Die App dieser Gründerinnen hilft Frauen, neue Freundinnen zu finden

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Julia Brüggemann (l.) und Vanessa Mels wollen mit ihrer App Frauen deutschlandweit vernetzen.
Julia Brüggemann (l.) und Vanessa Mels wollen mit ihrer App Frauen deutschlandweit vernetzen.

Vanessa Mels und Julia Brüggemann haben mit ihrem Startup schon mancher Frau zu ihrer Trauzeugin oder einer Patentante für ihr Kind verholfen. Statt Datingpartnern vermitteln die beiden Gründerinnen über ihre App Coella Freundinnen – und ziehen damit weite Kreise. Noch vor dem Launch teilte Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer die App in den sozialen Medien. Im Vorfeld hatte Cramer die Gründerinnen beraten und motiviert, ihre App zu verwirklichen.

Ähnlich dem Konzept von Bumble und Tinder können sich Nutzerinnen ab 18 Jahren ein kostenloses Profil anlegen, bei dem sie Wohnort, bevorzugte Altersspanne, Werte und Interessen angeben. Die Frauen können aus Kategorien wie "Mädelsabend", "Neu in der Stadt", "Sport" und "Kochen" auswählen. Ein Algorithmus ermittelt dann Frauen mit ähnlichen Interessen und schlägt potenzielle Freundinnen vor.

Zunächst lernen sich die Nutzerinnen im Chat kennen – gedacht ist es aber, dass Begegnungen später im echten Leben stattfinden. Dafür gibt es eine eigene Funktion: So sollen sich die Frauen bei ihrem ersten Treffen gegenseitig verifizieren. „Wir achten sehr stark auf Transparenz und Vertrauen“, erklärt Brüggemann im Gespräch mit Gründerszene. So habe die Instagram-Community, die in den gesamten Entstehungsprozess von Coella involviert war, auch entschieden, dass ein gut erkennbares Foto zur Pflicht wird. „Profile mit Katzenbildern oder Blumensträußen müssen wir sperren“, sagt Mels.

App-Nutzerinnen stammen verstärkt aus NRW

Den meisten Frauen ginge es bei Coella um Austausch, darum, gemeinsame Trainingspartner fürs Jogging zu finden oder abends einen Wein bei der Freundin um die Ecke zu trinken. „Wenn Frauen zusammenkommen, wird es oft tiefgründig“, weiß Brüggemann, die nebenher als Influencerin unter dem Namen Diedaywalker arbeitet.

Hauptsächlich 25- bis 35-Jährige seien bei der App angemeldet. Künftig wollen die Günderinnen eine noch jüngere Zielgruppe ansprechen und dafür mehr ins Marketing investieren. Seit ihrem Launch im Lockdown vor gut einem Jahr sei die Zahl der Nutzerinnen deutschlandweit auf über 40.000 gewachsen, erzählt das Duo. Viele stammten aus Nordrhein-Westfalen, München, Berlin und Hamburg. Weniger erfolgreich ist die App zum Beispiel in Sachsen. "Das hat viel mit Mentalität zu tun. Im Ruhrgebiet sind die Menschen häufig offener", so Mels. "Gerade Leute, die wegen Studium, Job oder Liebe in Großstädte ziehen, sind eher auf der Suche nach neuen Kontakten."

Zum Vergleich: Das Freundschafts-Feature der amerikanischen Dating-App Bumble, genannt BFF, nutzen monatlich etwa 500.000 User weltweit. Vor allem Männer hätten in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr Zeit damit verbracht, online Freunde zu finden, gab Bumbles Vizepräsidentin für Europa, Naomi Walkland, in einem Statement im Juni bekannt. Zwar dürfte der Markt von Freundschafts-Apps weniger gesättigt sein als in der Dating-Sparte, die Konkurrenz wartet trotzdem nicht: Anbieter wie Patook, Meetup, Friendsup oder das Startup Spontacs, das Freunde für Freizeitaktivitäten vermittelt und kürzlich an das österreichische Unternehmen Synexit verkauft wurde, sind auf dem Vormarsch.

Crowdfunding brachte den Gründerinnen das Startkapital ein

Die Gründerinnen von Coella vertrauen hingegen auf ihre Community – immerhin hat diese auch Geld in das Startup investiert. Im Oktober 2019 hatten die Influencerinnen ein Crowdfunding gestartet, mit dem Ziel 25.000 Euro einzusammeln. Vorab hatten Brüggemann und Mels ein Angebot der Dortmunder Agentur App Pilots erhalten, die Programmierung von Coella zu übernehmen, sollten die Gründerinnen ihre Finanzierung abschließen.

Mit Ausnahme einer kurzen Panne auf der Plattform Startnext, die kurzzeitig 5000 Euro mehr anzeigte als tatsächlich eingesammelt waren, schlossen die beiden Frauen das Crowdfunding-Projekt nach einem Monat erfolgreich ab. Seitdem hätten sie keine weiteren Investoren benötigt und sich über Werbeeinnahmen finanziert, sagen sie. Werbepartnerschaften hat das Startup zum Beispiel mit Mydays, Christ, Tamaris und Etepetete. 2022 wollen die Coella-Frauen ein Freemium-Modell einführen: Nutzerinnen soll es gegen Gebühr möglich sein, einen zweiten Standort anzugeben und so gleichzeitig in mehreren Städten Freundinnen zu suchen.

Obwohl auch Männer sich für Freundschafts-Apps interessieren, soll Coella weiterhin nur Frauen vorbehalten sein. Der Grund: Laut einer Oxford-Studie von 2016 vernachlässigen Männer ab Mitte Dreißig ihre sozialen Kontakte eher, während Frauen mit zunehmenden Alter noch neue Freundschaften schließen. Gründerin Brüggemann beobachtet das im eigenen Umfeld: „Männer agieren oft anders als Frauen. Sobald sie Familie haben, ist das eigene Sozialleben bei vielen auf Eis gelegt. Es wird gearbeitet, sie kommen nach Hause und das war's.“ Mels betont, dass Coella zudem als „Schutzraum“ für Frauen gedacht sei.

Bedürfnis nach sozialen Kontakten wächst durch Corona

Dabei könnte sich der Wunsch nach sozialen Kontakten infolge der Pandemie auf beiden Seiten eher verstärkt haben. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Yougov und Statista von Oktober 2020 hat ergeben, dass gerade Jüngere während der Corona-Pandemie unter der Isolation leiden. So gaben von 980 Befragten rund die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen an, sich in den vorangegangenen zwei Monaten der Befragung oft einsam gefühlt zu haben. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen liegt der Anteil bei 30 Prozent. Ein ähnliches Resultat zeigt eine Befragung der Partnerbörse Parship aus dem März vergangen Jahres. 60 Prozent von über 4000 befragten Singles gaben an, während der Kontaktsperre den Freundeskreis besonders vermisst zu haben.

Gründerin Brüggemann befürchtet, dass durch Lockdowns und Social Distancing Menschen verlernt haben, Freundschaften zu pflegen. „Wir werden zu ungeduldig, nehmen uns nicht mal mehr Zeit für Smalltalk im Supermarkt.“

Die beiden Gründerinnen selbst haben sich ebenfalls online kennengelernt. Mels hatte zuvor anonym über Liebe gebloggt, als ihr die Idee zur App kam. "Damals schwebte mir noch vor, dass es eine Plattform geben müsse, auf der sich Frauen anonym über Beziehungsprobleme austauschen." Die 30-Jährige wurde dann auf Brüggemann aufmerksam, die einen Beitrag für eine Freundin auf Kontaktsuche verfasst hatte und schlug ihr ein Treffen vor. Auf Instagram schrieb Brüggemann kürzlich: "Vanessa ist die Hardware der Coella-App, ich die wilde, spontane, das Gesicht für die Öffentlichkeit."

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