'Infame' Vorwürfe: Brasiliens Staatschef lehnt Rücktritt ab

dpa-AFX

BRASILIA (dpa-AFX) - Brasiliens Präsident Michel Temer lehnt trotz einer Anklage wegen Korruptionsverdachts einen Rücktritt ab. Er holte am Dienstag (Ortszeit) zu einem Rundumschlag aus und bezeichnete die von Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot erhobenen Vorwürfe in einer Mitteilung als "juristische Fiktion" und "infam". Temer unterstellte Janot parteipolitische Interessen.

Als erstes Staatsoberhaupt in der Geschichte des Landes war Temer während seiner Amtszeit angeklagt worden. Janot beschuldigt Temer, Schmiergeldzahlungen akzeptiert und im Gegenzug zugunsten des größten Fleischkonzerns der Welt, JBS, bei der Wettbewerbsbehörde interveniert zu haben. Als Beweis betrachtet er Fotos, auf denen zu sehen sein soll, wie Temers Vertrauter Rocha Loures von einem JBS-Direktor einen Geldkoffer mit umgerechnet knapp 150 000 Euro entgegennimmt. Der Abgeordnete wurde ebenfalls angeklagt.

Josley Batista, Besitzer von JBS, hatte zudem einen heimlichen Mitschnitt eines Gesprächs mit Temer der Justiz übergeben. Dieser Mitschnitt legt den Verdacht nahe, dass ein in Haft sitzender Mitwisser von Schmiergeldgeschäften, Ex-Parlamentspräsident Eduardo Cunha, mit Geldzahlungen von Enthüllungen abgehalten werden sollte.

Temer hatte 2016 die Macht nach der Amtsenthebung der linken Präsidentin Dilma Rousseff übernommen. Die Zustimmung zur Amtsführung des konservativen Politikers ist auf sieben Prozent gefallen. Zu den Vorwürfen sagt er: "Ich habe nie das Geld gesehen und ich habe mich nie an illegalen Absprachen beteiligt."

Im Juli wird der schwer unter Druck stehende Staatschef der neuntgrößten Volkswirtschaft der Welt zum G20-Gipfel in Hamburg erwartet. Nach einem Wirtschaftseinbruch um 7,4 Prozent seit 2015 und fast 14 Millionen Arbeitslosen könnten geplante Arbeitsmarkt- und Strukturreformen durch die Regierungskrise blockiert werden.