Apple, Amazon & Co: Neuer Fonds will in Internet-Aktien investieren. Sein Prototyp schlug DAX und Nasdaq

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Apple Flagship-Store in Shanghai.
Apple Flagship-Store in Shanghai.

In seiner dritten Woche als FAZ-Redakteur kam Holger Schmidts Chef auf ihn zu und sagte, dass draußen ein amerikanischer Unternehmer wartet, der Bücher im Internet verkaufen will. Das war 1997 und der amerikanische Unternehmer hieß Jeff Bezos.

„Im Interview hat mir Jeff Bezos dann die tollsten Dinge erzählt, die er machen will“, erinnert sich Schmidt im Gespräch mit Business Insider. „Es klang schon alles extrem ambitioniert – und schwer vorstellbar.“ Bezos erzählte schon damals von seinem Plan, das „größte Kaufhaus der Welt“ zu bauen. „Im Laufe der Zeit habe ich dann gemerkt, dass er genau das macht, was er mir gesagt hat. Es dauert vielleicht mehrere Jahre, aber er zieht es durch.“

Auch in den folgenden Jahren konnte Schmidt weitere CEOs von Technologie-Giganten kennenlernen, wie beispielsweise den Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Schmidt war begeistert – von den CEOs und deren Geschäftsmodellen, die vor allem auf Plattformen basieren. Also Internet-Firmen, die einen Markt errichten, auf dem Kunde und Verkäufer zusammenfinden. Besonders bekannte Beispiele sind dafür Apple, Facebook und Amazon oder auch der chinesische Internet-Gigant Alibaba.

Der Plattform-Index läuft dem DAX davon

Aus der Begeisterung für solche Plattform-Unternehmen erschuf Schmidt 2016 den Plattform-Index, ein wissenschaftliches Projekt, welches die Kursentwicklung von 15 ausgewählten Plattform-Unternehmen zusammenfasst. Mit dieser Idee wollte Schmidt die Überlegenheit solcher Unternehmen darstellen – mit Erfolg.

Während der DAX seit 2016 um 54 Prozent nach oben geklettert ist, der Nasdaq um 187 Prozent und der Dow Jones Industrial um 87 Prozent ist dieser Index den dreien mit Sprinttempo davongelaufen. Der Plattform-Index stieg in derselben Zeit um 310 Prozent.

Der Plattform-Index im Vergleich mit anderen bekannten Indizes
Der Plattform-Index im Vergleich mit anderen bekannten Indizes

Schmidt entschied sich also nun ein „richtigen“ Aktienfonds zu schaffen, welcher auf der anfänglichen Plattform-Idee basiert – der „The Original Platform Fund“. Gemeinsam mit der ALPS Family Office AG und der Hansainvest als Kapitalverwaltungsgesellschaft, hat Schmidt, als Geschäftsführer von DEIX Digital Economy Investments, den Fonds initiiert.

„Als ich den Plattform-Index erschaffen hab, habe ich niemals gedacht, dass es irgendwann ein echter Fonds sein wird“, sagt Schmidt. Das wäre auch gar nicht das Ziel gewesen. Aber der Index lief so gut und es kamen immer mehr Menschen auf ihn zu und fragten, warum er keinen richtigen Fonds daraus mache, erzählt er. „Für mich ist das natürlich auch Neuland, aber ich habe mir dann Partner gesucht, die von der BaFin reguliert sind und einen Fonds auflegen dürfen. Jetzt haben wir es geschafft“, sagt Schmidt.

25 Unternehmen kommen ins Portfolio

Die Fondsmacher zählen rund 1500 Unternehmen, die als Plattform auftreten und die in die Portfolioauswahl kommen. Daraufhin erfolgt eine Analyse, um die modernsten und vielversprechendsten Plattformen herauszufiltern. Auf Region oder Branche wird sich dabei nicht beschränkt. Nach der ersten Filterung bleiben 150 Unternehmen übrig, die aus Sicht der Fondsmanager besonders aussichtsreiche Titel sind. Auf der Basis von Daten wie Marktkapitalisierung, Wachstumsdynamik sowie der Bewertung von Geschäftsmodell und Marktposition kommen am Ende 25 Unternehmen ins Portfolio. Zu der Top Ten der aktuellen Auswahl gehören unter anderem Microsoft, Apple, Amazon und Alphabet.

Laut einer Studie von der renommierten amerikanischen Universität MIT, die Schmidt zitiert, wachsen Plattformen im Vergleich mit traditionellen Unternehmen etwa doppelt so schnell und sind doppelt so profitabel. Da viele große Märkte wie etwa Mobilität, Energie und Gesundheit noch „ganz am Anfang der Plattformwelle stehen“, geht der Finanz-Experte von „weiteren starken Zuwächsen der Plattformökonomie aus.“

Wer in den Fonds investieren will, muss mit einer Gebühr von 1,86 Prozent im Jahr rechnen. Für private Anleger vergleichsweise hoch, denn typische Kosten für Investmentfonds liegen etwa zwischen 0,50 und 2,00 Prozent. Zum Vergleich: Für den bekannten ETF, MSCI World, fallen durchschnittlich etwa 0,10 bis 0,40 Prozent Gebühren pro Jahr an.

Plattform-Unternehmen brauchen eine längere Anlaufzeit

Schmidt betont auch, dass es sich bei der Anlagestrategie um eine langfristig orientierte Strategie handelt, es sei kein Trading. Denn aufgrund ihres Geschäftsmodell benötigen Plattformen häufig eine längere „Anlaufzeit“, wie Schmidt erklärt, um erfolgreich zu sein. „Unternehmen aus der Plattform-Ökonomie verfolgen einen langfristigen Plan. Die CEOs lassen sich von niemandem abbringen, gehen ihren Weg und der Erfolg gibt ihnen am Ende recht.“ Denn auch Amazon brauchte rund zwanzig Jahre, bis es so erfolgreich wurde, wie heute.

Doch eine Investment in die Tech-Giganten ist nicht komplett risikofrei. Der Einfluss der Internetkonzerne ist so groß geworden, dass Experten eine Gefahr vor allem für den Verbraucher im Bereich Datenschutz und beim Wettbewerb sehen. So entscheidet beispielsweise Amazon, welche Produkte Kunden als erstes sehen, Google kontrolliert die Suchergebnisse und Apple legt die Reihenfolge im App Store fest. Die Drohszenarien sind Zerschlagungen und die darauffolgende Frage, ob Tech-Unternehmen dann, falls es überhaupt soweit kommt, weiter so erfolgreich bleiben. Aber sollte „The Original Platform Fund“ genauso erfolgreich verlaufen, wie sein Prototyp, dürfte Schmidt optimistisch bleiben.

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