AT & T räumt am Bondmarkt ab


Am Aktienmarkt ist der Traditionskonzern AT&T nicht sonderlich beliebt. Mit einem Verlust von rund sieben Prozent gehört die Aktie des 1885 in den USA gegründete American Telephone & Telegraf in diesem Jahr zu den schwächeren Werten an der Wall Street. Bei Anleiheinvestoren ist AT&T jedoch der Hit. Mit 22,5 Milliarden Dollar hat der Konzern die größte Anleihe in diesem Jahr platziert und gleichzeitig den drittgrößten Bond aller Zeiten. Dabei war die Nachfrage gigantisch. Die beauftragten führenden Konsortialbanken – darunter BofA Merrill Lynch, Goldman Sachs und JP Morgan – sammelten Kaufaufträge über insgesamt mehr als 60 Milliarden Dollar ein.

Größere Anleihen als AT&T haben bislang nur der Bierbrauer Anheuser Busch Inbev im Januar 2016 mit 46 Milliarden Dollar und der Telekomkonzern Verizon im September 2013 mit 49 Milliarden Dollar begeben. Beide Unternehmen brauchten das Geld für die Refinanzierung von Übernahmen. So ist es auch bei AT&T. Geplant ist die Übernahme des Medienkonzern Time Warner für 85,4 Milliarden Dollar. Die im vergangenen Oktober angekündigte Übernahme ist auch großes Thema in Hollywood, schließlich stellt Time Warner mit dem Filmstudio Warner Bros. Kinostreifen wie „Batman“, „Harry Potter“ oder „Mad Max“ her. Außerdem gehören zu Time Warner der Nachrichtensender CNN, der Fernsehbezahlsender HBO und der Unterhaltungskanal TNT.


Mit der Übernahme entsteht eines der größten Medienunternehmen der Welt. AT&T zielt auf Inhalte ab, die über die eigenen Netze verteilt werden können. Mit dem Zusammenspiel von Mobilfunk, Festnetz, Internet, Film und Fernsehen will sich AT&T unabhängiger vom dominierenden Mobilfunkgeschäft machen, wo kleinere Konkurrenten wie Sprint und die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US mächtig Druck machen.

In trockenen Tüchern ist die Übernahme von Time Warner aber noch nicht. Konzentration in der Medienbranche gilt in der Politik als unpopulär. Schärfster Gegner der Übernahme ist US-Präsident Donald Trump. Während des Wahlkampfs im vergangenen Oktober hatte er erklärt, dass er dem Deal als Präsident niemals zustimmen werde, weil er „zu viel Macht in die Hände von wenigen, ohnehin schon zu einflussreichen Leuten legt“. Später relativierte er allerdings diese Äußerung mit der Bemerkung, er habe die genauen Fakten noch nicht gesehen. AT&T-Chef Randall Stephenson betonte noch bei der Vorlage der Quartalszahlen am 25. Juli, er sei zuversichtlich, dass die Übernahme noch in diesem Jahr abgeschlossen werde.

Mit der Mega-Anleihe ist die Übernahme nun durchfinanziert. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg hätten fünf Milliarden Dollar gereicht, schließlich hat AT&T bereits Kredite aufgenommen und Anleihen in Euro und britischem Pfund platziert. Der Appetit der Anleiheinvestoren auf AT&T-Dollar Bonds war aber so groß, dass der Konzern die Gunst der Stunde nutzte.


Renditen locken die Anleger


Angesichts der Mini-Renditen auf Anleihen im Euro-Raum zieht es viele Investoren in die USA. Dort hat die Notenbank Fed die Zinswende schon eingeleitet, folglich gibt es deutlich mehr Renditen für Anleihen.

AT&T teilte die Bondplatzierung in sieben einzelne Anleihen auf. Die Laufzeiten liegen zwischen fünfeinhalb und 41 Jahren. Die in fünfeinhalb Jahren fällige Anleihe bot bei der Platzierung am späten Donnerstag eine Rendite von knapp 2,9 Prozent. Beim 2058 fälligen Bond lag die Rendite bei 5,3 Prozent. Die Risikoprämien gegenüber US-Staatsanleihen liegen zwischen einem und 2,4 Prozentpunkten, die Aufschläge steigen mit der Laufzeit. Angesichts der großen Nachfrage konnte der Konzern die Anleihen mit etwas niedrigeren Risikoprämien platzieren als zunächst angekündigt.

Anleger sind immer noch auf der Jagd nach Rendite. Dabei bevorzugen viele Investoren, wie zum Beispiel Blackrock, die Anleihen von US-Unternehmen mit guter Bonität. Immerhin wächst die US-Wirtschaft weiter, die Zinsen steigen moderat. Für Brian Kennedy, Portfoliomanager bei Loomis Sayles, sind US-Unternehmensanleihen unter Risiko-Ertrags-Gesichtspunkten aktuell die interessantere Anlage für Bond-Investoren, die auf der Such nach Rendite sind.



In der Tat bieten die Euro-Anleihen von AT&T deutlich weniger als die US-Papiere. Eine in sechs Jahren fällige Euro-Anleihe des US-Konzerns bringt gerade mal eine Rendite von 0,9 Prozent, bei einem in 17 Jahren fälligen Papier – der am längsten laufenden Euro-Anleihe der Amerikaner – sind es 3,2 Prozent.

Ein Ausweg könnte sein, direkt in Dollar-Anleihen zu investieren. Allerdings haben Anleger in der Euro-Zone, die US-Anleihen kaufen, natürlich ein Wechselkursrisiko. Viele institutionelle Investoren sichern diese Wechselkursrisiken ab. In diesem Jahr hat der Dollar gegenüber dem Euro kräftig verloren, was bei ungesicherten Investitionen empfindlich an der Rendite zehrt. Währungstragegen glauben allerdings, dass der Dollar seine größten Verluste gegenüber dem Euro nun hinter sich hat.

Von der Bonität her steht AT&T recht gut da. Die großen Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit mit „A-“(Fitch) und dem eine Stufe darunter liegenden „BBB+“ (Standard & Poor’s) und „Baa1“ (Moody’s). Alle drei Ratingagenturen prüfen allerdings eine Herabsetzung des Ratings. Grund dafür ist die Time-Warner-Übernahme, die die Verschuldung von AT&T erhöht.

Immerhin hat der Konzern Anfang der Woche bessere Zahlen vorgelegt, als erwartet. Im zweiten Quartal kletterte der Nettogewinn verglichen mit dem Vorjahr um 15 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Grund dafür waren neue Verkaufsaktionen, die Mobilfunk- und Videoangebote bündeln. Das kam auch der Aktie zugute, die in innerhalb von zwei Tagen um 8,8 Prozent gestiegen ist.

KONTEXT

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ. Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.