Apple und die Billionen-Dollar-Wette


Das Bild ist eigentlich wie immer und doch anders. Am Freitag geht das iPhone X in den Verkauf und vor dem mondänen Apple Store in San Francisco hat sich am späten Donnerstag wieder eine Schlange von Kaufinteressenten gebildet - mit Thermoskanne, Klappstuhl und einem guten Buch. Doch: Die Schlange ist nur ganze 25 Personen lang. Das hat zu anderen Zeiten, vor allem als das iPhone 6 herauskam, anders ausgesehen. Polizisten mussten stellenweise für Ordnung auf dem Bürgersteig sorgen.

Tim Cook allerdings macht sich keine Sorgen. Die Nachfrage habe sich einfach ins Web verlagert, die Vorbestellungen für das neue Super-Smartphone iPhone X hätten die Erwartungen übertroffen. Das iPhone 8 sei „aus dem Stand“ das „beliebteste Modell“ der gesamten Smartphone-Palette geworden, straft er skeptische Analysten Lügen. Apple feure im wahrsten Sinne des Wortes „aus allen Zylindern“.


Der Vorstandschef von Apple hat die Zahlen, um seinen Optimismus zu untermauern: Umsatz und Ertrag übertrafen die Erwartungen. 52,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 12,2 Prozent zum Vorjahr, lautet die Schlussmarke für den Umsatz im Quartal zu Ende September, dem vierten von Apples Geschäftsjahr.

Der Nettogewinn stieg von neun auf 10,7 Milliarden Dollar. Der erwirtschaftete Cash Flow summierte sich auf 15,7 Milliarden Dollar. Für Dividenden und Aktienrückkäufe wurden elf Milliarden Dollar ausgegeben.

Die Apple-Aktie zog nachbörslich auf über 169 Dollar an, ein Allzeithoch. Die Börsenkapitalisierung lag da nur noch ein Schnapsglas unter 900 Milliarden Dollar. Im Rennen um das erste Billion-Dollar-Unternehmen hat Cook den Abstand zu den Herausforderern Google (718 Milliarden Dollar) und Microsoft (648 Milliarden Dollar) vergrößert und ein bombastisches Weihnachtsgeschäft könnte an der Wall Street alle Schleusen öffnen.


Das bombastische Quartal ist auch in Sicht. Für das laufende Quartal erwartet Cook jetzt einen Umsatz von 84 bis 87 Milliarden Dollar. Der Mittelwert würde ein Plus gegenüber dem Vorjahr von sieben Prozent bedeuten. Das spiegelt nicht nur Optimismus in das mindestens 1000 Dollar teure iPhone X und einen reibungslosen Absatz beim iPhone 8 wider, sondern auch andere Erfolgsfaktoren.

Zum ersten Mal seit langer Zeit zeigten iPhone, Computer und das zuletzt stark schwächelnde iPad gleichzeitig eine positive Tendenz. Das erklärt das starke Quartal. Die anderen Sparten untermauerten den Smartphone-Erfolg mit 46.7 Millionen verkauften iPhones.


Rund um die Apple Watch herrscht weiter Stille


Allerdings zog der iPhone-Umsatz nur um zwei Prozent an. iPads und Macs mit 14 und 25 Prozent Zuwachs brachten das Sahnehäubchen und vor allem Apple-Services mit einem Plus von 34 Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar. Services, wie Apples Appstore und das Musik- und Videogeschäft, hat sich damit zu einem Bereich in der Größenordnung eines eigenen Unternehmens entwickelt und bringt mit seinem Abonnementgeschäft auch eine stabilisierende Komponente in die Umsatzentwicklung.


Was die Apple-Watch angeht, gab es wie immer keine konkreten Zahlen. Der Absatz sei aber um 50 Prozent gestiegen und „LTE habe das Spiel neu gemischt“, so Cook. Der Mobilfunk-Anschluss sei bei Uhrenkäufern sehr beliebt.

Allerdings ist der Bereich „Anderes“, wo die Watch, aber unter anderem auch Apple TV und iPod angesiedelt sind, nur um 36 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar gewachsen. Irgendwo muss es also ein Problem geben, das Teile des Zuwachses auffrisst.


Mit einer runderneuerten Produktpalette, einem starken Quartal und einem optimistischen Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft, der den der Wall-Street-Analysten überstieg, hat Cook das Ziel von einer Billionen Dollar Börsenwert klar vor Augen. Vor allem auch, weil sich zum richtigen Zeitpunkt ein wichtiges Problemfeld aufgelöst hat: Das Geschäft in China ist nach langer Zeit wieder im Aufwärtstrend.

Jetzt könnten nur noch Probleme bei der Produktion des mit Hightech vollgestopften iPhone X das rosige Bild trüben. Doch Apple-Finanzvorstand Luca Maestri zerstreute entsprechende Sorgen von Analysten in Gespräch: „Wir sind ziemlich happy mit den Fortschritten, die wir machen“, ließ er wissen. Das wäre wichtig, denn die wahren Apple-Fans wollen ihr „X“ Weihnachten unter dem Gabentisch haben.

KONTEXT

Die iPhone-Evolution

Von Modell zu Modell

Das erste iPhone im Jahr 2007 hat den Vormarsch der Smartphones angestoßen und nicht nur die Mobilfunk-Industrie umgekrempelt. Ein Überblick über die Entwicklung der Geräte von Modell zu Modell:

Das erste iPhone

Für das Jahr 2007 waren der große Touchscreen ganz ohne Tastatur und die Bedienung per Finger ein radikales Konzept, das die Smartphone-Revolution entscheidend anschob. Dabei verzichtete Apple bei der ersten Version sogar auf den schnellen UMTS-Datenfunk. (Quelle: dpa)

iPhone 3G

Ein iPhone 2 gab es nie - stattdessen kam im Sommer 2008 das iPhone 3G, was auf die Unterstützung des 3G-Standards UMTS hinwies. Das Aluminium-Gehäuse wurde durch eine Plastik-Schale ersetzt. Mit dem App Store öffnete Apple die Plattform für Programme verschiedener Entwickler.

iPhone 3GS

Mit dem Modell des Jahres 2009 führte Apple sein "Tick-Tock"-Prinzip ein, bei dem die iPhones alle zwei Jahre radikal erneuert werden und es zwischendurch ein "S"-Modell im unveränderten Design, aber mit aufgerüstetem Innenleben gibt. Das 3GS bekam eine bessere Kamera und einen schnelleren Chip.

iPhone 4

Das letzte Modell, das Gründer Steve Jobs noch selbst vorstellte. Das kantige Design des iPhone 4 mit einer gläsernen Rückwand war 2010 aufsehenerregend, zugleich häuften sich zunächst Berichte über Empfangsprobleme mit der Antenne am Außenrand.

iPhone 4S

Apple ließ sich 15 Monate Zeit bis Oktober 2011 mit einer Aktualisierung. Zu den Neuerungen gehörte neben technischen Verbesserungen die Sprachassistentin Siri.

iPhone 5

Während die Smartphones der Wettbewerber immer größer wurden, erweiterte Apple 2012 zunächst vorsichtig die Bildschirm-Diagonale von 3,5 auf 4 Zoll. Zugleich wurde das Gerät deutlich dünner gemacht und bekam wieder eine Aluminium-Hülle.

iPhone5S

Die wichtigste Neuerung im Herbst 2013 war der Fingerabdruck-Sensor zum Entsperren der Telefone. Zudem entwickelte Apple unter anderem die Kamera weiter.

iPhone 6

Erstmals entschied sich Apple 2014 für zwei neue Modelle mit deutlich größeren Bildschirmen mit Diagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll. Der Schritt löste einen Absatzsprung aus, Apple kam monatelang der Nachfrage nicht hinterher. Die Geräte wurden abermals dünner.

iPhone 6S

Gleiches Gehäuse, bessere Technik - das reichte im Weihnachtsquartal 2015 knapp für den nächsten Absatzrekord von knapp 74,8 Millionen verkauften iPhones.

iPhone 7

Zum ersten Mal geht Apple ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten äußeren Design. Aber Apple verzichtete unter anderem auf die klassische Ohrhörer-Buchse zugunsten des digitalen "Lightning"-Anschlusses.

iPhone 8

Bei zahlreichen Neuerungen im Inneren behielt Apple hier das seit 2014 kaum veränderte Design bei.

iPhone X

Erstmals hat das neue iPhone ein OLED-Display, welches zusätzlich bis zu den Rändern reicht. Außerdem verfügt es über eine Gesichtserkennung zum Entsperren. Dafür wurden der Homebutton und der Fingerabdrucksensor weggelassen.