Warum Apple keine Teile von Qualcomm mehr haben möchte

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Seit dem iPhone 7 im letzten Jahr bezieht Apple (WKN:865985) die Modems von Qualcomm (WKN:883121) und von Intel (WKN:855681). Zuvor hatte man sich noch exklusiv auf Qualcomm am verlassen.

Das würde zu einem Rückgang der Auslieferungen der Modems von Qualcomm führen und Intel bekommt eine neue Chance, um in diesen Markt einzusteigen.

Die Modems von Intel waren laut Tests von Dritten nicht so gut wie die von Qualcomm was die Leistung angeht und die Unterstützung von verschiedenen Mobilfunkanbietern. Daher funktionieren die iPhones, die mit Intel laufen, nicht mit CDMA-Netzwerken. In den meisten Fällen war die Leistung aber so gut, dass es die Nutzer nicht mitbekommen haben.

Apple setzte seine Dual-Sourcing-Strategie mit den diesjährigen Smartphones iPhone 8, iPhone 8 Plus und iPhone X fort und entschied sich erneut für Modems von Qualcomm und Intel. Eine Reihe von Berichten aus dem Wall Street Journal und Reuters behaupteten kürzlich, dass Apple Qualcomm komplett aus den iPhones des nächsten Jahres werfen könnte, was Qualcomm einen weiteren Schlag versetzen und Intel weiteren Auftrieb geben würde.

Viele führen an, das Apple Qualcomm nicht mehr benutzen möchte aufgrund von Streitigkeiten um das geistige Eigentum. Ich glaube aber, dass ein größerer und strategischer Grund dahinter steckt.

Qualcomm ist ein direkter Wettbewerber

Qualcomm ist als führender Chip-Anbieter bekannt. Die meisten Smartphone-Hersteller haben aber nicht die finanziellen Mittel oder das Geschäft, um ihre eigenen Prozessoren herzustellen wie im Fall von Apple. Sie verlassen sich darauf, dass Qualcomm bessere Prozessoren herstellt, die es Ihnen ermöglichen, wettbewerbsfähige Smartphones herzustellen.

Ein Großteil der Funktionalität eines Smartphones hängt direkt von den verschiedenen Technologien ab, die in den Anwendungsprozessor integriert sind. Die allgemeine Geschwindigkeit und die Benutzererfahrung, die Qualität des Kamerasystems, die Akkulaufzeit und vieles mehr werden direkt von den Technologien beeinflusst, die in diesen Prozessoren zu finden sind. Qualcomm vermarktet diese Technologie und macht es praktisch jedem Smartphone-Hersteller leicht, Zugang zu einigen der fortschrittlichsten Smartphone-Chip-Technologien der Welt zu erhalten, ohne Milliarden in Forschung und Entwicklung investieren zu müssen.

Was viele Investoren jedoch nicht wissen, ist, dass Qualcomm nicht nur Prozessoren und verwandte Software an diese Smartphone-Hersteller verkauft. Qualcomm leistet oft einen großen Teil der Arbeit, wenn es um das Design des Telefons geht. So können kleine, relativ unbekannte Smartphone-Hersteller Geräte auf den Markt bringen, die mit Telefonen von viel größeren Herstellern konkurrieren können.

Darüber hinaus baut Qualcomm sein Portfolio an Smartphone-Technologien weiter aus. So vermarktet Qualcomm eine breite Palette von Fingerabdruckscannern, die als Snapdragon Sense ID vermarktet werden, an Smartphone-Hersteller. Das Qualcomm-Portfolio an Fingerabdruckscannern umfasst alles von Low-End-Scannern, die in Home-Tasten eingebettet werden können, bis hin zu Scannern, die direkt in das Display integriert werden können.

Darüber hinaus ist Qualcomm auch bei der Entwicklung von 3D-Sensing-Technologien wie Apples neuer TrueDepth-Kameratechnologie sehr engagiert. Sobald Qualcomm diese Technologie auf den Weg gebracht hat, können andere Smartphone – Hersteller dieselben Funktionen wie Apple anbieten

Der Punkt ist folgender: Qualcomm ist einer der Schlüsselfaktoren für die Kommerzialisierung der Technologien, die Apple auf den Markt bringt. Ich vermute, dass Apple davon ausgeht, dass es durch den Entzug von Aufträgen dem Unternehmen Mittel entziehen kann, die sonst in neue Technologien investiert werden würden. Diese Technologien könnten gegen Apple verwendet werden.

Intel sorgt nicht für großen Wettbewerb

Da Intel außer Apple keine Smartphone-Kunden hat, stellt das Unternehmen keine so gefährliche Bedrohung für Apple da.

Intel arbeitet natürlich auf dem PC-Markt, um Konkurrenten von Apples Mac- und teilweise auch iPad-Produktlinien zu unterstützen, aber dieser Bereich ist nicht annähernd so groß wie das iPhone-Geschäft. Das macht es für Apple wahrscheinlich viel angenehmer, wenn man Intel statt Qualcomm nun Milliardenbeträge für die Modems überweist.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Apple.

The Motley Fool besitzt Aktien von Qualcomm und hat die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple. The Motley Fool empfiehlt Intel. 

Dieser Artikel wurde von Ashraf Eassa auf Englisch verfasst und wurde am 08.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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