„Arte Paco Musik“: In diesem Geschäft finden Musiker fast alles

Paco de Sosa Guedes wollte schon immer Musik machen und damit Geld verdienen.

Paco nimmt alles. Nur keine Klaviere. Wollen würde er schon. Aber es ginge beim besten Willen nicht; nicht mal, wenn er versuchte, so ein Instrument unter die Decke zu hängen. Für das Geschäft „Arte Paco Musik“ ließen sich viele Adjektive finden, nur „übersichtlich“ kann man es nicht nennen. In dem kaum 20 Quadratmeter großen Laden ist jeder Zentimeter mit Instrumenten zugestellt.

Neben den rund 150 zum Teil an den Wänden hängenden Gitarren, kann man in diesem An- und Verkauf alles aufstöbern, was je als Saiteninstrument gebaut worden ist: Mandolinen, Banjos, Ukulelen – mit etwas Glück stößt man sogar auf eine Ruba aus Afghanistan oder eine Pipa, ein ziemlich exotisches Stück aus China. Ferner ist nahezu jede Variante eines Blasinstruments zu haben, was Carolin Kebekus bestätigen könnte.

Im Rahmen von Dreharbeiten für ihre Sendung „Pussy Terror“ sei die Komikerin kürzlich bei ihm gewesen, habe von Trompete über Saxophon bis hin zur Gießkanne alles durchprobiert und aus jedem Instrument einen Ton herausgeholt. Am Ende habe Kebekus ein Jagdhorn erworben.

Der kluge Messie hält einen Gang frei

Bei der Behauptung, dass die Instrumente die gesamte Fläche in Beschlag nehmen, muss man eine Einschränkung machen. Frei nach dem Motto: Der kluge Messie hält den Gang frei, existiert natürlich ein Fluchtweg, über den Paco zu seinem mit einem Vorhang abgetrennten Lager gelangt. Und es gibt einen Platz für Bibi.

„Atze Bibi“, wie die kleine Helena aus dem Haus sagt, weil sie „Katze“ noch nicht aussprechen kann, ist ein Fundstück aus der Südstadt. Keiner wollte den Kater, der aussah „wie eine Klobürste mit gelben Augen“, erklärt Pacos Lebensgefährtin Madeleine Waldorf. „Also haben wir ihn adoptiert.“

Der 61 Jahre alte Paco de Sosa Guedes gehört zu den Menschen, bei denen die Anrede „Herr“ so steif klingt, dass kaum einer der Kunden auf die Idee käme, sie zu benutzen. Der weißhaarige Mann mit der auffälligen Bernsteinkette stammt gebürtig aus Porto. Seine Mutter war Brötchenverkäuferin, sein Vater Dirigent. „Aber nicht in einer Philharmonie, sondern Dorfkapellendirigent“, stellt Paco klar und erzählt, wie er als 15-Jähriger nach Spanien abgehauen ist, weil er „tierisch Angst vorm Militär“ hatte.

Zwölfmal habe man ihn in Spanien geschnappt und immer wieder rausgeworfen, doch er kam zurück. In seine damals faschistische Heimat zog ihn nichts zurück. „Da gab es nur Hunger, Hunger, Hunger und Armut.“

Der Traum Musik zu machen

Mit der „Revolution der roten Nelken“ 1974 änderte sich auch Pacos Leben. Endlich habe er in Spanien zum Konsulat gehen und einen Pass beantragen können, um in das – aus seiner damaligen Sicht – gelobte Land zu kommen: in die Niederlande. Zwei Wochen in Amsterdam reichten allerdings schon aus, um festzustellen: „Das ist nichts für mich. Zu viele Verrückte, zu viele Ausgeflippte für jemanden wie mich, der nicht trinkt und nicht kifft.

Also zog er weiter nach Deutschland, nach Bremerhaven. Dort widerfuhr ihm rückblickend das größte Glück überhaupt in Gestalt eines Dolmetschers namens Christian Peter Hennes, der seine drohende Ausweisung dadurch verhinderte, dass er ihm eine Arbeit in einer Reederei verschaffte. Paco fuhr ein paar Jahre zur See, landete irgendwann schließlich in Köln und stieß hier mehr oder weniger zufällig auf jemanden, der in der Domstraße ein Musikaliengeschäft hatte. Ihm erzählte Paco von seinem Traum, Musik zu machen, mit Musik zu arbeiten.

Auftritte mit den Paveiern

Der Portugiese wurde eingestellt, lernte immer mehr Musiker kennen und beschloss, nach Mexiko zu gehen und Gitarre zu studieren. Er tat dies sowohl an der Uni als auch im privaten Unterricht. Das führte dazu, dass er später mit den Paveiern in der Kölnarena, im Roncalli-Spiegelzelt sowie in der Düsseldorfer Tonhalle auftrat.

Heute ist Paco derjenige, der unterrichtet – neben seinem Laden, in dem er nahezu alles hat, was ein Musiker braucht: Alle möglichen Arten von Saiten, Blättchen fürs Saxophon, Stimmgeräte, Triangel, mittendrin auch mal ein Akkordeon. Taschen für Instrumente, Halter, Ständer, Verstärkung.

Er kaufe und verkaufe nicht nur alte und neue Instrumente, er repariere auch und biete Service wie zum Beispiel das Einstellen der Saitenlage. Zu Pacos Kundenkreis gehören Leute wie Gitarrenbaumeister Dieter Hopf, Bassist Bernd Keul, Moderator Jürgen von der Lippe, der bei Paco ein Xaphoon erwarb, sowie die aus dem Bodensee-Tatort bekannte Schauspielerin Justine Hauer. „Oft kommen die auch einfach nur auf einen Plausch vorbei.“ Oder um Atze Bibi zu kraulen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta