'WSJ': Boeing an Übernahme von Embraer interessiert - Warten auf Regierung

dpa-AFX

NEW YORK (dpa-AFX) - Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing hat laut einem Pressebericht Übernahmegespräche mit seinem brasilianischen Rivalen Embraer geführt. Mit dem Deal würde Boeing in den Markt für kleinere Jets vorstoßen, ähnlich wie es Airbus mit dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier und dessen neuer C-Serie gemacht hat. Dies berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag auf seiner Internetseite und berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Boeing wäre demzufolge bereit, im Vergleich zum Börsenwert von Embraer eine ordentliche Schippe Geld draufzulegen.

Embraer war an der Börse am Donnerstag Morgen rund 3,7 Milliarden US-Dollar (3,1 Mrd Euro) wert. Der Kurs von in den USA gehandelten Papieren des brasilianischen Unternehmens sprang nach den Nachrichten um 26 Prozent in die Höhe. Die Aktien von Boeing verloren hingegen knapp ein Prozent an Wert.

Die Gespräche liegen dem Bericht zufolge allerdings derzeit auf Eis. Die Beteiligten warteten auf eine Aussage der brasilianischen Regierung, ob sie den Deal absegnen würde. Die Regierung hat eine sogenannte goldene Aktie von Embraer und könnte den Zusammenschluss dank eines besonderen Stimmrechts verhindern.

Embraer baut Regional- und Militärflugzeuge und gilt als eine der Kronjuwelen der brasilianischen Wirtschaft. Mehrere vom "Wall Street Journal" befragte Insider rechnen auch nicht damit, dass die Gespräche weitergeführt werden. Boeing wäre dem Bericht zufolge bereit, die Marke Embraer und das Management beizubehalten und die Jobs im Konzern zu sichern. Auch die Interessen der Regierung im Rüstungsbereich würde Boeing bei dem Deal besonders schützen wollen.

Boeings europäischer Rivale Airbus hatte sich im Oktober die Mehrheit an der jungen Mittelstrecken-Baureihe C-Serie des angeschlagenen Herstellers Bombardier gesichert. Durch den Deal erweitert Airbus seine Produktpalette im Bereich der kleineren Passagierjets.