Argentinien macht wichtigen Schritt zur Legalisierung von Abtreibungen

Feiernde Abtreibungsbefürworter im Juni in Buenos Aires

Argentiniens Abgeordnetenkammer hat in einer ersten Lesung einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Abtreibungen verabschiedet. Der Entwurf, der eine Abtreibung während der ersten 14 Tage der Schwangerschaft erlaubt, wurde am Donnerstag mit einer knappen Mehrheit von 129 zu 125 Stimmen angenommen. Zuvor hatten die argentinischen Parlamentarier 22 Stunden am Stück über das Gesetz diskutiert. Das Gesetz muss jetzt noch von der zweiten Parlamentskammer abgesegnet werden.

Vor dem Argentinischen Kongresspalast bejubelten tausende Abtreibungsbefürworter das Ergebnis der Abstimmung. Sie hatten, ebenso wie tausende Abtreibungsgegner, über Nacht vor dem Parlamentsgebäude ausgeharrt.

"Das ist die Stunde der Frauenrechte", sagte die Abgeordnete Silvia Lospennato von der Partei Propuesta Republicana (PRO) nach der Abstimmung. Luis Pastori von der Radikalen Bürgerunion (UCR) nannte das Gesetz "absurd und ungerecht", weil es "das Töten menschlicher Wesen" erlaube. Beide Parteien sind Teil des Regierungsbündnisses Cambiemos. Der Fraktionszwang war für die Abstimmung jedoch aufgehoben.

Die Debatte hat die argentinische Gesellschaft gespalten. Die katholische Kirche kämpfte leidenschaftlich gegen die Verabschiedung des Abtreibungsgesetzes. Der argentinische Papst Franziskus schickte einen Brief an die Bischöfe - sie sollten "Leben und Gerechtigkeit" verteidigen.

Die Parlamentarier entschieden sich dennoch mehrheitlich für das Gesetz - wie schon 2010, als Argentinien gegen den heftigen Widerstand der Kirche als erstes Land Lateinamerikas die gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte.