Die armen Schüler bleiben unter sich

Schulleiter Nuri Kiefer von der Hannah Höch Gemeinschaftsschule

Vier Jahre lang führte der Weg von Nuri Kiefer zur Arbeit vorbei an Reinickendorfer Hochhäusern, am Döner für einen Euro, dann an der kleinen Moschee. Dahinter liegt der Campus Gemeinschaftsschule Hannah Höch mit einer Grundschule und einer Sekundarschule. Bis zum Sommer hatte Kiefer als Schulleiter versucht, die Resteschule, wie er sie nennt, attraktiver zu machen, doch zum neuen Schuljahr hat er aufgegeben. Vom Bezirksamt fühlte er sich in seinen Bemühungen ausgebremst, deshalb wechselte er nun an eine Schule in Charlottenburg.

Der Campus Hannah Höch ist für Kiefer eine Paradebeispiel dafür, dass das Ziel der Sekundarschulreform "grandios gescheitert" ist. Weil die Schule keine gymnasiale Oberstufe anbieten kann, sammeln sich hier verstärkt Schüler, die eine weiterführende Bildung nicht wollen oder nicht schaffen würden. Die Schulreform, bei der vor sieben Jahren Haupt- und Realschulen zusammengelegt wurden, sollte eigentlich eine bessere Durchmischung schaffen. "Stattdessen hat sie isolierte, künstliche Milieus produziert", sagt Kiefer. "Sekundarschulen ohne Oberstufe werden zu den neuen Hauptschulen."

Das belegt auch die Begleitstudie zur Schulstrukturreform, die im Frühjahr vorgestellt wurde. "Der Zusammenhang zwischen familiärer Herkunft und Kompetenzerwerb ist unverändert geblieben", schreiben die Autoren vom Deutschen Institut für Pädagogische Forschung (DIPF). Zu der Gruppe der besonders benachteiligten Standorte gehören nach der Reform bis auf wenige Ausnahmen Sekunda...

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