Regierungen in Lateinamerika verschärfen Maßnahmen gegen Corona-Pandemie

Passantin mit Atemschutzmaske in Buenos Aires

Wegen der Corona-Pandemie verschärfen auch die Regierungen in Lateinamerika ihre Schutzmaßnahmen weiter. Die brasilianische Regierung untersagte am Donnerstag (Ortszeit) die Einreisen aus Europa und mehreren anderen Ländern, in Argentinien gilt seit Freitag eine allgemeine Ausgangssperre. Chiles Parlament beschloss derweil wegen der Corona-Krise eine Verschiebung des für Ende April geplanten Verfassungsreferendums. Peru und Mexiko meldeten ihre ersten Todesfälle durch das Virus und das bitterarme Haiti seine ersten Infektionen.

Von dem Einreiseverbot in Brasilien betroffen sind Bürger der EU, Großbritanniens, Islands, aus Norwegen, der Schweiz, China, Japan, Südkorea, Australien und Malaysia, wie die Regierung am Donnerstag mitteilte. Die Regelung gelte für 30 Tage. Nur wer in Brasilien seinen Wohnsitz hat, dort arbeitet oder familiäre Gründe anführen kann, darf noch einreisen.

Zuvor hatte Brasilien im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus bereits für die kommenden zwei Wochen seine Landesgrenzen geschlossen. Nur die Grenze nach Uruguay wurde zunächst ausgenommen.

Die Regierung des brasilianischen Bundesstaates Rio de Janeiro kündigte an, ab Samstag alle Strände, Restaurants und Bars für zwei Wochen zu schließen. Aus Brasilien wurden bislang 621 Infektionsfälle gemeldet, sechs Menschen starben an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19.

Argentiniens Staatschef Alberto Fernández verhängte wegen der Pandemie eine allgemeine Ausgangssperre, die von Freitag an bis zum 31. März gilt. Bei der Durchsetzung des Ausgangsverbots werde seine Regierung "absolut inflexibel" sein, warnte der Präsident in einer Fernsehansprache. Lediglich Einkäufe nahe der Wohnung blieben erlaubt. Die argentinische Regierung hatte in den vergangenen Tagen bereits die Schulen schließen lassen und den öffentlichen Verkehr eingeschränkt.

In Argentinien gab es bis Donnerstag 128 bestätigte Corona-Infektionen, vier Infizierte starben. Argentinien ist nach Venezuela das zweite südamerikanische Land, das mit einer generellen Ausgangssperre auf die Pandemie reagiert. In Venezuela gilt die Ausgangssperre bereits seit Dienstag. Von dort wurden 36 Corona-Infektionen gemeldet.

In Chile kann wegen der Corona-Krise das für den 26. April geplante Verfassungsreferendum nicht wie geplant stattfinden. Das chilenische Parlament beschloss am Donnerstag mit großer Mehrheit, die Abstimmung auf den 25. Oktober zu verlegen. Die Umsetzung dieses Beschlusses durch ein Dekret von Präsident Sebastián Piñera gilt als Formsache. Der Staatschef hatte am Mittwoch wegen der Pandemie für 90 Tage den Katastrophenfall ausgerufen.

Chile schloss auch seine Grenzen. Versammlungen von mehr als 50 Menschen wurden verboten. Die Osterinsel wurde unter Quarantäne gestellt.

In Chile gibt es inzwischen rund 340 bestätigte Corona-Infektionen, Todesfälle wurden bis Donnerstag nicht bekannt. Peru und Mexiko meldeten am Donnerstag allerdings ihre ersten Corona-Todesfälle. Panama und Kolumbien wollen ab Montag alle internationalen Flüge aussetzen.

Auch das karibische Krisenland Haiti erreichte das Coronavirus inzwischen. Staatschef Jovenel Moïse verkündete in einer Fernsehansprache die ersten zwei Infektionen sowie Schutzmaßnahmen wie die Schließung der Grenzen, eine nächtliche Ausgangssperre und das Verbot von Zusammenkünften von mehr als zehn Menschen. Alle Schulen, Hochschulen und Ausbildungszentren müssen schließen und auch die Fabriken in Haiti sollen ihre Produktion ab sofort ruhen lassen.