Der außergewöhnliche Karriereweg des Bouna Sarr

Lukas von Hoyer
·Lesedauer: 4 Min.

Wer am Fuße des Stade Gerland geboren ist, der träumt fast automatisch von einer großen Karriere als Profifußballer.

Das umliegende Stadtviertel Gerland stellt das wohl größte Fußballer-Viertel von Lyon dar. Dort träumen Kinder und Teenager - die größtenteils in einfachen Verhältnissen aufwachsen - von einer großen Zukunft. Das galt auch für Bouna Sarr, der seinen Traum mittlerweile in die Tat umsetzen konnte.

Mit 28 Jahren wagte er im vergangenen Oktober den großen Schritt zu einem der größten Klubs der Welt: dem Triple-Sieger FC Bayern München.

"Ich wusste schon als Kind, dass das einer der besten und wichtigsten Vereine der Welt ist", verriet Sarr nun in einem Interview im Bayern-Mitgliedermagazin 51. "Die Philosophie dieses Vereins wird in Frankreich sehr geschätzt. Wer den FC Bayern nicht kennt, weiß im Fußball nicht besonders gut Bescheid. Vor Bayern, das ist immer klar gewesen, musste man sich in Acht nehmen, da war höchster Respekt, teilweise sogar Angst - und diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch einmal verstärkt."

Bouna Sarr vom Spielmacher zum Verteidiger

Sarr spielte in der Jugend für Olympique Lyon, wechselte allerdings im Alter von 17 Jahren zum FC Metz. Dort wuchs er als Offensivspieler zum gestandenen Profi heran, ehe er im Sommer 2015 den nächsten großen Schritt ging - mit einem Wechsel zu Olympique Marseille.

Auch beim französischen Top-Klub wurde er schnell zum Stammspieler, doch eines veränderte sich: seine Position. Sarr gab zunächst den Spielmacher oder Flügelstürmer, rutschte allerdings immer weiter zurück - bis er als Rechtsverteidiger nicht mehr wegzudenken war.

In dieser Funktion soll er nun auch dem FC Bayern helfen, der für die Dienste des Franzosen in Corona-Zeiten immerhin acht Millionen Euro in Richtung Marseille überwies.

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Eine derartige Positionsveränderung ist eher ungewöhnlich im Laufe eine Profikarriere. "Das Mentale spielt bei so einer Umstellung eine große Rolle", glaubt Sarr: "Man muss sich darauf einlassen und erkennen, welche neuen Möglichkeiten sich eröffnen. Ich habe jetzt zwei Varianten im Repertoire, kann die Außenbahn offensiv und defensiv interpretieren. Wenn es vorne auf den Flügeln Bedarf gibt, kann ich da auch spielen, das war in Marseille genauso. Ich bin heute vielseitiger als früher, das Wechseln zwischen den Rollen macht mir nichts aus."

Bayern-Star Ribéry als großes Vorbild

Nicht nur diese Umstellung ist ungewöhnlich, gleiches gilt auch für den Karriereweg von Sarr.

Mit Metz war der talentierte Kicker zum Beginn seiner Karriere zunächst in die dritte Liga abgestiegen. Erst dann gelang ihm durch zwei Aufstiege mit Metz der Durchmarsch in die Ligue 1, in der sich Sarr schnell etablieren konnte. Trotzdem folgte der erneute Abstieg. "Durch dieses Auf und Ab habe ich gelernt, dass es darauf ankommt, immer seine beste Leistung abzurufen", blickt Sarr zurück. (Tabelle der Ligue 1)

Dass ihn sein Weg bis an die Säbener Straße geführt hat, sieht er als "Belohnung dafür", dass er nie aufgesteckt habe: "Ich bin mental gefestigt und lasse mich nicht leicht aus der Bahn werfen. Das ist etwas, was du brauchst, um für einen Klub wie FC Bayern interessant zu sein."

Vieles an Sarrs Weg nach München erinnert an Franck Ribéry - ob es nun der Wechsel von Olympique Marseille, der Umweg über die dritte Liga, oder die zwischenzeitliche Position als Außenstürmer ist. Sarr selbst sieht das ähnlich:

"Wenn man unsere Vereine anschaut, haben wir eine ziemlich identische Wegstrecke hingelegt, das stimmt. Er war in Metz, Marseille und bei Bayern - genau wie ich. Als ich offensiver Flügelspieler war, war er mein absolutes Vorbild. Ich werde hier vermutlich nicht so viele Titel holen wie er. Er war viel jünger, als er hierhergekommen ist - aber es ist mein Ansporn, möglichst viele seiner Erfolge zu wiederholen."

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Das Ziel von Sarr heißt Nationalmannschaft

"Im Französischen gibt es ein Wort, das noch stärker ist als kämpfen", verriet Sarr. "Übersetzt würde es vielleicht heißen: Ich rackere mich ab für dieses große Ziel."

Das große Ziel heißt dabei Équipe Tricolore. Sarr hofft, dass ihm der Wechsel nach München hilft, sich für die französische Nationalmannschaft zu empfehlen. Für die Bayern bestritt Sarr bereits acht Pflichtspiele und wusste durchaus zu überzeugen. Im Sommer wurde er schon für Frankreichs Nationalelf nominiert, konnte wegen einer Verletzung aber nicht mitwirken, daher wartet Sarr noch auf sein erstes Länderspiel.

Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft an. Frankreich trifft in der Gruppenphase auf Deutschland - und zwar in München. Klar, dass Sarr da unbedingt dabei sein will. "Das wäre das Maximum. Es liegt an mir und meinem Einsatz, mich unserem Nationaltrainer Didier Deschamps zu empfehlen, dass er nicht an mir vorbeikommt. Nach meinem Wechsel zu Bayern wäre das der nächste Lebenstraum, der sich erfüllen würde."