenn man sich infiziert, in einem Krankenhaus landet und stirbt, wird statistisch gesehen immer kleiner und fast nicht mehr existent", sagte Dolsten. "Das ist ein großer medizinischer Fortschritt für die Menschheit."

Pfizer rechnet damit, bis Ende 2021 mehr als 180.000 Behandlungseinheiten und im Jahr darauf mindestens 50 Millionen weitere Einheiten zu produzieren. Ein Sprecher sagte, man sei dabei, die Kapazitäten zu erweitern und plane, diese Zahlen in den kommenden Wochen zu aktualisieren.

Pfizer preist "außergewöhnliche Wirksamkeit" in Kombination mit gutem Sicherheitsprofil an

Die Pille aus dem Hause Pfizer, das das Unternehmen Paxlovid nennen will, ist ein sogenannter Proteasehemmer: Es blockiert ein Enzym, das eine Schlüsselrolle im Kopierprozess des Virus spielt. Das Medikament wird zusammen mit einer niedrigen Dosis Ritonavir verabreicht, einem anderen Medikament, das die Verweildauer von Paxlovid im Körper verlängert. Im Rahmen der Studie nahmen die Probanden fünf Tage lang alle zwölf Stunden drei Tabletten ein – zwei Tabletten mit dem neuen antiviralen Mittel von Pfizer und eine Tablette mit Ritonavir.

Die Studie umfasste Daten von 774 Erwachsenen, die ein hohes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung hatten und kürzlich infiziert worden waren. Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip entweder dem antiviralen Mittel Pfizers oder einem Placebo zugeteilt. Von jenen, die das Medikament von Pfizer einnahmen, wurde weniger als ein Prozent ins Krankenhaus eingeliefert und keiner dieser Probanden starb. In der Placebogruppe dagegen wurden etwa sieben Prozent der Personen ins Krankenhaus eingeliefert – und es gab zehn Todesfälle.

Insgesamt ergab sich für Patienten, die das Medikament von Pfizer innerhalb von drei Tagen nach Auftreten der Symptome einnahmen, ein Rückgang der Krankenhauseinweisungen oder Todesfälle um 89 Prozentpunkte. Bei jenen, die das Medikament innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten der Symptome einnahmen, waren Krankenhauseinweisungen und Todesfälle um 85 Prozent seltener als in der Placebogruppe, so Dolsten. In beiden Fällen bot das Medikament in der Studie zu 100 Prozent Schutz vor dem Tod.

Pfizer will schnellstmöglich weltweit eine Notfallzulassung zu beantragen

Die Ergebnisse wurden zunächst nur in einer Pressemitteilung beschrieben und müssen noch in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht werden. "Ich würde sagen, dass man mit einem Virostatikum so nah wie möglich an kurzfristige, heilungsähnliche Ergebnisse herankommt", sagte Dolsten und fügte hinzu, dass er bei einem guten Virostatikum eine Wirksamkeit von 70 Prozent oder mehr erwarte. Die Wirkung des Medikaments Paxlovid aus der Studie bezeichnete er als "außergewöhnlich".

Pfizer bricht seine Studie aufgrund der starken Ergebnisse jetzt sogar vorzeitig ab und plant, bei den US-amerikanischen und weltweiten Gesundheitsbehörden so bald wie möglich eine Notfallzulassung zu beantragen. Auch die Sicherheitsdaten aus der Studie sind vielversprechend. Die meisten gemeldeten Nebenwirkungen waren leicht, und in der Placebogruppe traten sogar häufiger schwerwiegende Nebenwirkungen auf.

Die Risikoreduktion von 89 Prozentpunkten ist größer als die von Molnupiravir des Herstellers Merck in einer ähnlichen Studie, die sich ebenfalls auf Hochrisikopatienten mit Covid-19 konzentrierte. Das Medikament Molnupiravir verringerte das Risiko einer Krankenhauseinweisung oder eines Todesfalls um etwa 50 Prozentpunkte. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA prüft derzeit Molnupiravir – und die britischen Behörden haben als erstes Land der Welt die Behandlung am 3. November 2021 zugelassen.

Fragen zu Resistenz und Nutzen für Geimpfte bleiben offen

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse der Studie gibt es noch einige offene Fragen. Sowohl Pfizer als auch Merck schlossen Personen, die bereits einen Corona-Impfstoff erhalten hatten, von ihren Studien aus. Daher ist unklar, ob auch geimpfte Personen einen bedeutenden Nutzen aus der Einnahme der Pillen ziehen, wenn sie sich mit Covid-19 infiziert haben sollten.

Pfizer führt derzeit zusätzliche Studien durch, bei denen auch Geimpfte berücksichtigt werden. Dolsten sagte, er sei optimistisch, dass Anfang des nächsten Jahres positive Ergebnisse für diese Studien vorliegen würden. Das Unternehmen untersucht auch, ob die Pille zur Vorbeugung von Infektionen und Krankheiten eingesetzt werden könne – also ähnlich wie eine Impfung.

Einige Wissenschaftler sind besorgt über die Mutationsfähigkeit des Coronavirus und darüber, ob dadurch die antiviralen Mittel mit der Zeit schwächer werden könnten. Wenn sie in großem Umfang eingesetzt werden, könnten die Pillen möglicherweise dazu führen, dass das Virus eine Resistenz gegen die Behandlung entwickelt, so die Befürchtung.

Dolsten jedenfalls macht sich keine Sorgen über das Risiko einer Resistenz in nächster Zeit. "Ich rechne nicht damit, dass es in den nächsten Jahren – fünf, sieben Jahre – Resistenzprobleme geben wird", sagte er und fügte hinzu, dass Pfizer diese Möglichkeit dennoch für Studien in der Zukunft in Betracht ziehe.

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Den Originalartikel findet ihr hier.

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