Als ich arbeitslos war, half ich Menschen, Tabellen am Rechner zu erstellen – jetzt verdiene ich damit über 30.000 Dollar im Jahr

Chris Stokel-Walker
·Lesedauer: 5 Min.
Andrew Kamphey startete Better Sheets im April 2020.
Andrew Kamphey startete Better Sheets im April 2020.

Nachdem ich 2008 mein Theaterstudium abgeschlossen hatte, arbeitete ich auf Kreuzfahrtschiffen. Meine Aufgabe war es unter anderem, Informationen aus allen Abteilungen des Schiffes zu sammeln und sie dann an die 4.000 Passagiere zu senden.

Ich nahm diesen komplizierten Arbeitsablauf und die Excel-Dokumente und benutzte Excel VBA — Visual Basic for Applications, mit dem man automatisierte Skripte zur Bearbeitung von Tabellenkalkulationen programmieren kann —, um die Informationen automatisch aus den einzelnen Tabellen zu holen. Es war ein sechsmonatiger Prozess, bei dem ich das Programmieren lernte.

Nachdem ich im April 2013 die Kreuzfahrtschiffe verlassen hatte, zog ich nach Los Angeles und richtete einen YouTube-Kanal ein. Ich dachte: „Ich möchte eine Karriere in Film und Fernsehen machen, aber mein Backup-Plan ist, in irgendeiner Form auf YouTube zu arbeiten.“

Tabellenkalkulationen fürs Influencer-Marketing

Zunächst bekam ich aber einen Job bei The QYou, einer Agentur für Influencer-Marketing. Sie nutzte Google Tabellen, um die Kontaktdaten von Hunderten von Künstlern und Youtubern zu verwalten, mit denen sie sprechen wollten. Innerhalb von zwei Wochen erstellte ich in einer Google Tabelle den Prototypen eines Tools für das Kundenbeziehungsmanagement (CRM), das genau das tat, was die Agentur brauchte.

Das bedeutete, dass sie keine Software von der Stange kaufen mussten, die Hunderte von Dollar pro Monat kostet. Ich führte Influencer-Kampagnen durch. Wir lizenzierten 2.500 Content-Ersteller, aber wir erreichten 10.000, nachdem wir sie in Google Tabellen gefunden hatten. Sobald wir die Lizenz für die Nutzung erhalten hatten, haben wir all ihre Videos von YouTube geholt und sie in Google Tabellen eingefügt. Dann haben wir um die Influencer herum TV-Shows geplant.

Im Laufe von vier bis fünf Jahren habe ich dieses benutzerdefinierte CRM-Tool erstellt, das eine Vorlage für die TV-Produktion enthielt. Wir arbeiteten an einer sechsstelligen Kampagne für „Kung Fu Panda 3“. In einem Google Sheet erstellte ich innerhalb von ein oder zwei Wochen das Modell dafür, was wir Influencern zahlen sollten. Ich habe im Dezember 2018 aufgehört. Drei Jahre lang habe ich dann einen Newsletter, Influence Weekly, betrieben, bei dem alles in einer Google Tabelle stand. Als mir jemand diesen Newsletter abkaufte, sammelte ich all diese Informationen in Google Tabellen, damit er sie leicht nutzen kann.

Im April 2020, als die Pandemie begann, hatte ich keine direkte Arbeit

Ich sagte, ich würde mir 24 Stunden geben, um etwas zu starten. Ich wusste: Wenn alle monatelang zu Hause sein und von zu Hause aus arbeiten würden, würden sie schließlich mit irgendwelchen Nebenjobs anfangen. In 24 Stunden habe ich acht Videos darüber gemacht, wie ihr eure Google Tabellen verbessern könnt — und damit mein Unternehmen Better Sheets ins Leben gerufen.

Ich nahm mir vor, 100 Videos zu machen. Ich habe an einem Freitag begonnen, mein Projekt am Samstag gelauncht und der erste Käufer des Produkts schlug am Montag zu. Innerhalb von 24 Stunden schwärmte er davon. Er schickte mir ein Vorher-Nachher-Foto. Ich habe dann gleich noch ein paar weitere Videos gemacht, basierend auf dem, was er brauchte. Ich war so begeistert, dass es funktionierte. Es war magisch.

Am Ende des Monats, nach sieben Verkäufen, dachte ich, dass dies ein wirklich schöner Nebenerwerb sein würde. Wenn ich sieben Verkäufe im Monat machen könnte, wäre ich glücklich. Ich dachte, die Software-as-a-Service-Firma, an der ich vor der Pandemie gearbeitet hatte, würde es schaffen — tat sie aber nicht. Also habe ich jeden Tag bei Better Sheets weitergemacht. Ich gehörte zu den 700 Personen, die sich darum bewarben, bei AppSumo — einem Online-Marktplatz — aufgenommen zu werden. Und es hat geklappt. Auf AppSumo habe ich 1.991 von insgesamt 2.000 Verkäufen gemacht.

Better Sheets bietet ein lebenslanges Angebot. Ich hatte einen großartigen Artikel über die Preisgestaltung in einer Rezession gelesen, der besagte, dass man Sicherheit bieten muss, wenn es Unsicherheit in der Welt gibt. Abonnements sind nicht sicher. Einen einmaligen Kaufpreis zu verlangen allerdings schon. Der Kunde weiß dann, dass er nie wieder Geld ausgeben muss. Ich fing mit 20 Dollar an und im Februar habe ich auf 50 Dollar erhöht.

Ich hätte nie gedacht, dass mein Spreadsheet-Geschäft nachhaltig sein würde

Die Leute bekommen Zugang zu all meinen Video-Tutorials darüber, wie man bessere Google Tabellen erstellt. Sie können mir außerdem ihre Fragen zukommen lassen, die ich dann in neuen Videos beantworte. Gegen Ende des Jahres 2020 verdiente ich im Durchschnitt 3.000 Dollar pro Monat. Seit letztem April habe ich 37.800 Dollar mit Verkäufen auf AppSumo gemacht. Nach Abzug der Provision blieben mir dabei 34.116,50 Dollar. Better Sheets zeigt Menschen, dass sie Geld verdienen können, wenn sie eine Tabelle erstellen, die ihr Geschäft besser macht, und sie verkaufen.

Im August habe ich angefangen, „100 Twitter-Vorlagen“ zu verkaufen — 100 vorformulierte Formate von Tweets. Das hat 545 Dollar Umsatz gemacht.Es gibt eine weitere Tabelle, Better Letters, eine Kopie der Kommandozentrale, von der aus ich den Newsletter Influence Weekly betrieben habe (eine Kommandozentrale organisiert die Inhalte und Abonnements). Allerdings habe ich noch einen Haufen toller Sachen hinzugefügt. Das hat mir im letzten Jahr fast 1.000 Dollar eingebracht.

Ich wusste nicht, dass es so viele Fragen geben würde, die man nicht googeln kann und auf die ich eine Antwort habe. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Ich bin einfach jeden Tag da und beantworte Fragen. Die Leute mailen mir eine Frage und ich antworte mit einem Loom-Video. Dieses Loom-Video wird zu einem der Videos, die allen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Jedes Mal, wenn sich jemand anmeldet und Fragen stellt, hilft es, das Geschäft zu vergrößern.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.