ARD-Doku enthüllt: Deutsche Klinikärzte operieren häufig nur, um zu kassieren

Geldmaschine Rücken-OP: Wenn Ärzte aus Profitgier zum Skalpell greifen. (Bild: dpa)

Wer bisher angenommen hat, dass es im deutschen Gesundheitswesen stets um das Wohl der Patienten geht, der wurde am Montagabend eines Besseren belehrt. Eine Doku in der ARD deckte unglaubliche Machenschaften in unserem Gesundheitssystem auf: Manche Ärzte, so das Fazit, würden nicht aus medizinischer Notwendigkeit, sondern aus reinem Gewinnstreben operieren.

Gleich zu Beginn des Films „Operieren und kassieren – Ein Klinik-Daten-Krimi“ wird der Fall von Karin V. geschildert. Die Frau aus Osthessen litt an chronischen Rückenschmerzen. Weil das Leiden einfach nicht verschwinden wollte, musste sie schließlich operiert werden. Heute, sieben Operationen später, sind die Rückenschmerzen nicht besser, sondern schlimmer geworden. Karin V. gilt heute als schwerbehindert.

Doch wie kann das sein? Wie können sieben OPs zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen? Dieser Frage sind ein Team aus Journalisten des WDR und Computerexperten des Heidelberger Instituts für Theoretische Studien nachgegangen. Mit einer neuen Auswertungsmethode analysierte man die Daten von 130 Millionen Krankenhausaufenthalten aus sieben Jahren.

Hippokratischer Eid? Davon scheinen manche Ärzte noch nie gehört zu haben. (Bild: dpa)

Das Resultat ist erschreckend: In einigen Regionen Deutschlands kommt es zu überdurchschnittlich vielen Rücken-OPs! Besonders in Osthessen, wo auch Karin V. lebt, schert die Statistik aus. Das Rechercheteam konnte anhand der ausgewerteten Daten sogar ganz genau bestimmen, wo es die größten Auffälligkeiten gab: Nirgendwo in Deutschland werden so viele Rücken-OPs durchgeführt wie in Fulda und Umgebung.

Damit liegt der Verdacht nahe: Einige Ärzte operieren aus reiner Profitgier. Denn das statistische Material verriet den Rechercheuren, dass es in Osthessen faktisch nicht mehr Patienten mit Rückenschmerzen gibt als im Rest Deutschlands. Auch Faktoren wie Alter, Gesundheit und die Bereitschaft, sich operieren zu lassen, wurden berücksichtigt.

Im Laufe der Recherche zeigte sich: In Osthessen wird bei Rückenleiden besonders oft die Diagnose Spondylolyse gestellt. Dabei handelt es sich um eine Versteifung der Wirbelkörper. Und eine Behandlung dieser Krankheit ist für Kliniken besonders lukrativ! Besonders jene Kliniken, die hohe Verluste einfahren, verordnen deshalb auch statistisch gesehen öfter Rücken-OPs – die gesundheitlich allerdings nicht nötig wären.

Auch darüber hinaus, bei Hüft- oder Herzleiden, gibt es regionale Unterschiede. In manchen Gegenden wird besonders oft operiert, während in anderen nicht so oft zum Messer gegriffen wird. Das Fazit der Doku: „Oft geht es bei Operationen um Geld, nicht um Gesundheit. Die Gewinner sind geschäftstüchtige Kliniken und Ärzte. Die Verlierer die Patienten.“