Arbeitsmarkt: So funktioniert Integration in der „Gummistiefel-Welt“

Diese Geschichte handelt von einer erfolgreichen Integration.

Achter Stock, ein Plattenbau im thüringischen Nordhausen. Ein Zimmer, Küchenzeile, Bad, Balkon. Hier lebt Michael Teclom Asmelash aus Eritrea. Lässig lässt er seine Füße von einem Barhocker herunterbaumeln; den Hocker hat er sich von seinem ersten Gehalt als Lehrling gekauft. Der 22-Jährige wird Kfz-Mechatroniker.

Er trägt ein Trikot von Borussia Dortmund und zeigt stolz ein Foto von sich und zwei deutschen Kumpels aus seiner eigenen Fußballmannschaft, der Truppe des SSV Blau-Weiß Wollersleben. Die drei haben ihre Arme umeinander gelegt. „Das sind meine Freunde“, sagt Michael Teclom Asmelash.

Diese Geschichte handelt von einer erfolgreichen Integration. Und es ist nicht die Geschichte des jungen Eritreers allein. Es ist auch die Geschichte des Unternehmers Helmut Peter, der auf sein Bauchgefühl gehört hat.

Helmut Peter ist Besitzer einer Autohauskette mit mehr als 20 Filialen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Vor knapp zwei Jahren sprach Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf einem CDU-Oktoberfest in einem von Peters Autohäusern. Es gebe zu viele Menschen, die über Integration nur redeten, aber nichts dafür täten, sagte Altmaier. Helmut Peter rief, wie er es im Nachhinein selbst beschreibt, „aus dem Bauch heraus“ Altmaier diese Sätze zu: Man solle seinem Unternehmen doch Flüchtlinge schicken. Er werde schon Facharbeiter aus ihnen machen.

„Wir schaffen das“

Zwei Jahre ist das her. Und vor eineinhalb Jahre haben Teclom Asmelash und andere erst ein Praktikum und dann eine Lehre im Autohaus Peter begonnen. Heute sagt der Firmenchef: „Ich habe das aus Überzeugung getan, weil ich selber 1989 vor einem Systemwechsel stand und nicht wusste, wie es weitergeht.“ Er würde immer wieder helfen, er würde es wieder tun.

Helmut Peter, 59, hat sich tief in seinen Stuhl im Besprechungszimmer in der Firmenzentrale in Nordhausen sinken lassen. Er legt die Hände erst auf seinen rundlichen Bauch, verschränkt sie dann hinter seinem Kopf. Peters Augen sind nicht gerade weit geöffnet an diesem Tag. „Ich bin aber auch ziemlich ernüchtert“, sagt er.

Was ist geschehen? Warum blickt er so drein, als täte ihm heute sein Bauch weh, aus dem heraus er entschieden hat, die Unternehmenstüren für Flüchtlinge zu öffnen?

Ein Blick zurück in das Jahr 2015, das Jahr des Flüchtlingszugs nach Deutschland. Da ist Helmut Peter in Nordhausen, der wie Kanzlerin Angela Merkel das Projekt Flüchtlingsintegration startet mit der Maßgabe: „Wir schaffen das.“ Doch so, wie die deutsche Willkommenskultur nur von einem Teil der Bevölkerung getragen wurde, gab es auch in Peters Betrieb und in Nordhausen Bedenken und Widerstand.

Die Idee durchzusetzen hat Helmut Peter viel Kraft gekostet

Zahlreiche Mitarbeiter, unter ihnen viele Meister, waren gegen das Projekt. Auch in der Stadt habe es Kritik gehagelt, erinnert sich der Firmenchef. „Der Peter will sich doch nur aufspielen. Der lockt die auch noch alle hierher“, sagt einem auch heute noch manch ein Passant auf der Straße, wenn man ihn nach dem Projekt des Unternehmers fragt.

Seine Idee gegen Teile der eigenen Belegschaft durchzusetzen, das hat Helmut Peter viel Kraft gekostet. Er hätte mehr staatliche Hilfe gebrauchen können, sagt er. Zwar hat er etwas finanzielle Unterstützung erhalten, doch die habe nicht weit gereicht. Darum geht es ihm aber nicht wirklich.

Am Ende nennt Peter einen ganz anderen Grund für seine Ernüchterung. 15 Flüchtlinge, darunter Syrer, Iraker und Eritreer, hätten bei ihm im Unternehmen angefangen, sagt Peter. Jetzt, zu Beginn des zweiten Lehrjahres, seien nur noch neun dabei. Die anderen hätten die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abgebrochen – aus freien Stücken.

„Die Realität hat uns eingeholt“,...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung