Apple stellt neue Software für iPhones, iPads und Macs vor: Das sind die wichtigsten Neuerungen

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Apple setzt im Konkurrenzkampf um Nutzer von Smartphones und Computern auf Datenschutz und smarte Funktionen. Die am Montag angekündigte neue iPhone-Software soll einige Verbesserungen bringen und zugleich den Schutz der Privatsphäre stärken. Die neuen Betriebssysteme macht Apple traditionell im Herbst verfügbar. Die Funktionen werden aber bereits jetzt vorgestellt, damit Entwickler sie rechtzeitig in ihre Apps integrieren können. Das sind die größten Änderungen.

Filme mit Freunden schauen

Facetime bekam in der Präsentation zum Auftakt von Apples Entwicklerkonferenz WWDC am Montag ein weitreichendes Update. So wird man mit Hilfe der App künftig gemeinsam Musik hören und Video ansehen können, ohne den Chat zu unterbrechen. Die Funktion wird unter anderem für den Streaming-Dienst Disney+, aber auch für die Video-App Tiktok verfügbar sein. Man kann zum Beispiel gemeinsam mit Freunden, die an unterschiedlichen Orten sind, dieselbe Sendung über die Fernsehbox Apple TV auf dem Fernseher anschauen und sich über das Geschehen austauschen.

Apple bessert Facetime auch mit der Funktion "Spatial Audio" auf. Diese soll Hintergrundgeräusche rausfiltern, damit die eigene Stimme klarer rüberkommt. Ausserdem sollen angerufene Freunde oder Familie so klingen, als würden sie sich im selben Raum befinden. Außerdem soll es einen Porträt-Modus mit verschwommenem Hintergrund geben.

Neues Design für das Versenden von Fotos und Benachrichtigungen

Die neue Software verfügt über ein neues Collagen-Design, wenn man mehrere Fotos in einem Gruppenchat senden will. Eine weitere Neuheit ist eine Funktion, die in der App "Apple News" Artikel anzeigt, die Kontakte mit den Nutzern geteilt haben. Einen ähnlichen Ordner soll es für Bilder, die in Chats geteilt wurden, in der Foto-App geben. Push-Meldungen bekommen ebenfalls ein neues Design - mit Fotos beispielsweise von Kontakten. Ausserdem führt eine Übersicht ein, die die gesammelten Benachrichtigungen gruppiert.

Ein Screenshot des neuen Designs.
Ein Screenshot des neuen Designs.

Arbeitsmodus und Privatmodus

Eine weitere Funktion soll dabei helfen, sich besser zu fokussieren und alles auszublenden, was gerade für eine bestimmte Aufgabe unwichtig ist. Ist das Smartphone auf den Arbeitsmodus gestellt, erhält der Nutzer nur eine Benachrichtigung, wenn er zum Beispiel eine E-mail bekommt. Ist der persönliche Modus aktiviert bekommt er auch Benachrichtigungen, wenn zum Beispiel Freunde anrufen.

Texte aus Fotos auslesen

Die neue Software soll Text in Fotos auslesen können. Der Nutzer kann einen Text in einem Bild markieren, ihn anderer Stelle speichern und beispielsweise auch für die Suche im Internet verwenden. Das Tool funktioniert nicht nur bei Text, sondern unter anderem auch bei Wahrzeichen, wie der Golden Gate Bridge.

Dienste werden auch für Nutzer anderer Technik zugänglich

Zwei Dienste, die bisher nur auf Apple-Geräten verfügbar waren, auch für Nutzer von Technik anderer Anbieter zugänglich. Zum einen werden Hersteller von Hausgeräten die Sprachassistentin Siri integrieren können. Diesen Weg gehen bereits Amazon mit der Assistenzsoftware Alexa und Google mit seinem Assistant. Zum anderen werden sich Nutzer von Android-Smartphones und Windows-Computern künftig auch in Facetime-Videochats einwählen können. Dafür wird man Nutzer in einen Facetime-Chat auch über einen Link einladen können — so wie es etwa beim Videokonferenzdienst Zoom üblich ist.

Siri braucht kein Internet mehr

Siri kann für die Spracherkennung künftig ohne Internet-Verbindung auskommen. Bisher wurden die Aufnahmen dafür zur Verarbeitung an die Apple-Server und wieder zurück geschickt. Die Erkennung direkt auf dem Gerät steigert zum einen die Datensicherheit, macht die Software zum anderen auch schneller. Wenn Anwender aktiv zustimmen, werden aber mit Siri auch in Zukunft anonymisierte Daten in die Apple-Cloud gesendet, damit der Dienst mit maschinellem Lernen weiter verbessert werden kann. Zu weiteren Datenschutz-Funktionen gehört das Blockieren von Nachverfolgungs-Pixeln in E-Mails. Auf diese Technologie greifen etwa Absender von Werbung zurück, um zu erfahren, ob und wo eine E-Mail geöffnet wurde.

Besserer Datenschutz

Außerdem sichert Apple für Kunden seiner Abo-Dienste künftig die Datenübertragung mit zusätzlicher Verschlüsselung ab. Die Funktion "Private Relay" ist Teil eines neuen Abos iCloud+ und soll besser als herkömmliche VPN-Dienste die übertragenen Daten abschirmen. Im Gegensatz zu einem klassischen VPN-Dienst («Virtual Private Network») können die Kunden aber keinen virtuellen Standort auswählen, um zum Beispiel von Deutschland aus Streaming-Inhalte anschauen zu können, die eigentlich Zuschauern in den USA vorbehalten sind.

Neue Gesundheitsfunktionen

Immer weiter ausgebaut werden die Gesundheitsfunktionen der Apple-Geräte. So werden das iPhone und die Apple Watch künftig den Gang eines Nutzers analysieren können, um ihn vor einem erhöhten Fallrisiko zu warnen. In den USA kooperiert Apple mit medizinischen Einrichtungen, damit die Gesundheits-Anwendung "Health" aktuelle Laborergebnisse direkt in der App anzeigen und interpretieren kann.

Bessere Verzahnung der Geräte

In einer aufsehenerregenden Neuerung lässt Apple nebeneinander positionierte Mac-Computer und iPad-Tablets mit Maus und Tastatur bedienen als wäre es ein Gerät, ohne sie dafür speziell verbinden zu müssen. Der Konzern nennt die Funktion "Universal Control".

Hoteltüren mit dem Apple-Wallet öffnen

Der Apple-Wallet soll so optimiert werden, dass Nutzer damit ihr Haus aufschließen können und oder sich ihren Hotelschlüsse auf ihr iPhone laden können. Apple hat sich nach eigener Aussage dafür mit der Kette Hyatt Hotels zusammengetan. Außerdem soll man eine verschlüsselte Kopie seines Ausweises auf das Smartphone laden können.

Während Apple mit einigen Funktionen wie "Universal Control" Neuland betritt, versucht der Konzern etwa mit der Spracherkennung in Fotos auf dem iPhone zu Google aufzuschließen. Bei dem Internet-Konzern gibt es das in dem Dienst Google Lens schon seit einigen Jahren.

tel/ mit Material der DPA