Astrazeneca: Ein Schlag ins Gesicht

Michel Doepke
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Astrazeneca: Ein Schlag ins Gesicht

Monatelang haben Astrazeneca-Aktionäre auf die Daten der MYSTIC-Studie hingefiebert. Nun hat der britisch-schwedische Konzern mit den Halbjahreszahlen die Katze aus dem Sack gelassen und für Ernüchterung gesorgt. Im heutigen Handel bricht die Astrazeneca-Aktie um 15 Prozent ein und rauscht auf den tiefsten Stand seit Februar.

Kombi-Therapien gelten in der Krebsmedizin neben der Immuntherapie als großer Hoffnungsträger. Mit Merck, Bristol-Myers Squibb und Astrazeneca versuchen sich große Pharma-Player an diesen Wirkstoffen. Umso höher die Erwartungshaltung, desto größer auch das Rückschlagpotenzial. Astrazeneca-Aktionäre hat es heute in einer dieser Kombi-Studien eiskalt erwischt.

Die Kombination aus Durvalumab (Imfinzi) und Tremelimumab verfehlte das Ziel der MYSTIC-Studie, bei einer Lungenkrebserkrankung besser abzuschneiden als eine herkömmliche Chemotherapie. Der Schock sitzt tief. Denn diese Kombi-Therapie wird in weiteren Indikationen klinisch entwickelt. 2018 stehen die nächsten Studienergebnisse der Combo an. Dass diese Ergebnisse ebenfalls nicht positiv ausfallen, ist durch den Rückschlag in der MYSTIC-Studie leicht gestiegen.

Völlig untergegangen sind in diesem Zusammenhang die aktuellen Zahlen zum zweiten Quartal von Astrazeneca. Der Gewinn überraschte mit 0,87 Dollar je Aktie. Leicht unter den Erwartungen lag der Umsatz mit 5,05 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Rückgang um 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, was mit dem Verlust von Patenten einhergeht.

AKTIONÄR-Empfehlung ausgestoppt

Imfinzi allein und in Kombination ist ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Wachstumsstrategie von Astrazeneca. Entsprechend wird die Aktie heute abgestraft und rutscht unter den Stoppkurs von 50 Euro. Langfristig bleibt Astrazeneca interessant, wie auch der heute verkündete Milliarden-Deal mit Merck & Co unter Beweis stellt. Dennoch drängt sich aufgrund der angespannten charttechnischen Verfassung und der Enttäuschung der MYSTIC-Studie vorerst kein Neueinstieg auf.