Nur wenn ein Forderungskatalog der Arbeitnehmer bei Continental erfüllt wird, soll es eine Zustimmung zum Umbau geben.

Nur wenn ein Forderungskatalog der Arbeitnehmer bei Continental erfüllt wird, soll es eine Zustimmung zum Umbau geben.


Gewerkschaften und Betriebsräte von Continental werden einem Umbau des Zulieferkonzerns nur dann zustimmen, wenn zuvor konkrete Forderungen vom Unternehmen erfüllt werden. Dabei steht an erster Stelle eine langfristige Beschäftigungssicherung, die in einem „Zukunfts-Tarifvertrag“ festgeschrieben werden müsse. Das geht aus einem Informationsschreiben der Arbeitnehmervertretung an die Conti-Belegschaft hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Bei Continental sind mit der IG Metall und der IG BCE gleich zwei große Gewerkschaften vertreten.

Anfang Januar waren Pläne bekannt geworden, wonach der Vorstand des Automobilzulieferers aus Hannover über eine neue Unternehmensstruktur nachdenkt. Ausgangspunkt sind die beiden Megatrends in der Automobilindustrie, Digitalisierung und Elektromobilität. Andere Zulieferer wie etwa der Conti-Konkurrent Delphi aus den USA haben sich bereits aufgespalten – in einen Teil mit dem Zukunftsgeschäft und in einen Teil mit dem bislang üblichen Geschäft mit Verbrennungsmotoren. Bei Continental kommt immer auch eine weitere Überlegung dazu: Das Unternehmen besteht aus zwei Sparten, dem Gummi-Geschäft mit den Reifen und dem Autozuliefergeschäft. Conti könnte die renditestarke Reifensparte an die Börse bringen und damit viel Geld in die Kasse holen.

Außer der Beschäftigungssicherung verlangen die Arbeitnehmer, dass die Tarifverträge auch nach einem Umbau des Continental-Konzerns langfristig ihre Gültigkeit behalten müssten. Das müsse genauso für neue Unternehmen gelten, die möglicherweise im Zuge einer Neuausrichtung zusätzlich gegründet werden. Alle neuen und alten Conti-Gesellschaften sollten ihren rechtlichen Sitz auf jeden Fall in Deutschland behalten. Alle Betriebsvereinbarungen müssten weiterhin gültig sein, Abstriche an der Alterssicherung dürfe es nicht geben.


„Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sehen die gesamten Planungen skeptisch“, heißt es in der Mitarbeiterinformation. Möglicherweise muss sich der Vorstand deshalb auf Widerstand von Seiten der Gewerkschaften einstellen, sollte es zu einschneidenden Veränderungen kommen. Die Arbeitnehmerseite müsse auf jeden Fall „umfassend über die Planungen des Vorstandes informiert werden“. Zu Beginn der Woche hatte es auf Drängen der Arbeitnehmer bereits eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung gegeben. Betriebsrat und Gewerkschaften wollten über die Umbaupläne informiert werden. Der Vorstand hatte sich zuvor die Kritik anhören müssen, das Unternehmen mit seinem Vorhaben überrascht und zu spät informiert zu haben.

Bislang sind wenig Details über eine mögliche Umstrukturierung von Continental durchgesickert. Der Vorstand betont immer wieder, dass es bislang keine Beschlüsse und nur grobe Überlegungen gebe. Trotzdem sprechen die Gewerkschaften schon jetzt davon, dass die Umbaupläne erhebliche Veränderungen für die Beschäftigten mit sich bringen könnten. „Für diesen Fall müssen wir uns gut vorbereiten“, heißt es im Informationspapier der Gewerkschaften.

In Hannover ist völlig offen, wann es zu einer Entscheidung über einen möglichen Konzernumbau kommen könnte. Der Vorstand könnte versuchen, bis zur Hauptversammlung Ende April zu einem Beschluss zu kommen. In der nächsten Aufsichtsratssitzung wollen die Arbeitnehmervertreter das Thema Umbau auf jeden Fall wieder ansprechen. Finanzchef Wolfgang Schäfer hatte im Handelsblatt-Gespräch im Januar gesagt, dass die Öffentlichkeit im kommenden halben Jahr mit Neuigkeiten rechnen könne.

Am Dienstag nach der Sitzung des Aufsichtsrates hatte es in Konzernkreisen geheißen, dass der Continental-Vorstand vor allem über eine Neuausrichtung des Bereichs Powertrain (Antriebstechnik) nachdenke. Conti könnte eine neue Tochter gründen, in der ausschließlich das Geschäft für klassische Verbrennungsmotoren gebündelt wird. Elektroantriebe könnten dann mit anderen Zukunftsbereichen wie Digitalisierung und dem autonomen Fahren zusammengefasst werden. Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass Continental Unternehmensteile verkaufen wird.


Der Automobilkonzern aus Hannover denkt nicht zum ersten Mal über eine neue Struktur nach. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Gespräche mit dem US-Zulieferkonzern Delphi über eine Fusion der Powertrain-Bereiche beider Unternehmen gegeben. Conti hatte sich jedoch zunächst dafür entschieden, die Sparte im eigenen Haus zu behalten. Nachdem der US-Konzern keinen Partner ausfindig machen konnte, entschloss sich Delphi für die eigene Aufspaltung.

Seit Dezember notieren zwei Delphi-Nachfolgeunternehmen an der New Yorker Börse: In Aptiv sind alle Zukunftstechnologien für die Automobilbranche gebündelt, Delphi Tech kümmert sich hingegen ausschließlich um Antriebstechnik. Andere Zulieferer wie Autoliv gehen einen ähnlichen Weg und trennen ihre Technologie-Sparten vom althergebrachten Geschäft.