Arbeitsagenturen rechnen mit stark steigender Arbeitslosigkeit

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Der Arbeitsmarkt steht in der Corona-Krise vor großen Turbulenzen: Das Arbeitsmarktbarometer des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist im April im Vergleich zum Vormonat um 6,8 Punkte abgestürzt, teilte das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit.

"Der Rückgang ist beispiellos." Mit nur noch 93,5 Punkten sei der niedrigste Wert erreicht, der für den Frühindikator des deutschen Arbeitsmarkts jemals gemessen wurde. Die Bundesagentur für Arbeit wird an diesem Donnerstag ihre April-Statistik bekanntgeben - erstmals fließen damit Corona-Effekte in die offizielle Arbeitsmarktstatistik ein.

Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers verlor im April gegenüber dem Vormonat 8,0 Punkte und steht nun bei 94,5 Punkten. Ein Wert von unter 100 signalisiere einen Beschäftigungsrückgang. "Zehn Jahre lang ging es mit der Beschäftigung in Deutschland steil bergauf. Dieser Trend wurde jetzt abrupt unterbrochen", sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereiches Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen.

Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit sank im April gegenüber dem Vormonat - von einem ohnehin deutlich niedrigeren Niveau ausgehend - um 5,7 Punkte und liegt jetzt bei einem Wert von 92,4. "Kurzarbeit wird zwar viele Jobs retten, aber dennoch erwarten die Arbeitsagenturen in den nächsten Monaten eine stark steigende Arbeitslosigkeit", sagte Weber.

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit dem November 2008 bestehender Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Eine Komponente prognostiziert die Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate, die zweite Komponente die Beschäftigungsentwicklung im gleichen Zeitraum. Der Mittelwert aus beiden ergibt den Gesamtwert für das Arbeitsmarktbarometer. Die Skala reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).