Atomkraftwerke länger am Netz? Nordrhein-Westfalen will Stresstest abwarten

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - In der Diskussion um eine verlängerte Nutzung deutscher Atomkraftwerke zeigt sich Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) skeptisch. In einer möglichen Gasmangellage könnten Atomkraftwerke nur einen Beitrag von 0,2 bis 0,9 Prozent leisten, sagte die Ministerin am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Dabei bezog sie sich auf Studien, denen zufolge der Gasbedarf nur geringfügig sinken würde, wenn Strom aus Atommeilern statt aus Gaskraftwerken genutzt würde.

Großes Potenzial gebe es hingegen beim Energiesparen und beim effizienten Energieeinsatz, sagte Neubaur. Man müsse jetzt "an allen Ecken und Enden jetzt Energie, Gas einzusparen, sich vorbereiten und alles dafür tun, dass wir so sicher wie möglich durch den Winter kommen".

Zudem betonte Neubaur, dass man vor der Entscheidung zu einer weiteren Akw-Nutzung erst das Ergebnis eines vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen AKW-Stresstests abwarten sollte. "Selbstverständlich wird ernsthaft überlegt und ernsthaft getestet in diesem Stresstest, aber wir warten die Daten und die Fakten ab und entscheiden dann."

Angesichts drastisch gesunkener Gaslieferungen aus Russland ist die Diskussion entbrannt, die noch bis Jahresende am Netz befindlichen deutschen AKW länger laufen zu lassen als bisher geplant. Befürworter kommen aus Reihen der CDU und CSU, aber auch aus der FDP.

Auf die Frage, ob sie einen "Streckbetrieb" ausschließe - also einen AKW-Weiterbetrieb mit alten Brennstäben bei gedrosselter Leistung - verwies Neubaur im ZDF auf bereits Erreichtes beim Energiesparen. "Wir verbrauchen knapp 15 Prozent weniger Gas in den ersten Monaten des Jahres 2022 als im Vorjahr." Das zeige, dass sich die Industrie auf den Weg mache und einspare. Zudem appellierte sie an die Verbraucherinnen und Verbraucher, Energie zu sparen und zum Beispiel dafür zu sorgen, dass die Heizung gewartet werde.

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