Appelle vor G20-Gipfel: Mehr Finanzhilfe im Kampf gegen Hunger nötig

BERLIN (dpa-AFX) -Im Kampf gegen den wachsenden Hunger in der Welt haben Entwicklungsorganisationen umgehend größere Finanzzusagen von der Gruppe der führenden Wirtschaftsmächte (G20) gefordert. "Wir brauchen dringend mehr Soforthilfe, um die schlimmsten Auswirkungen von Hunger und Mangelernährung einzudämmen", sagte Fiona Uellendahl, Expertin des Kinderhilfswerks World Vision, vor dem G20-Gipfel Anfang nächster Woche in Nusa Dua auf der indonesischen Insel Bali.

Mehr als 800 Millionen Menschen hätten schon Probleme, sich ausreichend zu ernähren. Fast 26 Millionen Kinder unter fünf Jahren litten an Unterernährung. So warnen die Vereinten Nationen vor einer Hungerkatastrophe in Somalia. Auch im Jemen, in Äthiopien, Nigeria, im Süd-Sudan, in Kenia, Madagaskar und Burkina Faso sei die Lage schlimm, sagte Uellendahl. Sorgen mache ähnlich die Situation in Teilen Südostasiens und Lateinamerikas wie in Venezuela.

"50 Millionen Menschen in 45 Ländern stehen kurz vor dem Hungertod", warnte Friederike Röder von Global Citizen. "Die G20 müssen die nötigen Mittel zusagen, um diese Katastrophe abzuwenden und widerstandsfähige Ernährungssysteme aufzubauen." Die Zahl der Menschen, die unter akuter Nahrungsmittelunsicherheit litten, habe sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen fast verdreifacht.

"Wir brauchen entschlossenes politisches Handeln und nachhaltige Konzepte für einen echten Wandel der Ernährungssysteme", sagte World Vision-Expertin Uellendahl. "Jetzt ist keine Zeit mehr für Lippenbekenntnisse. Die G20 dürfen nicht länger wegschauen." Ursachen des wachsenden Hungers seien vor allem der Krieg in der Ukraine - ein weltweit wichtiger Getreidelieferant - sowie Dürren und Überschwemmungen als Folge des Klimawandels.

Unlautere Spekulationen mit Nahrungsmittelpreisen hätten sich durch die Ukraine-Krise verstärkt und verschärften die Knappheit, beklagte Uellendahl. Mindestens 26 Länder bezögen mehr als die Hälfte ihrer Weizenimporte aus der Ukraine und Russland. In Eritrea, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo seien es 80 bis 100 Prozent. Der Brotpreis im Sudan habe sich verdoppelt, im Libanon um 70 Prozent erhöht.