Apple-Drama "Palmer": So schlägt sich Justin Timberlake als Ersatz-Papa

Julian Weinberger
·Lesedauer: 3 Min.
Zwei Außenseiter, die beide auf ihre Weise den Alltag meistern müssen: Eddie (Justin Timberlake, links) und Sam (Allen Ryder) haben es nicht einfach. (Bild: Apple)
Zwei Außenseiter, die beide auf ihre Weise den Alltag meistern müssen: Eddie (Justin Timberlake, links) und Sam (Allen Ryder) haben es nicht einfach. (Bild: Apple)

Alle Augen auf Justin Timberlake? Als Ex-Knacki Eddie Palmer hadert der Superstar im Apple-Drama "Palmer" mit sich und seinem Leben. Bewegend ist der Film aber aus anderen Gründen - was vor allem mit einem erst Achtjährigen zu tun hat.

Ein prominent zur Schau gestellter Babybauch hier, ein Instagram-Schnappschuss von der Kinder-Geburtstagsfeier dort: Längst präsentieren viele Prominente nicht nur ihr eigenes Leben in den sozialen Medien, sondern zeigen ihrer Followerschaft auch stolz ihren Nachwuchs. Justin Timberlake und seine Frau Jessica Biel ticken da ganz anders. Sowohl die Geburt ihres zweiten Kindes im Sommer 2020 als auch den sonstigen Familienalltag hielt das Paar bislang recht erfolgreich aus der Öffentlichkeit heraus. Wie Timberlake als Vater agiert, darüber können also nur Vermutungen angestellt werden. Immerhin darf der Popstar seine Papa-Qualitäten nun im Drama "Palmer" (ab 29. Januar, Apple TV+) unter Beweis stellen - wenn auch nicht ganz freiwillig.

Zunächst hat der von Timberlake gespielte Eddie Palmer aber ganz andere Sorgen. Einst ein hoffnungsvolles Football-Talent, geriet Palmer nach einer Verletzung auf die schiefe Bahn und landete im Gefängnis. Zwölf Jahre später kehrt er in seine alte Heimat zurück - eine katholisch geprägte Kleinstadt, wo jeder jeden kennt und sich während seiner Abwesenheit kaum was geändert zu haben scheint. Mit seinem Schicksal hadernd und von den Stadtbewohnern mit einer ordentlichen Prise Argwohn betrachtet, kommt er bei seiner Großmutter Vivian (June Squibb) unter.

Die kümmert sich regelmäßig um den Nachbarsjungen Sam (Ryder Allen), der von seiner drogensüchtigen Mutter Shelly (Juno Temple) vernachlässigt wird. Als sie wieder einmal für Wochen abtaucht, zieht Sam bei Vivian und Eddie ein. Während Eddie zunächst nichts von dem jungen Mitbewohner wissen will, wird der Ex-Häftling bald in die Verantwortung genommen. Denn eines Morgens liegt Vivian tot im Bett.

Nach der Gefängnisentlassung bekommt Eddie (Justin Timberlake) eine ungewollte Aufgabe: Er kümmert sich um den kleinen Sam (Ryder Allen). (Bild: Apple)
Nach der Gefängnisentlassung bekommt Eddie (Justin Timberlake) eine ungewollte Aufgabe: Er kümmert sich um den kleinen Sam (Ryder Allen). (Bild: Apple)

Achtjähriger stiehlt allen die Show

Mit dem vom Leben enttäuschten Eddie auf der einen Seite und Sam, der Prinzessinnen über alles liebt und mit Puppen und Lippenstift spielt, auf der anderen lässt Regisseur Fisher Stevens zwei Außenseiter aufeinandertreffen. Während Eddie auf der Suche nach einem Job immer wieder Vorurteilen begegnet, wird Sam aufgrund seiner Andersartigkeit von seinen Mitschülern geärgert. Zunächst sieht es Eddie als lästige Pflicht an, sich um den Jungen zu kümmern. Doch mit der Zeit erweicht Sam das Herz seines Ersatz-Vaters und weckt dessen Beschützerinstinkt, der erst recht gefordert wird, als Shelly wieder auftaucht.

"Palmer" erzählt von dieser Annäherung zwischen Eddie und Sam, ohne zu überraschen. Doch auch wenn die Handlungsstränge vorherbestimmt scheinen und die Macher mit ihrer Geschichte das Rad nicht neu erfinden, ist der knapp zweistündige Film eine Sichtung wert. Das liegt vor allem am erst achtjährigen Ryder Allen, der mit seiner liebenswürdigen und unbekümmerten Art allen die Show stiehlt. Zu glänzen weiß trotz ihrer kurzen Auftritte auch Juno Temple ("Ted Lasso") . Besonders eine Szene zwischen Mutter und Sohn erreicht eine Emotionalität, an der es im restlichen Film zuweilen mangelt - auch, weil Justin Timberlake eher wortkarg und steif auftritt.

Ist kein Junge wie jeder andere: Sam (Ryder Allen). (Bild: Apple)
Ist kein Junge wie jeder andere: Sam (Ryder Allen). (Bild: Apple)