'FT': Griechenland plant in kommenden Tagen Rückkehr an die Finanzmärkte

dpa-AFX

ATHEN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Griechenland könnte bereits in Kürze erstmals seit drei Jahren wieder Staatsschulden am Rentenmarkt aufnehmen. Das Land werde voraussichtlich diese oder kommende Woche eine fünfjährige Anleihe emittieren, berichtete die "Financial Times" (Dienstagsausgabe) mit Bezug auf mit der Sache vertraute Banker. Demnach sei der Zeitpunkt kurz vor der Sommerpause günstig. Später könnte dagegen die Risikofreude der Anleger durch Hinweise auf eine straffere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie durch die anstehenden Parlamentswahlen in Italien gedämpft werden.

Dem Bericht zufolge erwartet eine der informierten Personen im Falle einer Emission eine Rendite von über 4,5 Prozent. Seit dem Beginn der Eurokrise 2010 hat Griechenland nur zweimal im Jahr 2014 am Anleihemarkt Schulden aufgenommen. Die Laufzeiten lagen bei drei und fünf Jahren. Seit Mitte Februar dieses Jahres hat sich die Lage am griechischen Rentenmarkt wieder deutlich entspannt und die Rendite richtungweisender zehnjähriger Staatspapiere war zum Wochenbeginn mit unter 5,2 Prozent so niedrig wie seit Ausbruch der Eurokrise nicht mehr.

Zuletzt hatte es gute Nachrichten für Griechenland gegeben. Im Juni einigten sich die Euro-Finanzminister nach monatelangem Hin und Her unter formaler Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf die Freigabe weiterer Hilfsgelder aus dem aktuellen Rettungsprogramm. Zudem soll aufgrund jüngster Sparanstrengungen das vor acht Jahren eröffnete EU-Verfahren gegen Griechenland wegen Verstößen gegen die Euro-Defizitregeln beendet werden.

Ein Selbstläufer wäre eine Emission aber dennoch nicht, meint Dirk Gojny, Experte bei der National-Bank. Da Griechenland nach wie vor vom Wertpapierkaufprogramm der EZB ausgeschlossen sei und nicht allzu viele Anleger überhaupt investieren dürften, sei fraglich, ob eine Emission zu akzeptablen Konditionen gelingen könne. Zuvor hatte Norbert Aul, Stratege bei der Bank UBS, in einer Mitteilung an Kunden von einem angepeilten Volumen der Emission von zwei bis vier Milliarden Euro geschrieben.