Ich arbeite jedes Jahr für einen Monat von einem anderen Kontinent aus und bin oft bis zwei Uhr morgens wach – warum es das wert ist

Sergi Benet und Andrea Gimeno in Bali.
Sergi Benet und Andrea Gimeno in Bali.

Meine Partnerin Andrea Gimeno und ich hatten immer denselben Wunsch, wenn wir in den Urlaub fuhren: Wir wollten mehr sein als nur Touristen.

Wir waren der Meinung, dass man wie ein Einheimischer arbeiten und leben muss, um einen Ort wirklich kennenzulernen. Wir haben diesen Gedanken jahrelang beiseite geschoben, bis wir Ende 2019 einen Weg fanden, unseren Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Da wir zu der Zeit einige berufliche und familiäre Krisen durchlebt hatten, war der Wunsch nach einem Tapetenwechsel und einer Flucht aus dem Alltag groß. Da wir beide Unternehmer sind, konnten wir jedoch nicht einfach kurzfristig Urlaub nehmen.

Wir entschieden uns daher für einen Kompromiss: Wir würden anderthalb Monate außerhalb Europas leben und arbeiten. Auf diese Weise würden wir ein neues Land kennenlernen, unsere Kunden und Lieferanten würden nicht einmal merken, dass wir Spanien verlassen hätten, und wir könnten reisen, ohne einen einzigen Urlaubstag nehmen zu müssen.

Wir haben die Erfahrung so sehr genossen, dass wir sie ab da immer wieder machen wollten.

Unser erstes Ziel war Chiang Mai, Thailand

In der nördlichen Bergregion gelegen, ist Chiang Mai die zweitgrößte Stadt des Landes.

Sie schien wie das ideale Ziel für uns, da es eine große Anzahl von Cafés mit WiFi-Verbindung gab. Dadurch könnten wir problemlos von unterwegs aus arbeiten, so dachten wir.

Doch wir täuschten uns. Die Cafés waren allesamt überfüllt, was Remote-Arbeiten besonders erschwerte. In einem Coworking Space hingegen hat man immer eine halbwegs stabile Internetverbindung sowie ruhige Plätze, um mit Partnern, Investoren oder Kunden zu telefonieren.

Abgesehen von diesem kleinen Anfängerfehler, haben uns unsere eineinhalb Monate in Chiang Mai eine Welt voller Möglichkeiten eröffnet.

Dabei unterschied sich unsere tägliche Routine nicht wesentlich von unserem Alltag in Spanien. Wir versuchten, ziemlich früh aufzustehen, meist so gegen acht oder neun Uhr. Danach verbrachten wir etwas Zeit im Fitnessstudio oder gingen spazieren.

Unser Arbeitstag begann vorwiegend um die Mittagszeit. Dadurch waren wir näher an den spanischen Arbeitszeiten unserer Partner und Kunden. Beinahe jeden Tag arbeiteten wir bis weit nach Mitternacht.

Wir haben auch versucht, unsere Routine mit den üblichen Arbeitszeiten in Chiang Mai in Einklang zu bringen. Die einzige Freizeit hatten wir an Wochenenden, an denen wir nahegelegene Städte besuchten oder auf eine Insel flohen.

Anfang 2020 sind wir nach Spanien zurückgekehrt. Daraufhin standen unsere Reisepläne aufgrund der Pandemie erst einmal still. Doch je mehr Monate vergingen, desto mehr dachten wir über unsere Erlebnisse in Chiang Mai nach und desto mehr wollten wir wieder weg.

Für unsere nächste Reise haben wir uns Bali ausgesucht, eine Insel in Indonesien mit guter Internetverbindung und vielen Coworking Spaces

Wenn es an einem Ort viele Coworking Spaces gibt, kann man leichter den Arbeitsplatz wechseln – zum Beispiel, wenn die Klimaanlage ausfällt.

Unsere Routine war der in Chiang Mai sehr ähnlich: Wir sind früh aufgestanden, um morgens etwas Freizeit zu haben, arbeiteten bis spät in die Nacht hinein und sparten uns längere Ausflüge fürs Wochenende auf.

Das ist eine anstrengende Routine, aber sie half uns dabei, den Ort besser kennenzulernen, als es in einem Touristenurlaub jemals möglich gewesen wäre. Außerdem konnten wir weiterhin unserer Arbeit nachgehen.

Die Erfahrung wird jedoch nicht jedermanns Sache sein. Ihr müsst diszipliniert sein und eine gewisse Routine befolgen können. Obendrein ist es wichtig, dass ihr früh morgens aus dem Bett kommt und euch jeden Tag zur Arbeit motivieren könnt. Andernfalls kommt diese Art des Arbeitens für euch wahrscheinlich nicht infrage.

Ihr solltet euch auch daran gewöhnen, unter extrem heißen und schwülen Bedingungen zu arbeiten, und interessiert daran sein, jeden Winkel und jede Ecke eines Ortes zu entdecken.

Für unsere Reise nach Bali haben meine Partnerin und ich ein monatliches Budget von etwa 1500 Euro festgelegt, das Unterkunft und Verpflegung beinhaltete. Die Flüge kosteten uns jeweils etwa 700 Euro.

Um dieses Budget einzuhalten, solltet ihr euch stets an die lokale Kultur anpassen – insbesondere, wenn es ums Essen geht.

In Bali ist es oftmals günstiger, essen zu gehen als zu kochen

Wenn wir also an einem Tag etwas zu viel ausgaben, versuchten wir am nächsten Tag, dies zu kompensieren, indem wir in einem der örtlichen Lokale aßen. Oft kostete das Essen im Restaurant für uns beide nicht mehr als zehn Euro.

Ein Nachteil sind die langen Arbeitszeiten.

Als Mitbegründer einer Finanzbildungsplattform genieße ich das Vertrauen meiner Geschäftspartner und Investoren. Allerdings befinde ich mich nun mal auf einer tropischen Insel, was ich vor den Partnern kaum verbergen kann.

Um zu zeigen, dass mein Engagement für Projekte immer noch dasselbe ist wie zuhause, arbeite ich sogar noch mehr Stunden als in Spanien. Oft bis weit nach zwei Uhr morgens.

Dennoch versichere ich euch: Es zahlt sich aus. Sogar so sehr, dass meine Partnerin und ich bereits unsere nächste Reise planen.

Im Moment haben wir Argentinien im Visier. Das Land hat eine wachsende Zahl digitaler Nomaden und Arbeitsplätze. Und der Lebensstandard der Personen, die in Euro bezahlt werden, bleibt mehr oder weniger stabil.

Dies ist eine bearbeitete, übersetzte Version eines As-told-to-Essays, das ursprünglich am 21. Mai 2022 erschien. Es basiert auf einem transkribierten Gespräch mit Sergi Benet.

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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