Apple TV 4K Hands-On

Sascha Koesch
(engadget)


Ab morgen steht das neue Apple TV mit 4K nun endlich in den Läden, nachdem man schon Jahre darauf gewartet hatte. Allerdings könnte das mit der Verfügbarkeit etwas problematischer werden, denn die Apple Webseite in Deutschland gibt noch eine Lieferzeit von 2-3 Wochen an, andere Shops gar 16. Dennoch stößt Apple nun endlich auch in das moderne Zeitalter von 4K und HDR vor, auf dem sich bislang diverse andere Hersteller mit ihren Streamingboxen ohne die Konkurrenz des Giganten tummeln durften.

Und das tut Apple mit zumindest einem Alleinstellungsmerkmal jenseits der schlichtweg runden Apple-Infrastruktur: das Ding ist mit seinem Fusion A10x Chip einfach das schnellste unter allen Boxen, die man so zum Zusatzfernsehkonsum unter den Fernseher stellen kann.

Visuell hat sich wenig geändert. Die Box bekommt eine kleine Erhöhung zur besseren Lüftung, der USB-C Anschluss (den man eh nicht sonderlich sinnvoll nutzen konnte) verschwindet und die Fernbedienung bekommt auf dem Menu-Knopf einen weißen Ring. Die Konfiguration ist denkbar einfach über ein iPhone realisiert, allerdings hat man immer noch keine Lösung dafür entwickelt, sich auch in anderen Apps ohne Wurstelei durch die Texteingabe für Passwörter anzumelden.

Die guten Nachrichten zuerst: es gibt 4K Inhalte. Filme im App-Store, die man gekauft hatte, werden, soweit verfügbar auch automatisch und ohne Zusatzkosten upgegraded. Und HDR (sowohl HDR+ als auch Dolby Vision) läuft auch ohne Probleme. Jenseits dieser Filme wird es aber schon dünn, sofern man nicht selbst ein enthusiastischer 4K HDR Filmer ist, denn neben Netflix unterstützt derzeit noch keine weitere App diese Pixeltsunamis. Das Bild wird natürlich entschieden dynamischer, wenn man HDR nutzt, aber hier beginnen auch schon die ersten Probleme.

Tatsächlich schickt Apple TV grundsätzlich alles in dem bestmöglichen Format an das Fernsehen, das dieses versteht bestimmt aber erst mal selbst, was es für "bestmöglich" hält. Wobei es scheinbar eine hohe Rate (60Hz) über eventuelle Bildqualitäten (Dolby Vision) bevorzugt. Und das automatische Upscaling wird auch nicht etwa dem Fernseher überlassen, sondern vom Apple eigenen Chip übernommen, so dass es gelegentlich zu etwas merkwürdigen visuellen Erlebnissen führen kann, bis man dann die passende Einstellung gefunden hat.

Audio war bei Apple nicht die größte Präferenz, denn obwohl das neue Apple TV Dolby 7.1 versteht, bleibt Atmos aussen vor. Hier, wie bei der Verfügbarkeit von Amazon Prime Video, anderen 4K Videostreaming-Services (inklusive YouTube), so wie Film-Konsortien wie Disney und Marvel die sich wohl noch weigern Apple 4K Files zu liefern, bleibt man auf die Zukunft vertröstet. Immerhin aber hat es Bluetooth 5.

Ein weiteres Manko bleibt die Tatsache, dass Siri auf dem Apple TV nur halb so funktional ist wie man es gewöhnt ist und obendrein stumm bleibt.

Dafür aber kann man davon ausgehen, dass das 4K Apple TV dank seines mächtigen Chips ziemlich zukunftssicher sein dürfte. Wenn Apple die Entwickler und Filmlieferanten auf Reihe bekommt, dann dürfte man sehr lange daran seine Freude haben. Vielleicht schaffen sie es ja auch noch die Game-Entwickler zu etwas breiterer Unterstützung des Apple TV zu bewegen, denn prinzipiell könnte das jetzt wirklich eine recht fähige Gaming-Konsole werden.

Ob man nun wirklich ein Apple TV 4K braucht wird davon abhängen, wie man seinen Medienkonsum organisiert hat. Wer viele Videos bei Apple kauft, wird sicher seine Freude daran haben, zumal 4K Videos hier billiger sind als woanders. Eine weitere Hoffnung dürfte sein, dass Apple selbst extrem in eigene Inhalte investieren will, die dann vermutlich hier exklusiv sein werden. Wer allerdings auf mehr Fernseh-Inhalte hofft (Sport, direkte Fernsehkanäle etc.), der dürfte auf viele Inhalte noch lange warten, denn selbst in den USA ist Apple noch mitten in den Verhandlungen und für vieles gibt es ja auf diversen Smart TVs dann doch zum Glück längst eigene Apps.