Argentinische Marine gibt Suche nach U-Boot-Besatzung auf

Verschollenes U-Boot "ARA San Juan" 2014

Zwei Wochen nach dem Verschwinden des argentinischen U-Boots "ARA San Juan" mit 44 Besatzungsmitgliedern an Bord hat die Marine die Suche nach möglichen Überlebenden eingestellt. Ziel sei es jetzt nur noch, das Schiff zu finden und nicht mehr, die Crew zu retten, sagte Marine-Sprecher Enrique Balbi am Donnerstag. Ein ranghoher Offizier erklärte, für die Besatzung "San Juan" gebe es "Null Überlebenschance".

Marinesprecher Balbi sagte, er könne nach wie vor nicht eindeutig bestätigen, dass die Besatzung ums Leben gekommen sei. Allen internationalen Rettungsbemühungen zum Trotz sei allerdings in dem riesigen Suchgebiet kein Wrack gefunden worden. Zudem habe die Suche schon doppelt so lange gedauert wie die geschätzte Überlebensdauer in einem U-Boot, das nicht auftauchen könne.

Deutlicher als Balbi äußerte sich ein ranghoher Marineoffizier. Niemand rechne mehr mit Überlebenden, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Wir stecken mitten in einer Tragödie. In der Marine herrschen Fassungslosigkeit und Schmerz. Wir haben 44 Kameraden verloren", fügte er hinzu.

Laut Balbi beginnt nun eine neue Phase bei der Suche nach der "ARA San Juan". Die Marine werde 450 Kilometer vor der Küste Patagoniens weiter nach dem U-Boot suchen. An der Aktion beteiligen sich bislang 28 Rettungsschiffe und neun Flugzeuge aus aller Welt mit insgesamt rund 4000 Einsatzkräften. Die US-Marine kündigte am Donnerstag zudem den Einsatz eines unbemannten Bergungsfahrzeugs an.

Die Angehörigen der Vermissten nahmen die Ankündigung der argentinischen Marine mit unterschiedlichen Gefühlen auf. "Sie haben die letzte Hoffnung weggeworfen, die wir noch hatten", sagte der 46-jährige Luis Tagliapietra, dessen Sohn zur U-Bootbesatzung gehörte. Jorge Villareal, dessen Sohn ebenfalls auf der "ARA San Juan" war, weigerte sich dagegen, die Hoffnung aufzugeben. "Ich bewahre meine Hoffnung und meinen Glauben", sagte Villareal.

Der Kontakt zur "ARA San Juan" und ihrer 44-köpfigen Crew war kurz nach der letzten Funkverbindung am 15. November abgebrochen. In dem Funkspruch hatte das im Südatlantik verschollene U-Boot einen Kurzschluss und ein Feuer gemeldet. Verursacht wurde der Zwischenfall offenbar durch Wasser, das in der stürmischen See durch das Lüftungssystem ins U-Boot eingedrungen war.

Vergangene Woche dann gab die Marine bekannt, dass sich wenige Stunden nach Abbruch des Funkkontakts im Südatlantik eine "Explosion" ereignet habe. Schon damals war klar, dass es kaum noch Hoffnung gab.

Das 65 Meter lange und sieben Meter breite Diesel-Elektro-Boot vom Typ TR-1700 wurde in der Werft Thyssen Nordseewerke in Emden gebaut und lief 1983 vom Stapel. 1985 wurde es von der argentinischen Marine in den Dienst gestellt und zwischen 2008 und 2014 generalüberholt.

Für die argentinische Marine ist der Verlust der "ARA San Juan" nicht nur eine menschliche Tragödie. Seit Ende der Militärdiktatur unterliegen die Streitkräfte einem strikten Sparkurs, ihre Ausrüstung ist oftmals veraltet.

Neben der "San Juan" verfügt die Marine nur noch über zwei U-Boote: Die "Salta", die in ihrer Basis in Mar del Plata vor Anker liegt, sowie die "Santa Cruz", die derzeit allerdings komplett überholt wird.